Das Porträt Ein Leben für die Rockmusik

In Ottersberg kennt man Hartmut Ernst nur als „Knaddel“. Als Organisator von Rockkonzerten hatte er sich in den 1970er-Jahren einen Namen gemacht, weil er Bands wie die Scorpions und Jane nach Ottersberg holte.
20.11.2018, 16:49
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Ein Leben für die Rockmusik
Von Lars Köppler

Ottersberg. Ein Lob hört man doch immer gern. Da macht auch Hartmut Ernst keine Ausnahme, vor allem dann, wenn die warmen Worte aus prominentem Munde stammen. „Ich kann mich noch an den Auftritt im Ottersberger Hof am 26. Februar 1977 erinnern. Die Stimmung war riesig, das Publikum war klasse – es war ein tolles Konzert“, schwärmte Francis Buchholz jüngst im Gästebuch des Mannes, den damals wie heute alle nur unter dem Namen „Knaddel“ kennen. Buchholz hatte mit seiner zum Ende der 1970er-Jahre kurz vor dem Durchbruch stehenden Rockband The Scorpions in Ottersberg gastiert und „Knaddel“ das Livekonzert gemeinsam mit seinen Freunden Fred Stolle und Erwin Klingbeil auf die Beine gestellt. Für die Scorpions und ihren legendären Rock-Bassisten war es der Start in eine Weltkarriere, für „Knaddel“ ein großartiger Höhepunkt in seiner Vita als junger Veranstaltungsmanager.

Für Francis Buchholz, der in dieser besagten kalten Februarnacht mit Klaus Meine, Rudolf Schenker, Uli Roth und Rudy Lenners die Bühne rockte, muss es unter Hunderten Konzerten wohl ein ganz Besonderes gewesen sein. „Jedes Mal, wenn ich mich zu unserem Drummer Rudy Lenners umgedreht habe, sah ich ihn vor diesem riesigen Alpenpanorama sitzen. Eine etwas unwirklich erscheinende Szenerie“, erinnerte sich Buchholz in dem Gästebuch an die speziellen Umstände im Ottersberger Hof. „Die Fototapete musste bleiben“, erzählt Hartmut Ernst. Der Wirt habe es so gewollt, obwohl das Bild eher zu einem Liederabend mit den Wildecker Herzbuben gepasst hätte, als zum Auftritt der Scorpions.

Wenn „Knaddel“ von den guten alten Zeiten spricht, dann gerät er ins Schwärmen. Dicke Mappen mit wertvollen Erinnerungsstücken wie beispielsweise Eintrittskarten und Ankündigungsplakaten hat er angehäuft, Poster zieren die Wände seines Hauses am Otterstedter See. „Es war eine tolle Zeit damals“, sagt der 64-jährige Frührentner, und meint damit die Jahre zwischen 1976 und 1981, als er so gut wie alles, was damals Rang und Namen in der deutschen Rockszene hatte, zu einem Gastspiel nach Ottersberg holte. Wie zum Beweis hält der gelernte Elektriker eine Eintrittskarte vom Rockkonzert mit der Rockband Grobschnitt in die Höhe, die am 1. Oktober 1977 im Ottersberger Hof für Furore sorgte. „Das war die teuerste Band. 3500 Mark haben die genommen“, erzählt „Knaddel“, als wolle er noch heute den Vorverkaufspreis von acht Mark rechtfertigen.

Wohnzimmerkonzert mit Pete York

In einer ganz anderen Preiskategorie, obwohl wesentlich berühmter, ließ sich Pete York von der legendären Spencer Davis Group für ein Konzert gewinnen. Nur 1000 Mark mussten die Organisatoren um „Knaddel“ berappen, und hatten trotzdem ein musikalisches Liveerlebnis der Extraklasse. „Pete war so easy drauf“, schwärmt „Knaddel“ noch immer von dem bescheidenen Star, der ursprünglich in Bremen auftreten sollte. Da es Probleme mit dem Veranstaltungsort gab, bot eine Bremer Konzertagentur den Ottersberger Veranstaltern den Auftritt von York an. „Es war uns nicht ganz wohl dabei, denn wir hatten nur noch 14 Tage für die Werbung„, dachte “Knaddel„ eher an einen Reinfall. Doch weit gefehlt: York stellte die Anlage vor die Bühne und gab sich den nur 150 Besuchern ganz im Rahmen eines intimen Wohnzimmerkonzertes hin. „Er verstand es, die Besucher zum Mitmachen zu bewegen“, lobt „Knaddel“ den nahbaren Entertainer.

Die Auftrittsorte der Bands wechselten derweil: Jane, Novalis und die Scorpions spielten im Ottersberger Hof. Das Gebäude gegenüber dem Rathaus ist heute ein Ärzte- und Geschäftszentrum. Andere Bands wie Omega, Pete York oder auch die Ottersberger Band Sooky Sar traten bei „Schnackenbergs“ am Bahnhof auf – die Gaststätte gibt es nicht mehr, sie ist abgebrannt. Es sind Erinnerungen wie diese, die Hartmut „Knaddel“ Ernst nicht loslassen und ihn dazu animiert haben, wieder als Organisator aktiv zu werden.

Revival-Party geplant

Am Sonnabend, 1. Dezember, steigt daher im Restaurant Wümmekieker am Fährwisch eine Revival-Party. Ab 20 Uhr können die Besucher die Erinnerungen an die Rockparty der damaligen Zeit wieder aufleben lassen. Der Kartenvorverkauf ist bereits gestartet. Vorbestellungen für die Veranstaltung sind telefonisch unter der Rufnummer 0 42 05 / 31 51 17 oder auch per Whatsapp an die Mobilnummer 0 15 7 / 89 57 46 44 möglich. Der Eintritt kostet fünf Euro beziehungsweise zehn Euro mit der Möglichkeit, an dem Abend einen kleinen Imbiss einzunehmen.

Und wer sich gerne in aller Ruhe den wilden 70ern mit „Knaddel“ widmen möchte, hat im Internet unter www.ottersberg-rockt.de die Gelegenheit für eine ausgiebige Zeitreise.

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