Sitzung per Videokonferenz Einstimmiges Votum für Windparkprojekt in Benkel

Bei der ersten politischen Sitzung als Videokonferenz im Flecken Ottersberg wurde einstimmig das gemeindliche Einvernehmen für den geplanten Windpark in Benkel erteilt. Die Kritik vom Nabu folgte prompt.
14.01.2021, 16:13
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Einstimmiges Votum für Windparkprojekt in Benkel
Von Marius Merle

Mehr als 35 Politiker und Bürger vor dem heimischen Bildschirm, rund 25 Zuhörer und Bürgermeister Tim Willy Weber als Moderator im Rathaussaal: Erstmals hat im Flecken Ottersberg am Mittwochabend eine politische Sitzung als Videokonferenz stattgefunden – mit der Möglichkeit, die Diskussion auf einer Leinwand im Rathaus zu verfolgen. Und für eine Premiere lief die länger als eineinhalb Stunden dauernde gemeinsame Sitzung des Umweltschutz- und Landschaftspflegeausschusses und des Ortsrates Otterstedt erstaunlich problemlos ab. Lediglich die Tatsache, dass die Bürger aus dem Rathaussaal mit ihren Fragen nicht von den nur digital anwesenden Teilnehmern verstanden werden konnten, sorgte für etwas Unmut.

Auf der Tagesordnung stand an diesem Abend nur ein Thema: die von der NWind GmbH geplante Errichtung eines Windparks mit drei Anlagen nordwestlich von Benkel. Niels Niescken, geschäftsführender Gesellschafter, war ebenfalls digital zugeschaltet und stellte das Projekt vor. Errichtet werden sollen drei Windenergieanlagen mit einer jeweiligen Nabenhöhe von 166,6 Metern, einem Rotordurchmesser von 160 Metern und somit einer Gesamt-Anlagenhöhe von 246,6 Metern. Die Flächengröße des Potenzialgebietes unmittelbar vor der Rotenburger Kreisgrenze beträgt rund 22 Hektar. Der erwartete Energieertrag beläuft sich auf mehr als 50.000 Megawattstunden im Jahr, wodurch laut Niescken fast 12.000 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden könnten. Bereits im vergangenen Sommer hat die NWind GmbH beim Landkreis Verden eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz beantragt.

Kritik der Bürger

Als sich sodann die im Rathaus anwesenden oder digital zugeschalteten Bürger mit Fragen zu Wort melden durften, wurde schnell deutlich, dass einige der Anwohner der angrenzenden Ortschaften dem Projekt sehr kritisch gegenüberstehen. Wiederholt wurde etwa moniert, dass es sich um ein Gebiet der Naherholung und des Naturschutzes handele, in dem viele auch gefährdete Vogelarten leben. Niescken konnte dem entgegnen, dass es avifaunistische Untersuchungen gegeben habe, die unter anderem zu dem Ergebnis kamen, dass die Horste des Rotmilans und des Schwarzstorches zu weit von den geplanten Windrad-Standorten entfernt liegen, als dass sie negative Einflüsse auf die Tiere hätten.

Weiterhin wurde kritisiert, dass die Abstände von den Anlagen zur Wohnbebauung teilweise zu gering seien, jedoch betonte Niescken, dass alle Grenzwerte des Landkreises Verden eingehalten werden. Gleiches gelte auch für die Belastung mit Lärm und Infraschall, wozu ebenfalls von Bürgern nachgehakt wurde. Interesse war außerdem an Beteiligungsmöglichkeiten am Windpark vorhanden. Hierzu hatte Niescken ausgeführt, dass es Möglichkeiten für Grundstückseigentümer, Bürger, die Kommune und örtliche Investoren geben solle. So strebe die NWind GmbH an, eines der drei Windräder den Bürgern und der Kommune zur Verfügung zu stellen, damit diese dies „selbst betreiben“. Genaueres könne aber noch nicht gesagt werden. „Wir können das erst anbieten, wenn das Planungsvorhaben abgeschlossen ist“, erklärte Niescken.

Kurze Diskussion

So viele und teils ausführliche Wortbeiträge es von Bürgern gab, so kurz fiel die politische Diskussion an diesem Abend aus. Auch wenn angedeutet wurde, dass es natürlich auch Bedenken gebe und niemand gerne Windräder vor der Tür habe, stimmten die Mitglieder beider Gremien geschlossen dafür, dem Vorhaben vonseiten des Fleckens Ottersberg grünes Licht zu geben. Passend zur digitalen Premiere erfolgte dies durch eine auf Mausklick animierte Hand, die im Videofenster der Politiker erschien.

Dieses eindeutige Abstimmungsergebnis nahm die Nabu-Gruppe Ottersberg enttäuscht zur Kenntnis. „Die Positionierung der Lokalpolitik mit brutaler Einstimmigkeit war ein Schock“, betonte sie tags darauf. All die Gespräche im Vorfeld um Artenvielfalt und den glänzenden Naturhaushalt im Flecken hätten leider nicht überzeugen können. „Einen solch brutalen Eingriff mit Erweiterungspotenzial in die unberührte Landschaft stellen, bringen nur kleingeistige Fingerschnipser auf den Weg, ein Irrweg“, fanden die Nabu-Vertreter deutliche Worte.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+