Luftfahrt-Fotograf

Flugzeuge sind sein Leben

Der Otterstedter Luftfahrt-Fotograf Dietmar Plath hat in 40 Jahren mehr als 640 Flughäfen besucht und 130 Länder bereist. Über seine Abenteuer berichtet er in seinem neuen Buch, das jüngst erschienen ist.
31.10.2019, 16:05
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Flugzeuge sind sein Leben
Von Lars Köppler
Flugzeuge sind sein Leben

Dietmar Plath in seinem "Cockpit" in Otterstedt. In seinem Büro plant er die Reisen, die ihn in alle Welt führen. Der Fotograf war auf allen Kontinenten, sogar in der Antarktis.

Björn Hake

An den 11. Oktober 1993 kann sich Dietmar Plath nur noch bruchstückhaft erinnern. Es war der Tag, an dem der leidenschaftliche Luftfahrt-Fotograf aus Otterstedt bei einer seiner Expeditionen am anderen Ende der Welt fast sein Leben verlor. Mit einem Wasserflugzeug waren der Otterstedter und zwei Kollegen mitten im Urwald von Französisch-Guayana abgestürzt. 20 Minuten habe er Zeit gehabt, sich auf seinen sicheren Tod zu konzentrieren, hat Plath diese dramatischen Momente noch im Gedächtnis. Mit einer kleinen einmotorigen Maschine kreiste er über der grünen Hölle des Urwaldes, der Tank so gut wie leer. Es folgte das Unvermeidliche, der Flieger krachte in die Bäume. Eine Nacht verbrachte das Trio schwer verletzt in dem Dschungel, bis nach einer Serie glücklicher Zufälle die Rettungsaktion mit einem Hubschrauber beginnen konnte.

Momente wie dieser

Es sind rund 40 Jahre seines aufregenden Berufslebens und Momente wie dieser, die Dietmar Plath jetzt in seinem Buch unter dem Titel „Abenteuer Luftfahrt-Fotografie“ auf 192 Seiten zusammengefasst hat. Ob direkt aus dem Cockpit, zwischen den atemberaubenden Wolkenkratzer-Schluchten Hongkongs oder auf einer schwankenden Boje mitten auf der berüchtigten Kowloon Bay: Der Otterstedter, Jahrgang 1954, hat seine teils waghalsigen Aufnahmen aus allen möglichen Winkeln und Perspektiven gemacht. Ein halbes Jahr habe er mit der Autorin Sigrid Andersen an der Niederschrift seines Lebenswerkes gesessen, schätzt Plath, dem in all den Jahren kein Weg zu weit und kein Ort zu exotisch gewesen sei.

Der Airport von Malé auf den Malediven (rechts) gehört derweil zu den Lieblingsplätzen des Otterstedters.

Der Airport von Malé auf den Malediven (rechts) gehört derweil zu den Lieblingsplätzen des Otterstedters.

Foto: Dietmar Plath

Dietmar Plath gehört zu den erfahrensten Fotografen in der Welt zwischen Himmel und Erde. Auf allen Kontinenten hat er gearbeitet und in den vier Jahrzehnten seines Berufslebens fast alles porträtiert, was Flügel hat – Verkehrsflugzeuge und Hubschrauber, aber auch Wasserflugzeuge und Militärtransporter. „Ungewöhnliche Flugzeuge an ungewöhnlichen Orten zu fotografieren und das auch noch aus ungewöhnlichen Perspektiven, das war schon immer mein Ziel“, erklärt der Weltenbummler seine Motivation für eine Arbeit, die stets einer intensiven Vorbereitung bedürfe und auch sehr frustrierend sein könne. „90 Prozent meiner Arbeit sind akribische Planung. Der Rest ist Zufall“, weiß Plath zu berichten.

Mehr als 130 Länder bereist

Doch für ihn hat es sich immer gelohnt, auch in schwierigen Situationen am Ball zu bleiben, sind doch die Ergebnisse seiner Arbeit in etlichen Luftfahrtbüchern, Bildbänden, Kalendern und in eindrucksvollen Fotoreportagen sowie in renommierten Magazinen wie etwa GEO, Stern und Aero International erschienen. Für seine Leidenschaft hat Plath nach eigenen Schätzungen mehr als 640 Flughäfen besucht und mit 254 Airlines über 130 Länder bereist. „Flugzeuge sind faszinierend“, beschreibt Plath, der mehr als 270 verschiedene Exemplare als Passagier kennenlernen durfte, seine Passion. Besonders die Flüge mit der legendären Überschallmaschine Concorde von Paris nach New York in knapp drei Stunden oder dem „Engel der Lüfte“, dem Militärtransporter Transall C-160, seien für ihn unbeschreiblich gewesen. Durch Gurte gesichert, fotografierte Plath über der Nordsee von der Ladeluke aus den nachfolgenden Transporter.

Der Landeanflug auf Hongkong-Airport (links) ist für Pilot und Fotograf gleichermaßen eine Herausforderung. Fehler dürfen dabei nicht passieren.

Der Landeanflug auf Hongkong-Airport (links) ist für Pilot und Fotograf gleichermaßen eine Herausforderung. Fehler dürfen dabei nicht passieren.

Foto: fotos: Dietmar Plath

Freilich zählt der Absturz im Dschungel zu einer Grenzerfahrung im Leben von Dietmar Plath, die schönen Augenblicke überwiegen deutlich. Im Laufe seiner mehr als 40-jährigen Karriere als Luftfahrt-Fotograf hat der Otterstedter zahlreiche Herausforderungen gesucht und diese in der Regel auch gemeistert. Prägend für ihn sei die „lehrreiche Premiere“ mit der Indien-Reise im Juli 1978 gewesen. Dass Monsunzeit war, wusste Plath zwar, doch die Folgen hatte er unterschätzt, wie er heute freimütig einräumt. „Grau, nass und trostlos“ – so war sein erster Eindruck vom Flughafen in Bombay. Und im Terminal sollte der Ärger bei der Zollkontrolle erst richtig losgehen. „Die Luft stand, es war muffig und feuchtwarm“, erinnert sich Plath an die Umstände der Prozedur, nach der er plötzlich ohne seine neue teure Hasselblad-Kamera dastand. „Die wurde beschlagnahmt, weil die erforderlichen Zollpapiere fehlten“, erklärt Plath das Missgeschick, das ihn in Indien zum Fotografen ohne Fotoapparat machte.

Im Gefängnis

Erst drei Tage später, mit Hilfe des Technik-Chefs von Indian Airlines, erhielt der damals 24-Jährige seine Ausrüstung zurück. Doch weil die Foto-Genehmigung der Militärs fehlte, verfrachteten ihn die Soldaten kurzerhand ins Gefängnis. Wieder half ihm der Technik-Chef aus der Bredouille, doch der heftige Monsunregen ließ einfach keine vernünftige Arbeit zu. Gestählt durch diese Erfahrung startete Dietmar Plath in der Folge eine bemerkenswerte Karriere als Luftfahrt-Fotograf und bereiste Länder von Afghanistan bis Zypern. Er flog mit dem Papst nach Angola, unterhielt sich mit Raumfahrt-Legende Neil Armstrong und erhielt sogar eine Audienz beim König von Tongo. Zudem besuchte Plath die für Journalisten verbotene Stadt Lhasa in Tibet, war in Myanmar, im Königreich Bhutan und auch auf der mysteriösen Oster-Insel.

Zu seinen Favoriten unter den Flughäfen zählt Plath den Airport von Malé auf den Malediven, den er aus dem Cockpit einer „Twin Otter“ fotografiert hat. Aber auch der Flughafen von Hongkong übt eine starke Faszination auf Plath aus, der indes gefährliche Länder wie Nordkorea, Saudi-Arabien und Nigeria bewusst gemieden hat. „Ich habe eine tolle Zeit in der Luftfahrt mitgemacht und immer noch dieselbe Begeisterung“, bilanziert Plath und kündigt schon neue Missionen an. Diese führen den Flugzeug-Profi nach Myanmar und in den Krüger-Nationalpark im Nordosten Südafrikas. Die Planungen laufen auf Hochtouren. Sein Buch ist signiert in der Buchhandlung Froben (Ottersberg) und im Kaufhaus Bergstedt (Otterstedt) sowie auf Bestellung in allen anderen Buchhandlungen erhältlich.

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