Interview mit Ralph Dodenhof

„Mehr Erlebnis beim Einkaufen schaffen“

Dodenhof in Posthausen wird 110 Jahre alt. Im Interview sagt Ralph Dodenhof, wie sein Haus in der Zukunft Kunden bieten will und was er über die Entwicklung der Bremer Innenstadt denkt.
28.09.2020, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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„Mehr Erlebnis beim Einkaufen schaffen“
Von Florian Schwiegershausen
Herr Dodenhof, Sie feiern nun 110 Jahre Dodenhof, wie ist Ihr Unternehmen durch die letzten Monate gekommen?

Ralph Dodenhof: Erfreulicherweise sind wir aus der Krise besser herausgekommen, als wir das erwartet hatten. Natürlich hatten wir während des Lockdowns weiterhin unseren Food-Bereich geöffnet, der auch sehr gut lief. Als im Mai dann wieder alle Bereiche geöffnet hatten, konnten wir in den Bereichen Wohnen und Technik erheblichen Nachholbedarf feststellen und die entsprechenden Umsätze realisieren. Mode ist generell eher schwierig. So sind wir insgesamt verhalten optimistisch.

Mussten Sie auch Mitarbeiter entlassen?

Leider mussten wir die Mitarbeiterzahl etwas anpassen, um für die Zukunft richtig aufgestellt zu sein.

Das ist schade, zu hören. Aber wie läuft es derzeit, inwiefern merken Sie Effekte der gesenkten Mehrwertsteuer?

Im Möbelbereich ist ein gewisser Effekt zu spüren, ebenso im Technikbereich.

Gefühlt hat man den Eindruck, dass es bei Ihnen nie Stillstand gibt. Irgendwo wird immer etwas gebaut oder verändert.

Vielleicht ist das eines unserer Erfolgsgeheimnisse, dass wir immer agil und mutig geblieben sind. Wir wollen den Kunden ein einzigartiges Erlebnis und eine schöne Atmosphäre zum Einkaufen schaffen. Natürlich müssen wir uns immer wieder an die sich verändernden Wünsche und Bedürfnisse der Kunden anpassen. Insofern stimmt der Eindruck, dass wir immer in Bewegung sind.

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Wie fühlen Sie sich denn für die Zukunft aufgestellt?

Grundsätzlich gut. Mit der Umsetzung unserer Vision glauben wir, hier eine einzigartige Shopping-und Erlebniswelt im Norden zu bieten. Dabei wollen wir den Puls der Zeit treffen. Wir haben für unsere Positionierung die vier „V“ ´s herausgearbeitet: Vielfalt, Vernetzung, Vergnügen und Vertrauen. Hierin sehen wir die Punkte, die für den Kunden heutzutage wichtig sind. Unter dem Einfluss der Pandemie bieten wir auch einen Ort, den der Kunde sehr gerne aufsucht: Er ist sauber und sicher, der Kunde kann an einer Stelle alle seine Einkäufe erledigen und sich inspirieren lassen, und wo man viel Platz hat, auch wenn es mal etwas voller ist.

In Zukunft also nicht nur Einkaufen sondern auch stärker das Erlebnis?

So ist es. Der Bedarfskauf wandert immer stärker in den Online-Kanal ab. So wollen wir Erlebnis und Vergnügen bieten neben dem Einkaufen. Allerdings ist das in den Bereichen Gastronomie und Events in Zeiten von Corona nicht so einfach mit den aktuellen Beschränkungen.

Dabei sind Sie in den vergangenen Jahren immer mehr zum Shopping-Mall-Anbieter und Vermieter von Ladengeschäften geworden.

Das ist richtig. 2012 haben wir die neue Shopp-Mall eröffnet. Damit haben wir den Schritt vom reinen Einzelhändler zum Shopping-Center vollzogen.

Gleichzeitig sind strategische Partner hinzugekommen. Wie groß wäre die Übermacht der Konkurrenz im Bereich Möbel ohne diesen Schritt gewesen?

Es war definitiv keine einfache Entscheidung für uns, beim Wohnen die operative Führung abzugeben, weil das Möbelhaus Teil unserer Dodenhof DNA ist. Die strategische Entscheidung haben wir aus zwei Gründen getroffen: Dodenhof ist durch die vielen verschiedenen Bereiche sehr komplex geworden. Wir haben uns ein bisschen wie ein Tanker gefühlt, der auf die dynamische Entwicklung in den Märkten nicht mehr ausreichend schnell reagieren konnte.

Um im Bild zu bleiben, stellen wir uns jetzt lieber mit kleinen Schnellbooten in den Bereichen Mode, Sport, Technik und Food auf. So können wir schnell und agil auf die wechselnden Anforderungen der Bereiche reagieren. Das geschieht aber alles unter der gemeinsamen Positionierung der Marke Dodenhof.

Und der andere Aspekt?

Im Bereich der großflächigen Einrichtungshäuser hat bereits eine sehr starke Konzentration stattgefunden, und die wird sich auch weiter fortsetzen. Wir haben dabei gesehen, dass wir dauerhaft zu große Kosten- und Margennachteile in diesem Markt hätten, um wettbewerbsfähig zu sein. Außerdem fehlte uns im Bereich Wohnen der Zugang zu den digitalen Angeboten, was heutzutage lebensnotwendig ist.

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Sie haben ja einen eigenen Online-Shop, aber mit einem starken Partner wird man eben auch stärker wahrgenommen.

Einen eigenen Online-Shop im Bereich Wohnen hätten wir allein niemals auf die Beine stellen können. Aber den Online-Shop, den wir haben, haben wir Anfang des Jahres nochmals deutlich ausgebaut. Da kooperieren wir auch stark mit unseren anderen Verbundgruppen wie beispielsweise bei der Technik mit Expert. Im Bereich Sport werden wir uns der Online-Plattform von Intersport anschließen – zusätzlich zu unserem eigenen Online-Shop. Zusätzlich suchen wir Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Schuhe oder auch Food.

Also mehr Kooperation?

Kooperation ist das Gebot der Stunde, sei es in den Handelsbereichen oder im Bereich CRM, was ja der Bereich ist, bei dem es um die Kundenbeziehungen geht. Da suchen wir die Zusammenarbeit mit digitalen Start-ups, die gute Handelsanwendungen haben. Da haben wir erste Ansatzpunkte. Es ist eben alles viel zu dynamisch, um zu meinen, man könne alles allein. Weitere strategische Kooperationen wie im Bereich Wohnen, bei dem uns immer noch 25 Prozent der Anteile gehören, haben wir aber nicht vor.

Und wo muss Dodenhof weiter seine Hausaufgaben machen?

Wir werden viel Gas beim Ausbau unserer digitalen Angebote geben. Da geht es nicht nur um E-Commerce, sondern auch um Marketing und um die Digitalisierung unserer Kundenkarte. Diese soll noch maßgeschneiderter werden, als das schon jetzt der Fall ist. Derzeit sind es 400.000 Kundenkarten und da ist noch Luft nach oben. Dafür haben wir auch die IT-Systemstruktur geschaffen, um dann noch bessere Angebote ausspielen zu können. Beim Marketing werden wir den Fokus auf die digitalen und sozialen Medien setzen, um die Zielgruppen so besser erreichen zu können.

Auf diese Weise wollen Sie also die junge Zielgruppe genau dort stärker abholen, wo diese unterwegs ist?

Die Angebote haben wir eigentlich zu einem Großteil da, wir müssen eben schauen, wie wir die Kunden erreichen. Das geht stark über die sozialen Medien, das geht aber auch stark über Influencer, in unserem Fall dann über regionale Influencer. Und das geht auch über entsprechende Events für die junge Zielgruppe, die wir spezifisch anbieten werden. Wichtig ist dabei, diese Angebote und Aktivitäten auch immer mit unserem Online-Shop zu verquicken.

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Sie haben hier das größte Einkaufszentrum Norddeutschlands stehen – wie sehen Sie von hier aus die Diskussion um die Neugestaltung der Innenstadt?

Ich freue mich über die konstruktiven Diskussionen, die da geführt werden. Das ist ganz wichtig. Aus meiner Sicht gibt es spannende Ansätze zur Weiterentwicklung der Bremer City. Insgesamt ist ein Shopping-Center ja etwas vergleichbar mit einer Innenstadt. Es gibt schon länger einen großen Veränderungsdruck und neue Herausforderungen. Innenstädte und Shopping-Center müssen sich ein Stück weit neu erfinden. Der Fokus auf den Modehandel in seiner Funktion als Attraktivitätstreiber wird sich abschwächen und man muss sich breiter aufstellen.

Was bedeutet das?

Man muss einen spannenden Mix aus Handel, Kultur, Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und Events in einem qualitativ hochwertigen Umfeld schaffen. Dabei geht es auch um eine hohe Aufenthaltsqualität. Der Mix muss ein gutes Angebot oder Angebotscluster mit Alleinstellungscharakter schaffen, um damit auch eine überregionale Anziehungskraft zu erzielen. Gerade das ist für eine Stadt wie Bremen wichtig. Spannend finde ich dabei auch die Idee, einen Teil der Bremer Uni in die Innenstadt zu holen. In Münster, wo ich studiert habe, funktioniert das sehr gut. Ansonsten hat die Bremer Innenstadt von ihren architektonischen Bauwerken her viel zu bieten. Die Voraussetzungen sind also gut.

Es gibt Stimmen, die sagen, es sei auch Dodenhof, die der Bremer Innenstadt die Kaufkraft abziehen würde.

Dazu gibt es ja Studien, dass Bremen sich mit der Zunahme der Shopping-Center innerhalb der Stadt ins eigene Fleisch geschnitten hat und dort eher untereinander konkurriert als mit uns.

Sie haben ja den Schritt nach Kaltenkirchen in den Großraum Hamburg gewagt. Würden Sie einen solchen Schritt nochmals wagen?

Fragen Sie mich in einem Jahr nochmal. Jetzt in Corona-Zeiten stellt sich die Frage nicht. Ob wir organisch an diesem Standort wachsen oder anders, ist dann eine andere Frage.

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Wie planen Sie dieses Jubiläum?

Der Wermutstropfen ist leider die Corona-Situation. Gern hätten wir mit unseren Kunden und auch mit unseren Mitarbeitern groß gefeiert. Wir werden unsere Kunden aber natürlich zum Geburtstag mit vielen Aktionen und Angeboten beschenken. Dabei kommen in den Kampagnen auch unsere Kunden persönlich zu Wort nach dem Motto „Das ist mein Dodenhof“. Außerdem gibt es ein Update unserer Firmenchronik mit dem Titel „Ins zweite Jahrhundert“. Und was die Feiern angeht, kann man ja auch ein 111-jähriges Jubiläum feiern. Wir hoffen also, dass wir das im kommenden Jahr nachholen können.

Haben Sie irgendwo noch Anzüge aus den Anfangsjahren von Dodenhof hängen?

Aus dem Gründungsjahr haben wir leider nichts mehr. Aber wir haben viele Bilder aus alten Zeiten, vor allem Erinnerungsstücke wie alte Kleiderbügel, alte Auftragsblöcke oder Tüten. Diese Sachen sind in einem Archiv gut verwahrt.

Gibt es Mitarbeitergenerationen, bei denen die Eltern bereits hier gearbeitet haben?

Das gibt es in großer Zahl. Es gibt auch so einige Mitarbeiter, die im Unternehmen ihre spätere Ehefrau oder ihren späteren Ehemann kennengelernt haben. Und deren Kinder sind dann ebenfalls bei uns in die Ausbildung gestartet.

Das Gespräch führte F. Schwiegershausen.

Info

Zur Person

Ralph Dodenhof (52) ist als geschäftsführender Gesellschafter die vierte Generation im familiengeführten Einzelhandelsunternehmen in Posthausen. Hervorgegangen ist die Einkaufsstadt aus dem Gemischtwarenladen, den Hermann Dodenhof im Jahre 1910 in der Nähe in Stellenfelde eröffnete. 1925 zog er nach Posthausen.

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