Krähenproblem in Ottersberg

Schnelle Lösung ist nicht in Sicht

Das Krähenproblem wird Ottersberg noch einige Zeit beschäftigen. Nun soll erst einmal ein Konzept entwickelt werden, für das es zunächst einmal gilt, die genaue Population der Tiere in Erfahrung zu bringen.
18.09.2020, 16:17
Lesedauer: 3 Min
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Schnelle Lösung ist nicht in Sicht
Von Marius Merle
Schnelle Lösung ist nicht in Sicht

Saatkrähen sind vielerorts ein Problem (Symbolfoto).

DPA

Die Geschäftsführung von Gartenbau Silber in Ottersberg ist verzweifelt: "Die wissen genau, wann unsere Mitarbeiter Pause machen oder Feierabend haben und besuchen dann unsere Felder. Sie zupfen an den Pflanzen, werfen diese um. Wenn wir die Pflanzen nicht wieder aufrichten, dann bekommen sie keine Bewässerung und vertrocknen. Somit müssen per Hand die Töpfe wieder mühselig aufgestellt werden. Damit entsteht ein personeller Mehraufwand, um den Qualitätsstandard aufrecht zu erhalten.“ Die, das sind in dem Fall die Saatkrähen. Und mit ihrem Ärger über die Tiere ist die Geschäftsführung des Gartenbaubetriebes in Ottersberg alles andere als alleine. Viele Menschen fühlen sich durch den Lärm, die Verschmutzung durch Kot oder eben auch Formen des Vandalismus erheblich gestört. Deshalb stand das Krähenproblem am Donnerstagabend auch in einer gemeinsamen Sitzung des Umweltschutz- und Landschaftspflegeausschusses und der Ortsräte Ottersberg und Otterstedt auf der Agenda.

Besonders geschützte Tiere

Eins vorweg: Eine schnelle Lösung ist alles andere als in Sicht. Das betonten Silke Brünn vom Fachdienst Wasser, Abfall und Naturschutz des Landkreises und Antje Mahnke-Ritoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, die als Fachfrauen ihre Sicht der Dinge schilderten. „Bei Saatkrähen handelt es sich um eine besonders geschützte Tierart“, sagte Brünn. Das heißt, es ist unter anderem verboten, sie zu töten oder während der Brut- und Fortpflanzungszeit zu stören. Für Ausnahmen gebe es „strenge Anforderungen“. So seien etwa „normale Verunreinigungen oder Lärmbelästigungen“ hinzunehmen. Ausnahmeanträge können jedoch bewilligt werden, wenn etwa durch die Verschmutzung die Gesundheit oder die Verkehrssicherheit der Menschen gefährdet wäre.

So könnte für den Ortskern auch argumentiert werden, stellte Brünn für Ottersberg durchaus eine Ausnahmegenehmigung zur Vergrämung – also das Beseitigen der Nester – in Aussicht. Nicht aber, ohne zu erwähnen, dass eine Vergrämung, auch schnell zu „einem Riesenproblem“ werden kann. Denn selbst wenn die Krähen sich dadurch tatsächlich einen neuen Brutplatz suchen, seien sie ja nicht weg. Sie suchten sich einen Standort in der Umgebung oder eventuell sogar mehrere, wo jeweils größtmögliche Kolonien entstehen, sodass am Ende mehr Krähen als vorher im Ort sein könnten. „Die Vergrämung kann also auch ganz böse nach hinten losgehen“, betonte Brünn. Außerdem sei es mit einer einmaligen Vergrämungsaktion längst nicht getan, sodass das Projekt sehr zeit- und kostenintensiv wäre.

Mahnke-Ritoff berichtete davon, dass die Saatkrähen ihre Brutplätze immer mehr von der freien Landschaft in die Ortschaften und Städte verlagern. So handelt es sich um kein Ottersberger Problem, alleine im Landkreis Verden sorgen die Tiere auch in Verden, Achim und Thedinghausen für reichlich Ärger. Niedersachsenweit gebe es derzeit wieder rund 20 000 Brutpaare, nachdem die Saatkrähe Mitte des vergangenen Jahrhunderts hierzulande fast ausgestorben war. Für den Bereich Ottersberg seien zuletzt 78 Brutpaare gezählt worden, eine Zahl die einige Politiker jedoch als deutlich zu gering einstuften.

Verortung aller Kolonien

Um darüber Klarheit zu bekommen, empfahl Mahnke-Ritoff die Erstellung eines Konzeptes, in dessen Rahmen zunächst noch einmal eine genaue Zählung veranlasst wird, inklusive exakter Verortung aller Kolonien. Danach könnte geschaut werden, wo mögliche Orte sind, an die man sie versuchsweise umsiedeln könnte. Mahnke-Ritoff betonte aber auch noch einmal, dass es sich dabei um einen „sehr aufwendigen und langwierigen“ Prozess handeln würde.

„Es ist eine Problemlage, die wird uns mehrere Jahre lang begleiten“, machte auch Bürgermeister Tim Willy Weber deutlich. Um aber überhaupt erst einmal eine Grundlage für die Bekämpfung der Krähen zu haben, nahm er den Vorschlag von Mahnke-Ritoff gerne auf. „Wir versuchen, mit dem Landkreis ein Konzept zu erarbeiten“, nannte er der Politik als Vorschlag für den nächsten Schritt. Dafür gab es geschlossen Zustimmung aus den Reihen der Politik. Die bereits beschlossenen Anträge, beim Landkreis Maßnahmen zur Vergrämung der Krähen im Ortskern von Ottersberg zu beantragen und einen runden Tisch zu dem Thema ins Leben zu rufen, werden daher zunächst zurückgestellt.

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