Betrachtung von Verkehrslautstärke Lärmaktionsplan für Ottersberg erstellt

Der Entwurf des Lärmaktionsplanes für den Flecken Ottersberg zeigt, wo und wie viele Einwohner übermäßig von Lärm durch die Hauptverkehrsstraßen betroffen sind.
21.10.2021, 15:31
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Lärmaktionsplan für Ottersberg erstellt
Von Marius Merle

Wie stark mit Verkehrslärm belastet ist die Bevölkerung im Flecken Ottersberg? Eine Antwort auf diese Frage liefert der nun von der Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro IPW erstellte Entwurf eines Lärmaktionsplans. Das Anfertigen eines solchen Plans ist für die Kommunen gemäß dem Bundes-Immissionsschutzgesetz zur Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie verpflichtend, andere Gemeinden in der Region haben dies bereits in den vergangenen Jahren erledigt. Nun also gibt es den Überblick auch für Ottersberg – basierend auf Lärmkarten vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim mit Schätzwerten.

Rund 900 Betroffene

Eines der Hauptergebnisse dabei: "Rund 900 Einwohner des Fleckens Ottersberg sind vom Straßenverkehrslärm durch Hauptverkehrsstraßen betroffen und damit dauerhaften Belästigungen ausgesetzt." Dies entspricht einem Anteil von knapp sieben Prozent der Gesamtbevölkerung in der Gemeinde. Der Außenlärmpegel an den Häusern dieser Einwohner liegt dort zeitweise zwischen 55 und 65 Dezibel. Das ist in etwa die Lautstärke, in der normale Gespräche geführt werden. Wobei wichtig ist zu betonen, dass sich alle Werte im Lärmaktionsplan auf die Belastung vor der Haustür beziehen und die Wahrnehmung der Bewohner je nach Schallschutz des Gebäudes unterschiedlich ausfallen kann.

Nachts sind laut den Ausführungen etwa 400 Einwohner der Gemeinde dauerhaft vom Straßenlärm der Hauptverkehrsstraße störend betroffen, wobei für diese Einstufung im Zeitraum von 22 bis 6 Uhr schon Werte zwischen 50 und 55 Dezibel genügen. "Sehr hohen Belastungen" sind aber sowohl tagsüber (über 70 Dezibel) wie auch nachts (über 60 Dezibel) "keine Bewohner ausgesetzt". So steht es zumindest bilanzierend im Lärmaktionsplan, obwohl dies nicht ganz richtig ist. Denn eigentlich gibt es im Flecken sieben Betroffene, die Pegeln von mehr als 70 Dezibel tagsüber und 24 Betroffene, die nächtlichen Pegeln von mehr als 60 Dezibel ausgesetzt sind. "Diese Betroffenen verteilen sich auf insgesamt acht Gebäude, die mit Ausnahme eines Gebäudes alle an der L 155 im Bereich Posthausen südlich der A 1 liegen", heißt es im Lärmaktionsplan. Aufgrund der vom Land Niedersachsen einheitlich angewendeten Rundung der Ergebnisse ergibt sich aufgrund der geringen Zahlen im Vergleich zu Gesamtbevölkerung am Ende jedoch abgerundet der Wert null.

Nur vier Straßen berücksichtigt

Wichtig zu erwähnen ist, dass für die Resultate im Lärmaktionsplan nur jene Hauptverkehrsstraßen (Autobahnen, Bundesstraßen sowie Landesstraßen) berücksichtigt wurden, die eine gewisse Menge an täglichem Verkehr aufweisen. Das sind für den Flecken Ottersberg nur die A 1, die L 155 (südlich der A 1 bis zur K 7), die L 154 (südöstlich von Lilienthal) und die L 168 (östlich von Oyten). "Die am stärksten belasteten Bereiche sind die jeweils der Straße zugewandten Fassaden der Gebäude entlang der L 155 beziehungsweise der L 168", heißt es im Lärmaktionsplan.

Die Krux bei diesem Bericht ist aber, dass sich aus den Ergebnissen der strategischen Lärmkartierung kein gesetzlicher Anspruch für die belasteten Einwohner auf Lärmminderung ergibt. Das heißt: Selbst wenn viele sehr hohe Belastungen festgestellt worden wären, würde es an den zuständigen Stellen (bei Landesstraßen etwa die Landesbehörde) liegen, etwas zu unternehmen.

Da die Werte in Ottersberg aber ohnehin vergleichsweise niedrig ausfallen und laut dem Aktionsplan "keine Lärmprobleme vorliegen, denen mit Maßnahmen begegnet werden muss", fällt die vorgesehene Reaktion aus dem Ottersberger Rathaus für alle eventuell vom Lärm geplagten Einwohner recht ernüchternd aus: "Der Flecken Ottersberg plant aktuell und mittelfristig keine lärmmindernden Maßnahmen entlang der lärmkartierten Landesstraßen und hat derzeit auch keine Veranlassung, Verkehrsuntersuchungen oder einen Verkehrsentwicklungs- oder Radverkehrsplan entwickeln zu lassen." Somit bleibt es unterm Strich eher ein Lärmplan, als ein Lärmaktionsplan.


Nachdem der 21-seitige Entwurf des Ottersberger Lärmaktionsplanes kürzlich der Politik vorgestellt worden ist, findet nun für einen Monat eine öffentliche Auslegung statt, wodurch die Öffentlichkeit beteiligt wird. Gleichzeitig
erfolgt eine Beteiligung der Träger öffentlicher Belange.

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