Windenergie in Ottersberg

Einwand gegen Windkrafttürme

Die Ottersberger Nabu-Gruppe spricht sich gegen die Erweiterung der Windenergieanlage in Quelkhorn aus und begründet dies mit Artenschutz. Derweil sollen in Benkel drei weitere Windkrafttürme entstehen.
07.01.2021, 15:01
Lesedauer: 3 Min
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Einwand gegen Windkrafttürme
Von Lars Köppler

Dass der Windpark an der Kreisgrenze zwischen Quelkhorn und Buchholz weiter wachsen soll, ist bereits beschlossene Sache. Wie berichtet, plant die Firma NWind GmbH, ein mittelständisches Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien aus Hannover, den Bau zweier weiterer Türme auf dem riesigen Areal an der Kreisstraße 3, wo bereits ein Turm in die Höhe ragt. Mit Widerstand aus der Bevölkerung, erklärten Gemeindebürgermeister Tim Willy Weber und Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf unlängst einhellig, sei nicht zu rechnen. Gegenwind gibt es dagegen von den Naturschützern des Nabu, die sich gegen die Errichtung der geplanten Windanlagen in Quelkhorn aussprechen und derzeit einen offiziellen Einwand vorbereiten.

Susanne Baumgartner von Ottersberger Nabu-Gruppe nennt als Grund für die Stellungnahme den Artenschutz, den es in diesem Gebiet zu berücksichtigen gilt. Die beiden Windenergieanlagen sollen in direkter Nachbarschaft zum Quelkhorner Moor sowie den Landschaftsschutzgebieten "Wümmeniederung mit Dünen und Seitentälern“, „Buchholzer und Wilstedter Moor“ und dem FFH-Gebiet „Wümmeniederung“ aufgebaut werden, was dem Naturschutzbund ein Dorn im Auge ist. So bestätige laut Baumgartner ein vom Antragsteller beauftragtes vogelkundliches Gutachten die Existenz von Revieren einiger streng geschützter Vogelarten wie Baumfalke, Turmfalke, Waldohreule und Kiebitz im direkten Umkreis der geplanten Anlagen. "Aber auch Rebhuhn, Wiesenpieper und Feldlerche sind zum Teil zahlreich vertreten", ergänzt Susanne Baumgartner.

Im näheren Umkreis der geplanten Anlagen seien zudem der Große Brachvogel sowie Goldregenpfeifer, Kraniche, Kornweihen, Rohrweihen, Rotmilane und Waldschnepfen beobachtet worden. „Darüber hinaus liegt der geplante Standort der Windenergieanlage in nur geringer Entfernung von etwa einem Kilometer zu einem landesweit bedeutenden Brut- und Nahrungshabitat für den streng geschützten Schwarzstorch“, argumentiert die Naturschützerin. Und während der Untersuchung der Fledermaus-Fauna seien im Umkreis von 500 Metern der geplanten Anlagen zudem die kollisionsgefährdeten Arten Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus, Großer Abendsegler und Breitflügelfledermaus festgestellt worden, begründet Baumgartner den Widerstand. Alle Unterlagen zu dem Antragsverfahren, über das am 1. März um 10 Uhr im Kreishaus Verden entschieden wird, finden sich derweil im Internet unter UVP Niedersachsen unter dem Stichwort „Quelkhorn“.

Ungeachtet dieser Entwicklung in Quelkhorn treibt der Flecken Ottersberg die Ansiedlung von Windenergieanlagen weiter voran. So beabsichtigt die Firma NWind auch in der Gemarkung Benkel die Errichtung von drei Windkrafträdern. Diese Planungen stehen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Sitzung des Ortsrates Otterstedt und des Ausschusses für Umweltschutz und Landschaftspflege, die am Mittwoch, 13. Januar, um 19.30 Uhr per Videokonferenz tagen. Das Unternehmen wird dabei ihre detaillierten Pläne der Öffentlichkeit und den Gremien präsentieren. Angedacht sind die Errichtung und der Betrieb von drei Anlagen des Typs Enercon E-160 EP 5 mit jeweils einer Nabenhöhe von 166,6 Metern, einem Rotordurchmesser von 160 Metern und somit einer Gesamt-Anlagenhöhe von 246,6 Metern.

Das Unternehmen aus der Landeshauptstadt habe beim Landkreis Verden mittlerweile eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz beantragt, heißt es in der Sitzungsvorlage. Raumplanerisch besteht derweil aktuell folgende Situation: Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat mit Beschluss vom 18. Mai 2020 die Regelungen zur Windenergie im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) 2016 für unwirksam erklärt. Weil der Flächennutzungsplan des Fleckens Ottersberg hinsichtlich der Nutzung von Windenergieanlagen keine Darstellungen trifft, ist vom Landkreis für den vorliegenden Antrag eine Einzelfallprüfung vorzunehmen. Der Landkreis hat den Flecken daher um Stellungnahme zum gemeindlichen Einvernehmen gebeten. Im Rahmen der Neuaufstellung des RROP habe der Flecken bereits grundsätzlich der Errichtung von Windenergieanlagen im Raum Benkel zugestimmt, heißt es von der Verwaltung.

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