Bürgerinitiative „NoMoorGas“

Neuer Gegner für die Bürgerinitiative

Die Aktivisten der Bürgerinitiative „NoMoorGas“ bekommen es bei ihrem Widerstand gegen die Erdgasförderung in der Region um Wümme und Wieste jetzt mit dem kanadischen Unternehmen Vermilion Energy zu tun.
13.01.2020, 15:50
Lesedauer: 3 Min
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Neuer Gegner für die Bürgerinitiative
Von Lars Köppler
Neuer Gegner für die Bürgerinitiative

Das rote X des Widerstandes prägt das Ortsbild in Fischerhude.

FOCKE STRANGMANN

Mit großem Entsetzen hat die im September 2018 gegründete Bürgerinitiative "NoMoorGas" auf die jüngste Nachricht reagiert, dass sich das kanadische Unternehmen Vermilion Energy Germany GmbH & Co KG eine sogenannte Aufsuchungserlaubnis für Erdgas im Flecken Ottersberg und der direkten Nachbarschaft gesichert hat. "Das sind beunruhigende Neuigkeiten zur Entwicklung der Aufsuchungserlaubnisse für Erdgas in unserer Region", stellt Birgit Münkner von der Bürgerinitiative fest.

Nachdem im Juli 2019 die Aufsuchungserlaubnis für das Erlaubnisfeld „Unterweser“ für das Unternehmen Wintershall Dea verlängert worden war, hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Niedersachsen Ende Dezember vergangenen Jahres eine weitere Aufsuchungserlaubnis für das Unternehmen Vermilion Energy Germany für die Dauer von drei Jahren verlängert. Dieses Erlaubnisfeld „Reeßum“ umfasst laut Bürgerinitiative knapp 151 Quadratkilometer. „Es grenzt nördlich an Bülstedt, südlich an Hellwege, östlich an Bötersen und umfasst große Teile der Gemeinde Ottersberg“, erklärt Birgit Münkner. Durch die vom LBEG erteilte Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdgas habe das Unternehmen nun rechtlich alle Möglichkeiten, Betriebspläne für weitere Bohrprojekte oder seismische Messungen einzureichen und entsprechend genehmigen zu lassen.

Mit größter Sorge

Ein Fakt, den die Aktivisten der „BI NoMoorGas“ mit größter Sorge sehen. Seit rund anderthalb Jahren setzen sie sich, wie berichtet, mit dem roten X als Symbol des Widerstands vehement gegen die Erdgasförderung in der Region um Wümme und Wieste ein. Nun bekommen sie es neben dem Unternehmen Wintershall Dea mit einem zweiten Global Player der internationalen Erdöl- und Erdgasproduktion zu tun und fühlen sich nach zwischenzeitlichen Erfolgen in ihrem Kampf gegen die Erdgasförderung wieder in die Anfänge im Herbst 2018 zurückversetzt. „Die Wintershall Dea ist im Vergleich zu Vermilion ein Streichelzoo“, weiß Münkner über die Geschäftspraktiken des kanadischen Unternehmens, das seit 2014 in Deutschland in der Erdgasförderung tätig ist und in den vergangenen Jahren sowohl Anteile als auch Beteiligungen an Erdöl- und Erdgasfeldern und Unternehmen vor allem im Raum Heidekreis, Hannover, Leer, Braunschweig, Gifhorn und Ostfriesland eingekauft hat, zu berichten.

Dabei beruft sich das BI-Mitglied auf Fälle in anderen Landkreisen, in denen das Unternehmen seine Ziele ohne Skrupel verfolgt haben soll. „Vermilion ist uns durch zahlreiche beunruhigende Berichte aus dem Heidekreis und Landkreis Aurich bekannt. Dieses Unternehmen scheut auch nicht vor Anträgen zur Endeignung wie im Heidekreis gegen einen Landwirt sowie Klagen wie etwa gegen den Landkreis Aurich zurück“, sagt Münkner. Einknicken vor dem Goliath kommt für die Bürgerinitiative aber überhaupt nicht in Frage. Im Dezember 2018 hatten die Aktivisten im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der voll besetzten Aula der Waldorfschule bereits den Vertretern von Wintershall Dea die Leviten gelesen und das Unternehmen aufgrund des massiven Widerstands der Bürger dazu gebracht, die Erdgasförderung in der Region vorläufig auszusetzen.

Veranstaltung in Fallingbostel

Daher wollen die Aktivisten der Bürgerinitiative „NoMoorGas“ am Mittwoch, 22. Januar, mit großer Fraktion im Kursaal in Bad Fallingbostel präsent sein. Dort steigt ab 19 Uhr eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Energiewende – Brauchen wir noch das letzte bisschen Erdgas in der Region?“, zu der Jürgen Rückheim (Vermilion), Landrat Manfred Ostermann (Landkreis Heidekreis), SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Julia Verlinden (Bündnis 90/Die Grünen) und Andreas Sikorski, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, eingeladen sind. Zur Frage des Abends hat Birgit Münkner derweil eine klare Haltung: „Erdgas ist nicht die Energie der Zukunft, deshalb sollten wir die Förderung nicht forcieren. Wir zeigen weiterhin Protest und werden uns entschieden dagegen wehren: Widerstand mit X“, kündigt sie an.

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