Wechsel zur FGBO

Stefan Bachmann setzt das Segel anders

Viele Jahre war Stefan Bachmann ein überzeugter Sozialdemokrat und vertrat die SPD im Ottersberger Gemeinderat sowie als Fraktionsvorsitzender. Im vergangenen Sommer hat er sich jedoch der FGBO angeschlossen.
16.10.2020, 16:03
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Stefan Bachmann setzt das Segel anders
Von Lars Köppler
Stefan Bachmann setzt das Segel anders

Ex-Sozialdemokrat Stefan Bachmann (links) und der FGBO-Vorsitzende Harald Steege machen künftig politisch gemeinsame Sache.

Björn Hake

Er fühle sich ausgebrannt – wie in einem Hamster-Rad, hatte Stefan Bachmann im Oktober 2014 seinen Rückzug aus der Ottersberger Kommunalpolitik begründet. Zuvor musste der damalige Sozialdemokrat eine Niederlage im Bürgermeisterwahlkampf gegen Horst Hofmann (CDU) einstecken und diese verarbeiten. Heute, fast auf den Tag genau sechs Jahre später, sind längst wieder Ruhe, Ordnung und Zuversicht in das Leben des 58-Jährigen eingekehrt. Das Hintertürchen für eine Rückkehr auf die politische Bühne, das sich Bachmann damals offen gelassen hatte, stößt er jetzt wieder auf und sorgt damit im Wümmeort für einen kleinen Paukenschlag. Denn der jahrzehntelang überzeugte Sozialdemokrat wechselt die Farben. „Grün statt rot“, Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg (FGBO) statt SPD – so lautet künftig seine politische Ausrichtung.

Dass er mit seiner Entscheidung vor allem bei seinen ehemaligen Weggefährten von der örtlichen SPD aneckt, ist Stefan Bachmann durchaus bewusst. Doch der Wohnheimleiter auf dem Quelkhorner Parzival-Hof hat seine Gründe für den Entschluss. „Die landes- und bundespolitischen Ausrichtungen der SPD passen nicht mehr zu meinem Lebensentwurf. Ich bin nicht böse auf die SPD, aber wir haben uns entfremdet“, stellt Bachmann fest, der im vergangenen Sommer den Parteienwechsel vollzogen hat. Auch verspüre er seit Jahrzehnten eine tiefe Verbundenheit mit der biologisch-dynamischen Anbauweise, also einem eher grünen Thema. „Ich erinnere mich an meine Jugend, wie ich mit 20 in Brokdorf demonstriert habe. Und auch der Demeter-Betrieb meiner Frau hat mich sehr geprägt“, erklärt der gelernte Heilerziehungspfleger, der sich seit 2016 für den Otterbad-Förderverein engagiert.

Trotz seines Seitenwechsels schlägt Bachmann aber auch versöhnliche Töne in Richtung seiner ehemaligen Fraktionskollegen an. „Ich habe der SPD auch viel zu verdanken und kann die Enttäuschung verstehen“, sagt er. Den Schulterschluss mit der FGBO will Bachmann derweil nicht nur mit neu gesammelter Energie, sondern auch mit eigenen Zielen angehen. „Die Pandemie hat unsere Lebensläufe verändert. Wir befinden uns in einer verrückten Zeit“, erklärt Bachmann, warum er das Segel künftig anders setzt. Als Mitglied im Wahlkampfteam von Tim Willy Weber will Bachmann nunmehr inhaltlich an die Themen im Wahlkampf anknüpfen und den Bürgermeister auf Fraktionsebene weiterhin aktiv unterstützen. Eine gute Sozial-, Finanz- und Wirtschaftspolitik sei ihm stets ein Anliegen gewesen, aber auch die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Politik. Zudem wolle er „die gute Zusammenarbeit zwischen den Ratsfraktionen befördern“ und seine Erfahrungen als Allrounder in Politik, Wirtschaft und Ehrenamt weitergeben.

Zu seinen innerparteilichen Ambitionen äußert sich Stefan Bachmann jedoch erst mal verhalten. „Ich habe wieder richtig Lust auf Politik“, sagt er zwar, doch ob er bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr für den Ottersberger Gemeinderat kandidieren möchte, lässt er zu diesem Zeitpunkt noch offen. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, nachdem er wieder Kraft getankt hat. Abhängig will Bachmann diese Frage auch von der Entwicklung auf dem Parzival-Hof machen. „Ich werde dort als Integrationsfigur verlangt“, ist er sich seiner sozialen und beruflichen Verantwortung als Wohnheimleiter bewusst.

Für die FGBO um ihren Vorsitzenden Harald Steege ist der Neuzugang derweil allein schon wegen dessen umfangreichen Netzwerks eine echte Verstärkung. Zwar wolle man in der Fraktion in Zukunft „jünger und weiblicher“ werden, doch mit einem Routinier wie Bachmann in den eigenen Reihen sehe man sich nach dem Verlust von Tim Willy Weber wieder besser aufgestellt. Als mittelfristiges Ziel der FGBO nennt Steege indes das Erreichen der 40-Mitglieder-Marke.

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