Neues Verfahren in Ottersberg Mit dem Los zur Bürgermeinung

Der Ottersberger Ausschuss für Kultur und Bürgerbeteiligung hat in seiner jüngsten Sitzung das Verfahren „Mikrobürgergutachten“ zu den Themen „Friedhöfe“ und „Wohnungspolitik“ in die Wege geleitet.
19.02.2021, 15:21
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Mit dem Los zur Bürgermeinung
Von Lars Köppler

Schon seit Mai 2019 beschäftigt eine mögliche Bürgerbeteiligung per Losverfahren die politischen Gremien im Flecken Ottersberg. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kultur und Bürgerbeteiligung, der am Donnerstagabend im Ottersberger Rathaus in Form einer Videokonferenz tagte, hat dieses Projekt nun einen weiteren Entwicklungsschritt genommen. Nachdem die Verwaltung im vergangenen Oktober bereits damit beauftragt worden war, das losbasierte Beteiligungsverfahren insbesondere auch zum Thema Wohnungspolitik weiterzuverfolgen, soll das Team um Bürgermeister Tim Willy Weber nunmehr zu den Themen „Friedhöfe“ und „Wohnungspolitik“ das Verfahren
„Mikrobürgergutachten“ in die Wege leiten.

Dass jetzt auch Friedhöfe auf der Agenda stehen, war derweil einem Antrag von Horst Köntges (CDU-FDP-Gruppe) im Vorfeld der Sitzung mit dem Titel „Gegen den Verfall der Friedhöfe“ geschuldet. „Die Belegung und Pflege auf den Friedhöfen wird immer schwieriger und die Beziehung zwischen Tod und Grabstätte in der Bevölkerung immer weniger angenommen“, will Köntges festgestellt haben. Und die Friedhofsverwaltung nehme den Bürgern die Betreuung und Verantwortung des Friedhofes aus den Händen. Zudem gehe er davon aus, dass auch nur ein geringer Teil verstanden habe, wie jetzt und zukünftig die Kosten für die Gräber berechnet werden. „Erst recht nicht bei den Friedhöfen, die an die neue Kostenrechnung angepasst werden müssen“, ergänzte Köntges. Ziel müsse es sein, eine zeitgemäße Friedhofskultur zu schaffen, die alle Menschen mitnehme und den Friedhof als Ort der Sinnhaftigkeit stärke.

„Friedhöfe verändern sich“

Die Mitglieder des Fachausschusses zeigten sich dem Thema gegenüber aufgeschlossen, äußerten aber auch leichte Skepsis. „Ich finde es grundsätzlich großartig, so ein Verfahren in Ottersberg durchführen zu wollen“, erklärte Erika Janzon (Bündnis 90/Die Grünen). Aber: „Das Thema Friedhof finde ich zum Auftakt etwas problematisch, weil mir die Altersmischung fehlt. Für junge Menschen ist das Thema nicht ganz so interessant.“ Derlei Bedenken wollte Bürgermeister Tim Willy Weber nicht teilen. „Friedhöfe verändern sich und so eine Gestaltungsfrage bietet sich an. Ich fände es gerade spannend, wie sich die Jüngeren äußern.“ Die Kunst bei diesem Projekt sei es vielmehr, die richtigen Fragestellungen zu finden.

Eine andere Befürchtung äußerte Micha Recklies von den Bündnisgrünen. „Ich sehe das Problem, dass der Rat beschließt und die Bürger nur Empfehlungen aussprechen können. Das könnte zur Politikfrustration führen.“ Diesen Einwand konnte auch Weber nachvollziehen. Es könne schon sein, dass Erwartungen bei den Bürgern geweckt werden, die dann enttäuscht würden. Dennoch stimmte das kleine Gremium im Endeffekt bei einer Enthaltung für die Umsetzung des Verfahrens „Mikrobürgergutachten“. Die Verwaltung hatte bereits Kontakt zu Heike Hoedt und Wolfgang Scheffler aufgenommen, die das Verfahren des Mikrobürgergutachtens entwickelt haben und um Angebote zu den Themen „Friedhöfe“ (halbtägig) und „Wohnungspolitik“ (zweitägig) gebeten.

Einmalige Losziehung

Hoedt und Scheffler arbeiten derweil mit einer einmaligen Losziehung. Ihrer Erfahrung nach kommen rund zehn Prozent der Bürger einer Einladung nach. Das Duo verfolgt laut Verwaltung zudem den Ansatz, das Verfahren mit geringerem Aufwand durchzuführen und die Gemeinde mit Know-how-Transfer in die Lage zu versetzen, selbst losbasierte Verfahren umzusetzen. Auf Vorschlag der Verwaltung soll zunächst mit dem Thema „Friedhöfe“ begonnen werden und sich das Thema „Wohnungspolitik“ anschließen. Danach könne entschieden werden, ob Methode und Ergebnisse zufriedenstellend seien und das Verfahren für weitere Fragestellungen angewendet werden soll.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+