Anwohner fordern Verwaltung zum Handeln auf

Ottersberger Ortsrat debattiert über Ausbreitung der Saatkrähen

Die Ausbreitung der Saatkrähen in mehreren Bereichen des Ortes hat am Mittwoch den Ottersberger Ortsrat auf den Plan gerufen. Denn die Verwaltung ist zuvor aufgefordert worden, sich um das Problem zu kümmern.
29.08.2019, 16:38
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Ottersberger Ortsrat debattiert über Ausbreitung der Saatkrähen
Von Lars Köppler
Ottersberger Ortsrat debattiert über Ausbreitung der Saatkrähen

Diese Saatkrähen fühlen sich offenbar pudelwohl. In Ottersberg sorgen die Tiere für Ärger bei Anliegern.

dpa Picture-Alliance / Schouten, H.

Der plötzliche Tod des Ottersberger Ortsbürgermeisters Reiner Schnäpp (SPD) am 30. Mai dieses Jahres hat auch in einigen politischen Gremien eine Lücke gerissen. Bevor sich die Mitglieder des Ottersberger Ortsrates in ihrer jüngsten Sitzung am Mittwochabend im Rathaus den Punkten auf der Tagesordnung widmen konnten, musste auch in dieser Runde erst mal eine Personalie geklärt werden. Als Nachfolgerin für den verstorbenen Vollblutpolitiker wählten die Ratsmitglieder um Tim Weber (Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg) einstimmig die erfahrene Sozialdemokratin Annegret Reysen.

Rund 20 Besucher waren zu der Abendsitzung erschienen, um mit den Vertretern der Verwaltung und den Lokalpolitikern über ein Problem zu diskutieren, das sich nach ihrer Einschätzung immer mehr ausweitet. Denn seit einigen Jahren und in jüngster Zeit besonders seien demnach Krähen, die auf Bäumen nisten und ihrem Brutgeschäft nachgehen, in mehreren Bereichen des Ortes anzutreffen. Mittlerweile ist die Verwaltung um Bürgermeister Horst Hofmann (CDU) zum Einschreiten aufgefordert worden, da die Anwesenheit der Krähen verstärkt zu Belästigungen für die Anlieger durch lautes Geschrei und Exkremente geführt haben soll.

Keine „Achimer Verhältnisse“

Tenor des erstmaligen Gedankenaustausches zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern: Auf einen jahrelangen Rechtsstreit wie in einem Achimer Fall wolle und dürfe man es nicht ankommen lassen. Von 2008 bis 2015 hatte der Achimer Klaus Barfuß dafür gekämpft, die überhand nehmende Krähenkolonie in seiner unmittelbaren Nachbarschaft vor der Brutzeit mit akustischen Mitteln zu begrenzen. Nach sieben Jahren und zwei Berufungsverfahren hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg schließlich doch zugunsten von Barfuß und seine Anwohnerinitiative entschieden. Der 4. Senat des höchsten niedersächsischen Verwaltungsgerichts hatte festgestellt, dass die von Barfuß geplanten akustischen Vergrämungsmaßnahmen naturschutzrechtlich zulässig sind und hob eine entsprechende Verbotsverfügung des Landkreises Verden auf.

Auf Achimer Verhältnisse wollen sich die Ottersberger vor diesem Hintergrund auf keinen Fall einlassen. Und so gab es in der Ratssitzung einige Denkanstöße, wie eine massenhafte Ausbreitung der unter Schutz stehenden Saatkrähen verhindert werden könnte. „Soweit sich die Nester auf öffentlichen Flächen befinden, kann eine Zuständigkeit der Gemeinde hergeleitet werden. Die Vögel sind naturschutzrechtlich weiterhin geschützt und dürfen nicht bejagt werden“, stellte Ralf Schack aus der Verwaltung zunächst fest. Wie man den intelligenten Vögeln beikommen könnte, erläuterte Schack am Beispiel der Gemeinde Sottrum. Dort habe man sich eine sogenannte Knallanlage angeschafft, die in einem automatischen Intervallmodus für laute Geräusche sorgt, die den Krähen nicht behagen.

„Krähen haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis"

Die Knallanlage wäre eine Alternative zur effektiven Reduktion des Krähenbestandes, die laut Schack in Sottrum „sehr erfolgreich“ eingesetzt werde. Ratsherr Jürgen Baumgartner (Die Linke) konnte derweil als aktives Mitglied des Naturschutzbundes interessante Einblicke in die Welt dieser Vögel liefern. „Krähen haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis und lieben Licht“, erklärte Baumgartner und merkte zudem an, dass die aggressiven Rabenvögel nicht unter besonderem Schutz stünden.

So stellte sich die Frage, welche Optionen zur gewaltfreien Krähenbekämpfung für Ottersberg in Betracht gezogen werden könnten. Die Bandbreite der Anregungen reichte von der Ansiedlung natürlicher Feinde wie beispielsweise Eulen durch das Aufstellen von Eulenkästen bis hin zur Anwendung von Glitzermaterialien wie CDs, die eine abschreckende Wirkung auf die Krähen haben sollen. Einig war sich das Gremium darin, den Ottersberger Landschaftswart Wolfgang Mohr in das weitere Vorgehen einzubeziehen.

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