Ottersberger Weg

Hilfe für Rebhuhn, Biene und Co.

Durch das Projekt „Ottersberger Weg“ soll mehr Blühfläche im Flecken Ottersberg entstehen. Nach einem Jahr ziehen die Landwirte, die die Saatmischung aussäen, nun die erste Bilanz.
20.08.2020, 15:53
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Von Antonia Blome
Hilfe für Rebhuhn, Biene und Co.

Jürgen Luttmann, Hartmut Henke, Heiko Gieschen, Wolfgang Mohr, Dirk Gieschen, Tim Willy Weber, Jürgen Luttmann, Christian Intemann (von links) ziehen beim Blühstreifen in Quelkhorn Bilanz. Das Projekt ist auf drei Jahre ausgelegt – im Namen der Artenvielfalt sollen bis zu 16 Hektar Blühfläche im Flecken Ottersberg entstehen.

Antonia Blome

Landwirt Dirk Gieschen überprüft mit gemischten Gefühlen sein Saatkartoffelfeld in Quelkhorn. „Eine Zeit lang hat es hier richtig schön geblüht, allerdings wurden so auch Läuse angezogen, die sich über die Kartoffeln hergemacht haben“, erzählt der Ottersberger mit Blick auf den Blühstreifen aus Sonnenblumen, der sich durch das Feld zieht. Angelegt wurde dieser als Teil des Projektes „Ottersberger Weg“, bei dem im Namen der Artenvielfalt bis zu 16 Hektar Blühfläche im Flecken Ottersberg entstehen sollen. Das Projekt befindet sich nun bereits im zweiten von insgesamt drei Jahren.

Ziel des Vorhabens ist es, Flächen auszugleichen, die Landwirte an den Rändern ihrer Äcker überpflügt haben. Diese fehlen als Ackerrandstreifen für Insekten und hemmen die Artenvielfalt. Um nicht jede einzelne Fläche wiederherstellen zu müssen, hat Landschaftswart Wolfgang Mohr den Ottersberger Weg im Frühjahr 2019 initiiert und anhand einer Landkarte die Zielflächen ausgesucht.

Landwirte legen selbst Hand an

Bei dem Projekt legen die Ottersberger Landwirte selbst Hand an und säen die insektenfreundliche, einjährige Verdener Saatmischung aus. Wolfgang Mohr hat mit den Landwirten auf Vertrauensbasis vereinbart, dass die Landwirte auf weniger optimalen Ackerstandorten kompensierend Blühstreifen anlegen sollen, wie er sagt. Insgesamt 23 Landwirte in Ottersberg würden sich an dem Projekt beteiligen. „Die Politik, Verwaltung und Landwirtschaft arbeitet für den Ottersberger Weg eng zusammen“, lobt Ottersbergs Bürgermeister Tim Willy Weber. Die Entwicklung des Projekts werde einmal jährlich im Ausschuss besprochen und es würden zur Überprüfung der Fortschritte Fragebögen an die Landwirte verteilt. „Der Plan ist aber nicht, die Landwirte zu dirigieren, sondern sie die Blühstreifen nach bestem Gewissen selbst anlegen zu lassen“, erzählt Mohr.

Laut Jürgen Luttmann von der Jägerschaft des Landkreises Verden geht es vor allem darum, die Maßnahmen in den landwirtschaftlichen Produktionsprozess zu integrieren. Durch diese Art der Zusammenarbeit könne man außerdem schneller aus Fehlern lernen und flexibel auf Veränderungen reagieren, wie Christian Intemann vom Landvolk-Kreisverband Rotenburg-Verden sagt. „Die Natur ist schließlich auch ein flexibles Ökosystem, das sich stets verändert.“

Erfolge haben sich eingestellt

Dirk Gieschen nutzte den Blühstreifen als Abgrenzung zwischen seinen einzelnen Saatkartoffelbeeten, wodurch eine bessere Vernetzung der Natur gegeben sei. Dass das Projekt bei ihm dennoch nicht ganz rund lief, sei kein Einzelfall gewesen. Die Bedingungen hätten die Pflege der Blühstreifen aufgrund des trockenen Wetters erschwert und die Saatmischungen seien vielerorts in Unkraut untergegangen.

Erfolge hätten sich trotz einiger Niederschläge trotzdem gezeigt: „Ich als Jäger habe bereits mehr Federwild im Feld bemerkt, darunter zum Beispiel Fasane und ihre Küken“, lässt Mohr wissen. „Da sich die Küken von Insekten ernähren, kann man davon ausgehen, dass nun auch mehr von ihnen existieren.“ Nach zwei weiteren Jahren werde evaluiert, wie es mit dem Projekt weitergehe. „Demnächst säen wir dann die sogenannte Frühjahrsblüte, wobei die Blumen dann bereits im nächsten Frühjahr da sind“, kündigt der Landschaftswart an. Davon würden nicht nicht nur Wild- und Honigbienen, sondern auch Bodenbrüter wie das Rebhuhn profitieren.

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