Projekt „FairVerkehr“

Das Sternchen mit der Fensterfront

Wie sich eine Entschleunigung des Straßenverkehrs an der Großen Straße in Ottersberg erzielen lässt, damit beschäftigt sich seit einem Jahr eine Gruppe mit HKS-Studierenden. Es gibt kreative Lösungsansätze.
06.10.2020, 16:32
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Das Sternchen mit der Fensterfront
Von Lars Köppler
Das Sternchen mit der Fensterfront

Viel zu schnell fahren viele Autofahrer auf der Großen Straße in den Ort hinein. Rechts am Gelände der HKS könnte daher bald eine künstlerische Installation entstehen.

FOCKE STRANGMANN

Ist es möglich, durch künstlerische Installationen am Straßenrand eine Entschleunigung des Straßenverkehr im Ottersberger Ortseingang an der Großen Straße zu erzielen? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Dezember vergangenen Jahres ein Team der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) im Zusammenspiel mit der Leuphana Universität Lüneburg und der Technischen Universität Hamburg im Rahmen des Verbundprojektes „FairVerkehr“. Erste Ergebnisse aus gezielten Anwohnerbefragungen per Fragebogen und interner Lösungssuche sind nunmehr am Montagabend im Rahmen eines Bürgerforums in der Aula der Ottersberger Wümmeschule präsentiert worden.

Zwar hielt sich die Resonanz an diesem Abend in Grenzen, dennoch freuten sich HKS-Chef Ralf Rummel-Suhrcke und seine Mannschaft über einen ebenso interessanten wie konstruktiven Austausch mit den zehn erschienenen Gästen, darunter eine Handvoll Anwohner der Großen Straße. Fakt ist: Viele Autofahrer rauschen aus Stuckenborstel kommend oft mit mehr als 70 Stundenkilometern in den Ort hinein und werden erst nach einigen Hundert Metern langsamer. Ziel der an dem Verbundprojekt beteiligten Wissenschaftler und Künstler ist es, Anregungen und Stimmen aus der Ortsbevölkerung einzuholen und die Ideen in das Projekt einfließen zu lassen. „Unser Ansatz ist es, mit der Bevölkerung zu kooperieren“, ließ Rummel-Suhrcke zu Beginn der Veranstaltung wissen, bevor es an die Auswertung der Fragebogen-Aktion ging, der sich eine Vorstellung von sieben möglichen Installationen – kreiert von Studierenden und Dozenten der HKS – anschloss.

Anwohner wünschen Tempo 30

Eine erste Befragung von 22 Anrainern der Großen Straße im Alter von 19 bis 81 Jahren hatte dem Projektteam zuvor erste Anhaltspunkte zu ihrer Nutzung und zur Qualität der viel befahrenen Landesstraße gegeben. Auf die Frage, welche Abschnitte, Punkte oder Orte die Befragten entlang der Großen Straße als allgemein positiv bewerten würden, gaben sieben der 22 Befragten an, keinen Ort entlang der Straße als positiv zu erachten oder ließen die Frage unbeantwortet. Vermehrt als positiv werde jedoch die Eisdiele an der Großen Straße 56 sowie der Kreisverkehr am westlichen Ende der Großen Straße wahrgenommen, hieß es im Zwischenbericht. Als Verbesserungsvorschläge nannten die Befragten am häufigsten die Einrichtung einer Tempo 30-Zone sowie die Installation zusätzlicher Ampeln und fester Blitzer.

Aufgrund der Corona-Krise konnten derweil zwischen März und Mai dieses Jahres keine weiteren Projektschritte erfolgen, die eine aktive Beteiligung der Bevölkerung zur Installation der Kunstobjekte zum Gegenstand hatten. Die HKS-Studierenden hatten derweil in der Zwischenzeit sieben Entwürfe mit künstlerischen Installationen und Objekte kreiert, die ebenfalls bewertet worden waren. Das Projekt „Sternchen“ von Kira Keune erhielt dabei den meisten Zuspruch. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Wohnwagen mit einer zur Großen Straße geöffneten Fensterfront, der direkt auf dem Gelände der Hochschule platziert werden und die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden Autofahrer auf sich lenken soll. Das Sternchen ist ein selbst verwalteter Aktionsraum der Studierenden, der durch stetig neues Handeln mit Leben gefüllt wird.

Projektlaufzeit verlängert

„Die Große Straße wirkt leer und teilweise fast ausgestorben, da das Leben der Anwohner eher in den Gärten hinter den Häusern stattfindet“, erklärte Keune ihren Ansatz zur Belebung. Gut punkten konnten aber auch die „Farbige Straße“, mit der sich laut Professor Michael Dörner eine besondere Atmosphäre auf der Großen Straße erzeugen lasse, und das Projekt „Parasol“. Diese Objekte sehen aus wie Sonnenschirme, die Atmosphäre erzeugen und zudem auch als Unterstand für Spaziergänger etwa bei Regen dienen könnten.

Wegen der Corona-Pandemie ist die Projektlaufzeit indes jüngst auf April 2021 verlängert worden. Eine fachgerechte Bewertung der Maßnahmen werde laut Rummel-Suhrcke zudem erst nach einer bestimmten Wirkzeit der aufgestellten Kunstobjekte im Jahr 2021 erfolgen können.

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