Bürgermeisterwahl in Ottersberg

„Demokratie lebt von der Auswahl“

Die Bürgermeisterwahl in Ottersberg ist gelaufen und hat in Tim Willy Weber (FGBO) einen Sieger gefunden. Das stößt im Flecken auf überwiegend positive Reaktionen.
27.04.2020, 22:21
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„Demokratie lebt von der Auswahl“
Von Lars Köppler
„Demokratie lebt von der Auswahl“

Tim Willy Weber, mit seiner Frau Silvia Gauss an seiner Seite, drückt seine Freude über den knappen Wahlsieg und seinen neuen Job als Bürgermeister des Fleckens Ottersberg aus, den er im Juli dieses Jahres antreten wird.

Björn Hake

Aufräumen, Plakate abhängen, „Danke“ sagen – Tim Willy Weber weiß einen Tag nach seiner Wahl zum neuen Bürgermeister des Fleckens Ottersberg schon ganz genau, wie er die freie Zeit bis zum seinem Amtsantritt im Ottersberger Rathaus in knapp zwei Monaten am 1. Juli sinnvoll nutzen möchte.

Dabei macht es sich der Kommunalpolitiker der Wählergemeinschaft Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg (FGBO) ebenfalls zur Aufgabe, sich durch zahlreiche Gespräche – unter anderem mit den Ratsfraktionen – auf das Amt vorzubereiten und seine Wahl-Kampagne in Ruhe detailliert auszuwerten. „Ich werde vor allem zuhören und lesen“, sagt Weber, dessen Wahl zum Bürgermeister aber auch eine andere Konsequenz mit sich bringt. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, wird der 48-Jährige seine Geschäftsführer-Tätigkeit beim Verein Mehr Demokratie „so bald wie möglich“, spätestens aber zum 30. Juni, in andere Hände geben.

Sterna nimmt Niederlage sportlich

Reiner Sterna (CDU) hat seine knappe Wahlniederlage derweil gut verdaut und am Montag schon wieder Zuversicht und Tatkraft versprüht. „Wenn man zu einer Wahl antritt, muss man damit rechnen, dass man verlieren kann“, nimmt der Christdemokrat das knappe Scheitern – ihm fehlten bei rund 6700 gewerteten Wahlbriefen nur 212 Stimmen – sportlich. Auch Sterna will seinen Wahlkampf noch einmal aufarbeiten, um mögliche Schwachpunkte ausfindig zu machen. Allerdings gestalte sich dies schwierig. „Leider gibt es keine Auszählung für die einzelnen Ortschaften“, bedauert Sterna das Fehlen eines wichtigen Kriteriums für seine Analyse.

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Natürlich sei er etwas traurig, aber bei diesem Ergebnis müsse man sich nicht schämen, betont Reiner Sterna, der nun verstärkt das Augenmerk auf seinen Arbeitgeber legen und sich zudem am Generationswechsel innerhalb der CDU beteiligen möchte. Denn, soviel steht für ihn fest, eine erneute Kandidatur als Bürgermeister des Fleckens Ottersberg schließt Sterna aus. „Ich bin dann 62 Jahre und damit zu alt. Es geht jetzt darum, einen Jüngeren aufzubauen.“

Fast identisches Ergebnis

Wie sich eine Wahlniederlage anfühlt, hat Stefan Bachmann bei der Wahl vor fast genau sechs Jahren selbst erfahren. Damals war der Sozialdemokrat, der beruflich als Heimleiter des Quelkhorner Parzival-Hofes tätig ist, ambitioniert gegen den noch bis 30. Juni amtierenden Bürgermeister Horst Hofmann (CDU) und Jürgen Baumgartner (Die Linke) angetreten. 43,1 Prozent reichten für Bachmann damals nicht, um sich gegen Hofmann durchzusetzen. Dieser schaffte mit 51,5 Prozent und damit einem fast identischen Ergebnis zur diesjährigen Bürgermeisterwahl den Einzug ins Rathaus.

Mit dem aktuellen Resultat kann Bachmann derweil sehr gut leben. „Ottersberg hatte die Wahl zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kandidaten. Die Entscheidung ist knapp, aber dennoch deutlich„, sagt er und fügt hinzu: “Demokratie lebt von der Auswahl. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Herrn Weber und baue auf seinen Willen des politischen Wechsels.„ Bachmanns Erwartungen an Weber: “Förderung des Gemeinsinns zwischen den Fraktionen. Bürgernähe, Kreativität für bezahlbare Wohnformen und dies alles verbunden mit einem Stück Humor.“

Forderung an den Rat

Jürgen Baumgartner, der aus Altersgründen nicht wie geplant nominiert werden konnte, ist das Lachen derweil gründlich vergangen. Der Linken-Politiker flüchtet sich lieber in Ironie bei seiner Einschätzung der Wahl: „Ein Bewerber hat heiße Luft angeboten und der andere gar nichts. Von daher ein gerechter Ausgang der Wahl“, lautet sein Urteil, verbunden mit einer klaren Forderung: „Die Arbeit liegt jetzt im Rat des Fleckens Ottersberg. Alle Ratsmitglieder sind gefordert, den aktuellen Schuldenberg abzutragen. Mit Corona wird es noch knüppeldick bei den Einnahmeausfällen auf uns zukommen.“

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Dass künftig ein „grüner“ Bürgermeister den Taktstock im Rathaus schwingt, ist für die Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen logischerweise eine besonders freudige Nachricht. Für Erika Janzon steht daher fest: „Wir Bündnisgrünen in Ottersberg gratulieren Tim Weber zur gewonnenen Bürgermeisterwahl und wünschen uns zukünftig eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der gerade auch die ökologischen, sozialen und klimarelevanten Aspekte Berücksichtigung finden.“ Wichtig sei ihnen aber auch, dass der neue Bürgermeister sich als Vermittler aller Ottersberger Gruppierungen versteht.

Eine Wahlbeteiligung von 67 Prozent sei unter den besonderen Umständen ein ordentliches Ergebnis, sagt die Ratsvorsitzende und spendet auch Reiner Sterna ein wenig Trost: „Eine Gemeinde kann sich freuen, wenn es in den heutigen Zeiten mit den vielfältigen Problemen überhaupt Menschen gibt, die bereit sind, diese umfangreiche Aufgabe zu übernehmen. Daher sagen wir Danke an beide Kandidaten.“

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