Rehkitzrettung Fischerhude

Rettung aus der Luft

Das Fischerhuder Ehepaar Meyer will durch Drohneneinsatz Rehkitze vor dem Tod durch Landmaschinen bewahren. Denn die Jungtiere fallen diesen zu Beginn der warmen Jahreszeit regelmäßig zum Opfer.
04.11.2018, 18:03
Lesedauer: 2 Min
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Von Gisela Enders
Rettung aus der Luft

Gemeinsam für das Tierwohl: Bernd Heitmann unterstützt die Initiative zur Rehkitzrettung um Sarah Meyer (rechts) mit seinem Know-how.

Fotos: Björn Hake

Drei Pferde, acht zahme Rinder und ein Herz für Tiere. Wer den Hof von Thorsten und Sarah Meyer an der Bredenau in Fischerhude betritt, merkt sofort, dass Gewinnstreben und wirtschaftlicher Erfolg nicht das erklärte Ziel des Paares sind. Während die junge Mutter ihren Dienst in einer Arztpraxis versieht, versorgt ihr Ehemann Pferde und Kühe, die auf dem Anwesen ihr Gnadenbrot fressen, und bewirtschaftet darüber hinaus die umliegenden Naturschutzwiesen. Idylle pur, so scheint es. Doch in den Grünflächen, die sich im Frühjahr sanft im Wind bewegen, lauert oftmals der Tod.

„Im hüfthohen Gras zusammengerollt, für Greifvögel, Füchse und wildernde Hunde nahezu unsichtbar, wähnen die Ricken ihren Nachwuchs in Sicherheit“, beschreibt Thorsten Meyer die immer gleiche Situation zu Beginn der warmen Jahreszeit. Die umsichtigen Tiermütter hätten dabei die Rechnung jedoch ohne die riesigen Hochleistungsmäher gemacht, die, fast zeitgleich mit der Geburt der Kitze, zum ersten Grasschnitt des Jahres eingesetzt werden. Mit Blinklichtern und Rascheltüten, die das Wild vorab vergrämen sollten, habe man kaum Erfolge erzielt; lediglich durch das Abschreiten der Flächen konnte so manchem Kitz das Leben gerettet werden. Da Lohnunternehmen mittlerweile oftmals 70 000 Quadratmeter auf einen Schlag bearbeiten, sei diese Maßnahme jedoch nicht mehr durchführbar.

Erste Spenden gehen ein

Große Erfolge im Kampf gegen Tod oder Verstümmelung der zarten Jungtiere versprechen sich die Eltern einer kleinen Tochter durch den Einsatz von mit Wärmebildkameras bestückten Drohnen. „Eine tolle Sache, die jedoch ihren Preis hat“, erklärt Sarah Meyer, die die Kosten je Gerät mit etwa 3000 Euro beziffert. Zehn Hektar pro Stunde könnten damit abgesucht werden – „wir schaffen zu Fuß nicht mal einen“. Zufrieden berichtet die 36-Jährige von ersten Spenden durch Unternehmer und Privatleute. Lange sei sie jedoch noch nicht am Ziel, hofft darauf, für einen flächendeckenden Einsatz so schnell wie möglich auch noch ein zweites Exemplar erwerben zu können.

Da für die einmalige Anschaffung die Gründung eines Vereins unangemessen erschien, kann Sarah Meyer keine Spendenquittungen ausstellen. Trotzdem hofft sie auf die Bereitschaft der Menschen, ihr ehrgeiziges Vorhaben zu unterstützen. „Jeder einzelne Euro, der akribisch in einem Buch vermerkt wird, ist uns willkommen und geht ohne Abzug in unser Herzensprojekt.“ Auch die Pferde Arès und Alwin, einst vor dem Schlachthof gerettet, haben Anteil an der Aktion. Handlich in Mayonnaise-Eimern verpackt, steht ihr Mist als Blumendünger an einem Selbstbedienungsstand vor dem Modersohn-Museum zum Verkauf. Angelika Schade aus Bremen und ihre Freundin aus Berlin haben keine Verwendung für den Dung. „Trotzdem haben wir etwas Geld in die Box getan, so ein tolles Engagement muss man doch einfach unterstützen“, erklärt das Duo.

Hilfe vom Fachmann

Technische Details zum Einsatz der Wärmebildkameras verschaffte sich Sarah Meyer über Facebook-Kontakte und in Gesprächen mit Bernd Heitmann aus Otterstedt. Der frischgebackene Ruheständler und Freund der Familie ist ein großer Fan von Drohnen, verfügt über komplexes Wissen sowie eine mehrjährige Erfahrung. „Ich liebe diese Dinger und werde jederzeit mit Rat und Tat helfend zur Seite stehen“, sagt er.


Wer das Projekt voranbringen möchte, kann die Daten für das Spendenkonto mit einer Mail an die Adresse sarah_luedemann@web.de anfordern. Erreichbar ist Sarah Meyer zudem unter der Telefonnummer 01 70 / 3 31 19 92.

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