Cato Bontjes van Beek

Widerstandskämpferin und „Wildfang“

Eine Gästeführung fand nun zu Ehren der durch die Nationalsozialisten ermordeten Cato Bontjes van Beek statt. Die Teilnehmer begaben sich auf Spurensuche in Fischerhude.
09.08.2020, 16:46
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Von Gisela Enders
Widerstandskämpferin und „Wildfang“

Gästeführerin Petra Dzudzek-Edler hatte bei dem Rundgang durch Fischerhude einiges über Cato Bontjes van Beek zu berichten.

Björn Hake

Ein weltoffenes Elternhaus, eine Kindheit zwischen Wiesen und Wümmearmen inmitten der Natur. Cato Bontjes van Beek verbrachte die ersten Jahre ihres Lebens an der Fischerhuder Bredenau, umgeben von Kunst, Kultur und geistiger Freiheit. Während ihre Mutter als Ausdruckstänzerin Beachtung fand, gründete ihr Vater 1921 die „Fischerhuder Kunstkeramik“, eine Werkstatt von überregionaler Bedeutung.

Ein Rundgang, der am Sonnabend zu Ehren der durch die Nationalsozialisten ermordeten Cato stattfand, führte an den Stätten ihres kurzen Lebens vorbei; Kunsthistorikerin Petra Dzudzek-Edler erinnerte dabei an die eigenwillige und freiheitsliebende Person, deren 100. Geburtstag sich im November jährt. Sie empfinde Frauenbiografien insgesamt als äußerst spannend, erklärte die Gästeführerin der sieben Personen starken Gruppe, die ihr auf den Spuren der Widerstandskämpferin gefolgt war. Eine weitere Begehung ist für den November geplant, und auch in Verden wird anlässlich eines Vortrages im Domherrenhaus der jungen Rebellin gedacht.

Cato sei ein Wildfang gewesen, brav und fleißig war nicht ihr Ding, gewährte Petra Dzudzek-Edler Einblick in das Naturell der ältesten Tochter des Ehepaares Olga und Jan Bontjes van Beek. Das Schwimmen in der Wümme, Schlittschuhlaufen auf überschwemmten Wiesen und Wettkämpfe mit ihren kaum jüngeren Geschwistern Mietje und Tim begeisterten dann auch das Mädchen, das alles umzusetzen pflegte, was ihr gerade in den Kopf kam. Während sich die 1922 geborene Schwester später der Malerei zuwandte, öffnete sich der Bruder der Musik. Cato indes zog es in die Ferne: Tahiti, Mexiko, Griechenland und Tibet nannte sie als Ziele.

England sei es dann im Januar 1937 geworden, erklärte Dzudzek-Edler; ein Land, nicht ganz so weit entfernt, und eine Stelle als Au-Pair in der Familie Beesley. Sieben Monate blieb sie dort, arbeitete vormittags im Haushalt und nahm am Nachmittag an den Freizeitaktivitäten der Familie teil. „Ich weiß nicht, woher das kommt, aber wo ich hingehe, muss ich die Leute zum Lachen zwingen“, ist in den Annalen zu lesen und daraus zu erkennen, dass Cato sich wohlgefühlt hat.

So ausgefallen wie ihre Reiseziele gestalteten sich auch die Berufswünsche der damals 17-Jährigen. So erwog sie, Schauspielerin zu werden, Fliegerin, Keramikerin oder Globetrotterin. Letztendlich entschied sie sich stattdessen für eine kaufmännische Ausbildung, die sie im Lette-Verein in Berlin antrat. Auch ihr Vater lebte zu der Zeit in der Hauptstadt, wo er mit einer Halbjüdin eine neue Familie gegründet hatte. Während die Gästeführerin ihre Besucher, vorbei am Gasthaus Berkelmann, zum Cato-Bontjes-van-Beek-Weg führte, ließen ihre Erzählungen den Bruch in der Geschichte erahnen, den die Machtübernahme durch die Nazis Ende der Dreißigerjahre verursachte. 1940 schließlich musste Cato einen „Reichsarbeitsdienst“ auf einem Bauernhof in Ostpreußen absolvieren, später lebte sie wieder in Berlin.

Die Begegnungen mit Harro Schultze-Boysen und dessen Frau Libertas, beide kämpften im Untergrund gegen die Wehrmacht, und mit dem Lyriker Hans Strelow veranlassten sie, sich am Widerstand zu beteiligen. Ängste und Verzweiflung begleiteten die Aktionen, die von Schwester Mietje als „Höllentanz“ bezeichnet werden. Die Beziehung zu dem verheirateten Strelow, die im Krieg schließlich zerbrach, führte zudem zu Unstimmigkeiten mit dem Elternhaus in Fischerhude.

Im Juni 1942 gelang es der Gestapo, die Gruppe um Harro Schultze-Boysen aufzuspüren. Unter Folter wurden die Mitglieder ermittelt und festgenommen, mit ihnen die 22-jährige Cato. Der Prozess begann im Januar 1943 und endete mit dem Todesurteil für die junge Frau; auch Strelow verlor dadurch sein Leben. Am 5. August, dem Tag ihres Todes, widmete Cato ihrer Mutter ein paar letzte Zeilen: „Ich bin sehr gefasst, und habe mich mit dem Schicksal ausgesöhnt“, schrieb sie und davon, dass sie in ihren Träumen in Fischerhude weile. Die Fürbitte für die Verstorbene wurde Ende August im Gottesdienst in Fischerhude gehalten, was damals den Unmut zahlreicher Gemeindemitglieder zur Folge hatte. Auch heute noch werde das Straßenschild, das Cato zu Ehren aufgestellt wurde, „gerne mal beschädigt“, bedauert die Gästeführerin.

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