Integrationslotsen

Türöffner in die Berufswelt

Seit 2010 existiert der Verein „Integrationslotsen Landkreis Verden“, dessen ehrenamtliche Mitglieder hilfsbedürftige Menschen im Alltag begleiten und diese auch während der Ausbildung unterstützen.
23.10.2019, 16:21
Lesedauer: 2 Min
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Türöffner in die Berufswelt
Von Lars Köppler

Die 81-jährige Waldorflehrerin im Ruhestand, die den jungen Flüchtling von der Elfenbeinküste an die Hand nimmt und ihn beim Start in sein neues Leben begleitet, ist für Wolfgang Haase ein Paradebeispiel für die rührige Arbeit des ehrenamtlich tätigen Vereins „Integrationslotsen Landkreis Verden“, der seit dem Jahr 2010 existiert. Die Dame in diesem Beispiel hat es sich zur Aufgabe gemacht, den 19-jährigen Malerlehrling, der vor vier Jahren als Analphabet nach Deutschland kam und derzeit im zweiten Lehrjahr bei einem Betrieb aus Waffensen in Lohn und Arbeit steht, fit für den Alltag in seiner neuen Heimat zu machen.

Wandel in der Vereinsarbeit

Für Haase, der bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins den bisherigen Vorsitzenden Thomas Behrendt als Frontmann abgelöst hat, ist es aber nur ein Beispiel gelungener Integrationsarbeit. Seit 2015 gehört der Ottersberger dem Verein an und hat den Wandel in der Vereinsarbeit, der die Ehrenamtlichen bedingt durch die massiven Flüchtlingsströme vor neue Herausforderungen gestellt hat, hautnah miterlebt. 60 Vereinsmitglieder füllen dieses Ehrenamt derzeit als Integrationslotsen mit Leben. „Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die jungen Menschen – zumeist Männer – in die Berufsausbildung zu bringen“, verdeutlicht Haase.

Waren es zur Gründungszeit des Vereins noch Flüchtlinge aus dem Kosovo-Krieg und Deutschland-Russen, auf die das Hilfsangebot der Integrationslotsen zielte, hat sich das Blatt seit 2015 komplett gewendet. Die Flüchtlingskrise verlangte den Aktiven noch mehr Einsatz ab, so mussten sich die Integrationslotsen im Rahmen einer mehrtägigen Basisqualifizierung zu den Themen Integration, Zuwanderung, Kommunikation, interkulturelle Kompetenz und gesetzliche Grundlagen schulen lassen. „Integration ist ein langfristiger Prozess, der zum Ziel hat, alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben, in die Gesellschaft einzubeziehen“, sieht Haase darin sowohl eine kommunale als auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und fügt hinzu: „Allen Bedürftigen soll eine umfassende, möglichst gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht werden.“

Orientierung im Alltag

Viele neu Zugewanderte, aber auch bereits länger hier lebende Migrantinnen und Migranten stehen nach den Erfahrungen der Integrationslotsen im Alltag vor vielfältigen
Problemen. „Aufgrund nicht ausreichender Deutschkenntnisse, Orientierungsschwierigkeiten im Wohnumfeld sowie Eingliederungsproblemen in Schule, Ausbildung und Beruf bleibt ihnen unsere Gesellschaft häufig fremd“, weiß Haase zu berichten.

Daher hat der Verein verschiedene Angebote geschaffen, um hilfsbedürftige Mitbürger bei der Orientierung im Alltag durch eine ganz persönliche Begleitung zu unterstützen. Die Integrationslotsen sind als sprachliche Begleitung während der Integrations- und Deutschkurse ebenso gefragt wie als Dolmetscher bei Behördengängen und Arztbesuchen. Auch Gesprächskreise, Hausaufgabenhilfe oder die Organisation gemeinsamer Freizeitveranstaltungen gehört zum Portfolio der Ehrenamtlichen.

Dabei ist aber auch der Verein selbst auf finanzielle und tatkräftige Unterstützung von anderen Menschen angewiesen. Wer dem Verein helfen möchte, kann sich per E-Mail an integrationslotsen@ottersberg.info oder telefonisch unter 0 42 05 / 31 95 04 0 melden.

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