„Ich scherze nicht, ich rebelliere“

Zu Fuß in die Hauptstadt

Circa 380 Kilometer in 30 Tagen – und das mit den Beinen. Diese Mission hat sich Anja Büssenschütt auferlegt. Sie möchte von Ottersberg nach Berlin laufen und damit ein Zeichen in der Klimafrage setzen.
30.08.2019, 15:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Brunetti
Zu Fuß in die Hauptstadt

"Ich möchte öffentliche Aufmerksamkeit und Druck auf die Politik erzeugen", sagt Anja Büssenschütt aus Ottersberg.

Björn Hake

Anja Büssenschütt hat eine Mission: Sie möchte für ein gutes Klima kämpfen, vor allem für eine friedliche Zukunft ihrer beiden 16-jährigen Töchter. Wie ernst ihr das ist, beweist nun eine geplante Aktion. Büssenschütt will von ihrem Wohnort Ottersberg nach Berlin laufen – knapp 380 Kilometer an 30 Tagen. „Ich mache das nicht, weil ich nichts Besseres zu tun habe. Ich möchte öffentliche Aufmerksamkeit und Druck auf die Politik erzeugen. Meiner Meinung nach erleben wir schon jetzt eine Klimakatastrophe und haben keine Zeit mehr“, betont die 52 Jahre alte Ottersbergerin. Sie fordert Veränderungen, um das Artensterben zu stoppen und CO2-neutral zu werden. Ein klares Statement, das sie mit ihrer Reise zu Fuß vom Sonntagmorgen, 8. September, bis zum Montag, 7. Oktober, unterstreichen möchte.

Um die Wirkung nicht zu verfehlen, plant Büssenschütt in diesem Zeitraum die Menschen regelmäßig über ihren Tagesablauf zu informieren. „Ich werde versuchen, einen Blog zu schreiben. Und auch wenn ich in den sozialen Medien eine Anfängerin bin, will ich es dort natürlich dokumentieren.“ Dabei hofft sie auf Interesse und mit Menschen in Kontakt treten zu können. „Es würde mich freuen, wenn mich meine Töchter und auch andere Leute auf meinen letzten Metern zum Brandenburger Tor begleiten würden“, träumt sie von einem gemeinsamen Schlussmarsch.

Ohne Plan B unterwegs

Die 52-Jährige geht die Reise voller Optimismus an. „Natürlich kann alles passieren. Aber ich gehe davon, dass alles funktioniert. Es gibt keinen Plan B. Mein Ziel ist es, das komplett durchzuziehen.“ Demzufolge ist sie der Ansicht, den weiten Weg zu Fuß auch körperlich schaffen zu können. „Sicher wird es anstrengend. Aber ich bereite mich schon darauf vor, bin die letzte Zeit mehr gewandert“, sagt die Ottersbergerin. Zurzeit ist sie intensiv mit der Organisation beschäftigt, dabei wird sie von anderen Menschen unterstützt. Das führt dazu, dass die Route beim Start ihrer Reise feststeht. „Teilweise werde ich privat untergebracht, an anderen Tagen zelte ich im Garten.“ Viel Gepäck wird sie nicht im Schlepptau haben. „Ich nehme nur das Nötigste mit: Zelt, Schlafsack, Laptop, Klamotten, und einen Hackenporsche, also so einen Pilgerwagen.“

Einen Schlenker macht Büssenschütt über Magdeburg – ein Ort, der eigentlich gar nicht auf ihrer Route liegt. Das hängt mit einem weiteren Inhalt ihrer Reise zusammen. Denn die Ottersbergerin läuft nicht nur knapp 380 Kilometer bis in die deutsche Hauptstadt, sondern sie hält auf ihrem Weg dahin auch einige 90-minütige Vorträge zur Klimafrage – beispielsweise am Montag, 9. September, in Rotenburg an der Straße Am Sande 3 oder am Dienstag, 10. September, im Landhotel Meyer in Hemslingen. „Der erste Teil wird eher wissenschaftlich sein. Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit der Frage: Was machen wir mit dem Wissen? Was können wir gegen die Klimakatastrophe tun?“, beschreibt Büssenschütt. Als Universitätsstadt eigne sich Magdeburg. „Dort gibt es die Klientel dafür.“ Angelehnt sind ihre Vorträge an ein Video auf der Plattform Youtube. Dies heißt „Aufstand oder Aussterben“, veröffentlicht von der Bewegung „Extinction Rebellion“.

Bewusst für 30 Tage entschieden

Es ist die Bewegung, für die Büssenschütt im offiziellen Namen nach Berlin läuft. „Extinction Rebellion“ (XR) steht eben für das, was der 52-Jährigen aus Ottersberg wichtig ist. Demnach wolle die Bewegung mit gewaltfreiem zivilen Ungehorsam Maßnahmen für Klimagerechtigkeit herbeiführen. „Ich bin im Januar auf XR aufmerksam geworden und im Mai haben wir dann eine Ortsgruppe Bremen gegründet“, berichtet Büssenschütt, die von einer guten nationalen sowie internationalen Vernetzung spricht. Eine Aktion der Bewegung ist auch der Grund für ihren Zeitplan. Denn am 7. Oktober plant XR, die Stadt Berlin zu blockieren: Dort will sie dabei sein. „Auch die 30 Tage habe ich bewusst ausgewählt. Sie stehen für den Ausstieg von fossilen Brennstoffen, den die Politik für 2050 anvisiert – das ist zu spät“, sagt die Bürokraft.

Das ist nicht ihr einziges Engagement. Anja Büssenschütt gehört auch der Bürgerinitiative „NoMoorGas“ an. Diese setzt sich gegen die Erdgasförderung ein – es belegt, wie sehr ihr die Umwelt am Herzen liegt. „Das ist mir wirklich ernst. Flapsig gesagt: Ich scherze nicht, ich rebelliere.“

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