Amazon-Ansiedlung in Oyten Bis zu 3000 Fahrten am Tag

Amazon hat die Pläne für den Betrieb eines Verteilzentrums in Oyten öffentlich vorgestellt. Von besonderem Interesse für die Oytener war dabei das zu erwartende Verkehrsaufkommen durch den Logistikriesen.
30.03.2021, 15:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bis zu 3000 Fahrten am Tag
Von Marius Merle

Oyten. Schon zum Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr soll der Betrieb im geplanten Amazon-Verteilzentrum in Oyten auf Hochtouren laufen. Wie berichtet, möchte das Unternehmen auf dem ehemaligen Unimet-Gelände im Gewerbegebiet einen solchen Logistik-Standort betreiben. Am Montagabend hat mit Thorsten Freers ein Vertreter von Amazon das Vorhaben im Rahmen der Gemeinderatssitzung auch erstmals öffentlich vorgestellt. Und demnach soll das Projekt nun relativ zügig vorangetrieben werden. Die Teilbaugenehmigung wird in Kürze erwartet und dann soll es auch direkt mit den ersten Arbeiten losgehen. So ist etwa der Abriss des markanten Rondells mit Büroflächen im vorderen Gebäudeteil vorgesehen. Die Inbetriebnahme „peilen wir für Ende Oktober“ an, erklärte Freers.

Von dem Standort in Oyten aus soll dann die Region in einem Umkreis von bis zu 70 Kilometern mit Paketen beliefert werden. Das dadurch zu erwartende deutlich erhöhte Verkehrsaufkommen bereitet den Mitgliedern der Gemeindeverwaltung und auch vielen Politikern Bauchschmerzen, wie in der Sitzung deutlich wurde. Deswegen hält sich die Begeisterung über die Ansiedlung des Logistikriesen bei ihnen auch sehr in Grenzen. Doch verhindern kann die Gemeinde das Vorhaben nicht. Und ein Verkehrsgutachten hat gezeigt, dass die zusätzlichen Verkehre aufgenommen werden können.

„Weniger Schwerlastverkehr“

Das betonte auch Freers: „Wir können zu Spitzenzeiten garantieren, dass es die Infrastruktur aushält.“ Zudem wies er darauf hin, dass das Verkehrsgutachten von einem Worst-Case-Szenario ausgehe. In diesem Fall wären dies etwas mehr als 3000 Fahrten, die binnen 24 Stunden zum Verteilzentrum hinführen oder davon weg. Darin sind aber unter anderem auch die An- und Abreisen der Mitarbeiter enthalten. Freers führte aus, dass es insgesamt nur „wenig Schwerlastverkehr“ gebe. Im Übrigen werde der direkte Verkehr zwischen dem neuen Logistikzentrum in Achim und dem Verteilzentrum in Oyten nur „sehr gering“ sein. Die meisten Pakete werden über die Sortierzentren, etwa aus Garbsen, angeliefert und dann in Oyten auf die Auslieferfahrzeuge verteilt. Diese Anlieferung erfolge zwischen 23 und 12 Uhr, die Auslieferung größtenteils von 9 bis 13 Uhr.

Die Betriebszeiten sind grundsätzlich 24 Stunden an sechs Wochentagen. Amazon plant laut Freers einen Drei-Schicht-Betrieb mit insgesamt rund 130 Mitarbeitern. Im November und Dezember könne die Anzahl der Beschäftigten auf bis zu 192 steigen. Angepeilt sei dabei eine Festanstellungsquote von 90 Prozent. Es herrsche „keine Tarifbindung“, aber der gezahlte Mindestlohn von knapp zwölf Euro die Stunde für ungelernte Kräfte könne sich in der Logistikbranche gut sehen lassen. Bedenken, nicht genügend Personal zu finden, gebe es nicht. Im Vorfeld sei diesbezüglich eine Machbarkeitsstudie durchgeführt worden.

Doch natürlich benötigt Amazon nicht nur im Verteilzentrum Arbeitskräfte, sondern auch Kurierdienstpartner, damit die Pakete auch zu den Leuten nach Hause kommen. Laut Freers plane man in Oyten, dafür mit fünf bis zehn regionalen Firmen zu kooperieren. Bei den Lieferpartnern werden 350 bis 550 Mitarbeiter (Fahrer und Disponenten) für den Geschäftsbetrieb benötigt. Was die Routen der Fahrer und der Anlieferer für das Verteilzentrum angeht, hob Freers die „intelligente und dynamische Routenplanung“ von Amazon hervor, die etwa verhindere, dass Fahrten unnötig durch Wohngebiete führen.

Start mit 24 E-Fahrzeugen

Ansonsten erklärte der Mitarbeiter noch, dass Amazon viel Wert auf Nachhaltigkeit lege und sich zum klimaneutralen Unternehmen entwickeln wolle. Deshalb werde unter anderem die E-Fahrzeug-Flotte erheblich ausgebaut, in Oyten soll mit 24 dieser Wagen gestartet werden. Doch die dortige Lade-Infrastruktur werde direkt dafür geschaffen, irgendwann nur noch E-Fahrzeuge zu nutzen.

Aber egal ob Diesel- oder Elektromotor, die Anzahl der Fahrzeuge bleibt die große Sorge der Oytener. Auf die Frage, ob sich Amazon an den Kosten für die Ausbesserung der Verkehrsinfrastruktur, etwa an der Kreuzung mit Daisys Diner, in der Zukunft beteiligen würde, antwortete Freers, dass man sich „Gesprächen nicht verschließen“ werde. Grundsätzlich sehe das Verkehrsgutachten aber nicht die Notwendigkeit für Ausbesserungen. Und zukünftige zusätzliche Verkehre zum Beispiel durch den neuen Gewerbepark seien in dem Gutachten auch bereits berücksichtigt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+