Handball Aus einer anderen Perspektive

Die A-Jugend des TV Oyten hat ein Testspiel gegen die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg bestritten. Allerdings trafen die beiden Teams dabei in Rollstühlen gegeneinander an.
26.03.2019, 16:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Kowalzik und Florian Cordes

Oyten. Mohamed Sibahi war am vergangenen Sonntag ausnahmsweise einmal nicht voll in seinem Element –und schon bekam der Handballer des Jugend-Bundesligisten TV Oyten seine Probleme. „Im Sitzen ist die Flugbahn des Balles völlig anders, da täuscht zusätzlich auch noch die Perspektive“, sagte er und schmunzelte. Warum? Weil sich die Nachwuchs-Cracks der „Vampires“ am spielfreien Wochenende auf ein ungewohntes, auf „rollendes“ Terrain begeben hatten. Sie waren in Delmenhorst Teil eines Show-Acts, mit dem die Rollstuhl-Handballer des Delmenhorster TV ihre frisch gegründete Sparte populärer machen wollten. Oytens Gegner war die A-Jugend der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, mit der man sich nicht nur in der vergangenen Bundesliga-Saison zwei hochdramatische Begegnungen geliefert hatte.

Und so ging es auch in dieser Neuauflage wieder spannend zu. Die beiden Mannschaften können es eben nicht anders. Da die meisten Spieler beider Mannschaften zuvor noch nie im Rollstuhl gesessen hatten, waren die Karten auf beiden Seiten gleich gemischt. Daher rollten vom TVO Max Borchert, Mattis Brüns, Kilian Tiller, Max Sell und Timo Blau der Lederkugel hinterher, was der gummibereifte Untersatz hergab. Die Tücke war jedoch, „dass der Rolli nach links zieht, wenn man mit rechts wirft“, schilderte Mohamed Sibahi seine neuen Erfahrungen. Das galt zumindest dann, wenn man aus dem „ruhenden“ Gefährt warf. Aus voller Fahrt oder mit einer Hand abgebremst war das anders, aber auch da war die richtige Koordination gefragt. „Schließlich fehlt einem bei solch einem Wurf der gewohnten Schwung, zum Beispiel der aus dem Stemmschritt“, gab Mohamed Sibahi zu bedenken.

So schwierig das Gewöhnen an die richtige Technik war, so einfach war der Rest – inklusive der Regeln. Vier Spieler plus Oytens Co-Trainer Sören Blumenthal im Tor rollten regelmäßig übers Linoleum, auf der Gegenseite genauso viele Akteure. Verstärkt wurden die „Vampires“ von einem Neerstedter Mädchen sowie Fynn-Morris, dem Sohn des DTV-Trainers Andy Giebert. Der Youngster, der von klein auf im Rollstuhl sitzt, pfefferte das Gros der Oytener Würfe ins Bookholzberger Netz.

Am Ende der zweimal 20-minütigen Spielzeit rettete Sören Blumenthal seinem Team mit einer Parade gegen Jan Kinner den 18:17-Erfolg. „Es war eine interessante Erfahrung, die viel Spaß gemacht hat“, schloss Mohamend Sibahi ab, auch wenn er diesmal selbst mit dem Runden nicht ins Eckige traf.

Sein Co-Trainer war ebenfalls glücklich, dass seine Spieler den Handballsport aus einem ganz anderen Blickwinkel kennengelernt haben. „Und am Ende haben wir sogar mit einem Tor gewonnen, was wollen wir mehr“, sagte Sören Blumenthal augenzwinkernd. Ganz ernst gemeint war dieser Satz nicht. Denn der Spaß stand bei diesem Testspiel der anderen Art klar im Vordergrund. Im Vergleich zu seinen Vorderleuten war es für Blumenthal nichts Neues, im Rollstuhl zu sitzen. „Ich kenne das Rollstuhlfahren noch aus meinem Zivildienst“, erzählte er. Dennoch: Mit dem Gefährt ein Handballtor zu hüten, das war auch für ihn Neuland. „So schlecht habe ich mich nicht angestellt, glaube ich. Aber es ist total schwierig“, sagte er. Hin und wieder habe er sich dann dabei erwischt, dass er beim Halten des Balles reflexartig die Beine benutzt habe. Es sei nun einmal ein komplett anderes Gefühl, Handball im Rollstuhl zu spielen.

Pionier in Sachen Rollstuhlhandball ist DTV-Organisator Andy Giebert. Er will den Sport, bei dem sowohl gesunde als auch gehandicapte Spieler gegeneinander antreten, in der Region weiter voranbringen. Die Partie zwischen dem TV Oyten und der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg soll dabei helfen. „Wir spüren eine kleine Euphorie in unserer jungen Abteilung“, sagte er.

Gieberts Ziel ist es, dass ein DTV-Team mittelfristig sportliche Vergleiche gegen andere Rolli-Handballteams absolviert. Seine Spieler kommen aus dem Raum Oldenburg, Delmenhorst, Bremen und umzu. Trainiert wird mittwochs von 17 Uhr bis 18.30 Uhr in der Delmenhorster Halle am Stadtbad. Eine weitere, spätere Trainingszeit wird noch angestrebt. Weitere Informationen zum Projekt gibt es im Internet unter: www.rolli-handball.de.

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