Blutspende in Oyten Leben retten im Einbahnstraßensystem

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie ist die Blutspendebereitschaft in Oyten weiterhin sehr hoch – wie sich am vergangenen Freitag zeigte. Insgesamt 226 Spender konnte das Deutsche Rote Kreuz begrüßen.
07.02.2021, 16:12
Lesedauer: 3 Min
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Leben retten im Einbahnstraßensystem
Von Marius Merle

Die Gemeinde Oyten rät den Bürgern schon seit längerer Zeit, aufgrund der Corona-Pandemie von nicht zwingend erforderlichen Besuchen im Rathaus abzusehen. Eine Schlange vor dem Eingang ist also alles andere als erwünscht. Zumindest normalerweise. Doch, dass an diesem Freitagnachmittag die Schlange zeitweise bis zum Parkplatz reicht, ist wohl im Interesse aller. Denn das Deutsche Rote Kreuz hat zur Blutspende ins Bürgerzentrum des Rathauses geladen – und die Menschen folgen dieser Einladung zahlreich. Um diese gute Tat zu vollbringen, lassen sie sich an diesem Tag auch nicht von Temperaturen um den Gefrierpunkt abhalten, die nun wirklich nicht dazu einladen, sich geduldig draußen anzustellen.

Bereits nach rund einer Stunde kann das Team mehr als 70 Anmeldungen verzeichnen. Wer Blut spenden möchte, der muss einige Stationen absolvieren. Nach dem Anstehen außerhalb des Gebäudes, steht im Vorraum des Rathauses aufgrund der Pandemie erst einmal Fiebermessen und Händedesinfizieren an. Nach der Anmeldung folgen das Ausfüllen des Spendebogens und eine Kontrollmessung des Hämoglobin-Levels. Im Rathaussaal findet dann die Blutspende statt. Neun Mitarbeiter des Blutspendedienstes sind dafür an diesem Tag vor Ort, auf 15 Liegen, die natürlich nach jedem Wechsel desinfiziert werden, können die Spender insgesamt Platz nehmen. Natürlich sind auch zwei Ärzte vor Ort, die Aufklärungsarbeit leisten – besonders auch für die Erstspender. Für 15 der Anwesenden ist es dieses Mal in Oyten die Premiere.

Dorothea von Contzen ist die Teamleiterin des Blutspendeteams. Angesichts der hohen Spendenbereitschaft in Oyten spricht sie von einem „sehr guten Termin“. Sie selbst legt natürlich auch Hand an und nimmt den Spendern Blut ab. 500 Milliliter des „Lebenssaftes“ werden pro Person abgezapft, zwischen sieben und neun Minuten dauert die Prozedur meistens. Die Maximalgrenze sind laut von Contzen 15 Minuten, „dann schaltet die Waage ab“. Nach der Blutspende werden alle Konserven mit Lkws von Oyten zum Institut des Blutspendedienstes nach Rastede gebracht, wo sie aber nicht lange im Kühlhaus lagern. Denn schon in der gleichen Nacht geht es weiter nach Springe, wo auch direkt mit der Kontrolle des Blutes begonnen wird.

„In den letzten Wochen ist der Blutbedarf der Kliniken und medizinischen Einrichtungen konstant hoch. Blutspenden werden daher trotz Kontaktbeschränkungen auch weiter dringend benötigt“, betont Andreas Mohrmann, Gebietsreferent des Blutspendedienstes, wie wichtig es ist, die Aktionen trotz Pandemie weiter durchzuführen. Erfreulicherweise sei die Spendenbereitschaft in der Region ungebrochen hoch. „So haben wir unseren Versorgungsauftrag bis auf ein paar Tage im Mai durchgängig erfüllen können“, blickt er zufrieden auf das vergangene Jahr zurück. Das aktuelle Sicherheitskonzept und die strengen Zulassungsbestimmungen gewährleisten zudem einen hohen Schutz für Blutspender und Empfänger.

Für den Termin in Oyten an diesem Tag bedeutet das etwa zusätzlich zu den Fiebermessungen am Eingang natürlich eine Tragepflicht von medizinischen Masken und größere Abstände als sonst. Zudem sind die einzelnen Stationen im Sinne eines Einbahnstraßensystems abzulaufen. Wer erst einmal im Rathaussaal war, verlässt das Gebäude über den Hinterausgang Richtung Rathauspark. Etwas anders als sonst fällt auch die Belohnung für die Spender aus. Konnten sie sich in Zeiten vor Ausbruch des Coronavirus über ein reichhaltiges Büfett freuen, gibt es nun kleine Versorgungstaschen. Gefüllt sind diese etwa mit Obst, einem Schokoriegel, einem Sandwich oder einem Joghurt. „Die Taschen kommen sehr gut an“, erzählt Edith Esselmann vom DRK Oyten, die mit Kollegen fleißig die Türen bestückt. Das Geld dafür bekomme der Ortsverein vom Blutspendedienst in Hannover, eingekauft wird am Tag zuvor. Im Vergleich zum Büfett benötige das DRK-Team laut Esselmann „weniger Vorbereitungszeit und weniger Personal“.

Selbst zur Blutspende kommt sie bei den Terminen während der Pandemiezeit aber trotzdem nicht. Denn neben den Tüten muss sie sich auch um die Gutscheine für Mehrfachspender kümmern. Über einen Warengutschein dürfen sich dieses Mal unter anderem Hans-G Schwittek aus Achim (50. Spende), Helga Wachlin aus Oyten (75. Spende) und Heinz-Hermann Warns aus Oyten (100. Spende) freuen – und bekommen es so noch einmal besonders gedankt, auch unter den besonderen Bedingungen als Lebensretter aktiv geworden zu sein. Am Ende werden an diesem Freitag 226 Menschen der Einladung des DRK nach Oyten gefolgt sein. Ganz zur Freude von Hendrik Frank von der DRK-Ortsgruppe Oyten, der im Anschluss einmal mehr von einem „vollen Erfolg“ spricht.

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