Windrad am Bultensee

Offensive der Windradgegner

Die Bürgerinitiative „Keine Windräder am Bultensee“ um Werner Martin setzt ihren Protest gegen das geplante Windrad an dem Gewässer zwischen Osterholz-Tenever und Oyten mit einer E-Mail-Offensive fort.
29.05.2020, 15:32
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Offensive der Windradgegner
Von Lars Köppler
Offensive der Windradgegner

Das Areal am Bultensee steht im Fokus, weil dort ein Windrad gebaut werden soll.

PETRA STUBBE

Mit einer energischen E-Mail-Offensive setzen die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Keine Windräder am Bultensee“ ein weiteres Zeichen in ihrem Kampf gegen das geplante Windrad auf dem Areal des Gewässers in Osterholz-Tenever in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gebiet der Gemeinde Oyten. Wie berichtet, berufen sich die Gegner des Windrads unter anderem auf den Tier- und Landschaftsschutz. Besonders Zugvögel, aber auch Fledermäuse, seien durch das Windrad gefährdet. Zudem befände sich die Anlage in einem Überschwemmungsgebiet. Ein weiteres Argument: Das Windrad sei zu nah an Wohngebäuden geplant. Tatsächlich sind es nur ein paar hundert Meter zu den ersten Wohnblöcken in Tenever und Häusern in Oyten. Zudem werden gesundheitliche Auswirkungen durch sogenannten Infraschall – nicht hörbaren, tief frequenten Schall – befürchtet.

Fakt ist: Der Investor Energiekontor AG will nahe der Landesgrenze zu Oyten auf Bremer Gebiet ein Windrad der Firma Nordex mit einer Höhe von 178,50 Meter errichten lassen. Hierzu liegt derzeit ein Änderungsantrag beim Bremer Gewerbeaufsichtsamt vor (wir berichteten). Ursprünglich geplant war jedoch ein Windrad der Firma Senvion ohne Carbon in den Flügeln. Das Nordex-Windrad soll laut Werner Martin 5,6 Tonnen Carbon in seinen Flügeln enthalten. Die bei Bruch oder Brand freigesetzten Fasern könnten gesundheitliche Schäden verursachen, da sie im Verdacht stünden, ähnlich wie Asbest krebserregend zu sein. Vor dem Hintergrund des Großbrandes am vergangenen Mittwoch in Gröpelingen hatte Martin daher auch die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft um eine Einschätzung der Gefahrensituation für Anwohner, Nutzvieh und Wasserläufe durch Carbon gebeten.

Investor betont Ähnlichkeit

Der Investor Energiekontor AG betont derweil die Ähnlichkeit des Nordex-Windrades zum ursprünglich geplanten Senvion-Windrad. „Ansonsten hätte die Stadt Bremen dieses Windrad nämlich neu ausschreiben müssen“, moniert Martin, der insbesondere bei der Zuwegung zum Windrad eine klare Korrektur fordert. Laut Martin fühlen sich die Oytener Anwohner zudem vom Land Niedersachsen, vom Landkreis Verden und von der Gemeinde Oyten verschaukelt, da sich niemand für den ihnen zustehenden Abstand eingesetzt habe. Die Gemeinde Oyten habe im Jahr 2016 lediglich eine Resolution an die Stadt Bremen verfasst. „Was dort aber niemanden interessiert hat“, wie Martin süffisant bemerkt.

Insgesamt 15 E-Mails hatte BI-Mitglied Werner Martin am vergangenen Donnerstag und Freitag abgeschickt, um erneut mit Nachdruck auf die Sorgen und Befürchtungen der Bürgerinitiative aufmerksam zu machen. Zu den Adressaten der E-Mail-Aktion zählt derweil auch Oytens Bürgermeisterin Sandra Röse. Die BI fordert darin unter anderem eine klare vertragliche Regelung mit dem Betreiber nach Fertigstellung, wer wann mit welcher Tonnage die Straße befahren darf, „damit nicht solche Unstimmigkeiten wie in Egypten geschehen“. Dort sei die Straße beschädigt worden und keiner wolle es gewesen sein. Hier könne es helfen, wenn man auf Anmeldung der Transporte mit Tonnageangaben bestehe. Dann könne ein Transport begleitet und die Schäden könnten vor Ort zeitgenau dokumentiert werden.

Röse reagiert

Röse bemüht sich indes, die Wogen etwas zu glätten: „Die Gemeindeverwaltung teilt grundsätzlich die Interessen der BI. Leider beschränkt sich unser Einflussbereich ja auf die Zuwegung zur Windkraftenergieanlage. Stark verkürzt heißt das, dass wir uns darauf konzentrieren, nur das auf der Straße zuzulassen, wozu wir verpflichtet sind – darüber hinaus zeigen wir kein Entgegenkommen. Mit rechtlicher Beratung haben wir uns dem Betreiber gegenüber entsprechend positioniert. Wir stehen auch im Austausch mit den entsprechenden Verdener und Bremer Behörden“, erklärte Sandra Röse.

Auch die Firma Energiekontor AG als Investor des Windrad-Projekts hat Werner Martin mit einer E-Mail bedacht und darin ein Beweissicherungsverfahren für seine privat genutzten Immobilien in der Straße Zum Behlingsee, also auf Oytener Grund, beantragt. „Mit dem Bau eines Windrades der Firma Nordex planen Sie eine Grundwasserabsenkung. Somit greifen Sie in Wasser führende Erdschichten ein, wodurch meine Immobilien Schaden nehmen könnten“, begründete Martin. Von den anderen Empfängern der E-Mail-Aktion – darunter Bremer Politiker, Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft und Behördenvertreter – erwarten die Windkraftgegner nun Stellungnahmen, mehr Fingerspitzengefühl und plausible Antworten.

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