Neue Wasserski-Anlage Der Oyter See im Wandel

Während die neue Wasserski-Anlage am Oyter See auf die Freigabe wartet, gibt es kritische und lobende Töne aus der Bevölkerung. Fest steht: Mit der damals geplanten Großanlage hat die jetzige nichts zu tun.
03.06.2019, 17:39
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Der Oyter See im Wandel
Von Kai Purschke

Natürlich kann sich Manfred Cordes noch bestens erinnern. Im Oktober 2012 hatte Oytens Bürgermeister die Satzung für die Bürgerbefragung unterzeichnet und einige Monate später stand im Januar 2013 fest: 53,41 Prozent der Oytener, die an der Befragung teilgenommen hatten (Wahlbeteiligung: 54,56 Prozent), sind gegen eine Wasserski-Anlage am Oyter See. Der Rat, der mehrheitlich anderer Meinung war, folgte diesem Votum, obwohl es nicht bindend war. Nun, sechs Jahre später, ist eine mobile Wasserski-Anlage am Oyter See installiert (wir berichteten).

Während Manfred Cordes die Wasserski-Anlage heute wie damals befürwortet – „Ich bin da ganz bei den jungen Leuten“ –, stellt er auf Nachfrage den wesentlichen Unterschied heraus: Damals hätte der Bebauungsplan geändert werden müssen, weil eine dauerhafte Groß-Anlage mit Restaurant und anderem geplant war. Nun aber handele es sich um eine mobile, kleine Wasserski-Anlage, die nur während der Saison geöffnet sein soll. „Der Landkreis Verden hat die Anlage als fliegenden Bau genehmigt“, sagt Cordes. Dafür müssen der Bebauungsplan nicht geändert und der Gemeinderat nicht einbezogen werden. Die Oytener Verwaltung sei nicht involviert gewesen, der Antragsteller habe sich direkt an die Kreisverwaltung gewandt. „Die Sicherheit der Anlage muss abgenommen werden, dann darf sie zunächst für drei Monate betrieben werden“, erklärt Cordes.

Überwiegend positive Bürgerreaktionen laut Betreiber

Gleichwohl kam die Errichtung der mobilen Anlage offenbar nicht völlig überraschend für Verwaltung und Politik, denn wie Anlagenbetreiber Ron Reimers schildert, „war im Oktober eine Delegation aus Oyten bei uns in Otterndorf, um sich die Anlage anzusehen“. Daher wundert er sich und findet es schade, dass die Gemeinde ihre Bürger nicht vorab über ihre Eindrücke von der Anlage informiert hat. Er selbst habe mittlerweile rund 120 Gespräche mit Bürgern am Oyter See geführt und sei dabei auf nur drei Gegner gestoßen. „Manche waren früher gegen die alten Pläne, haben aber mit der jetzt viel kleineren Anlage gar kein Problem“, sagt er.

Rathauschef Cordes weiß um die Gemengelage vor Ort: Da sind Campingplatzbetreiber Knaus und Ron Reimers, die wirtschaftlich handeln müssen und das Areal attraktiver gestalten wollen, und da sind die Menschen, die lieber nichts am Oyter See verändert sehen wollen. Kritik von Naturschützern gibt es obendrein an der Anlage, jedoch ebenso die – insbesondere in sozialen Netzwerken geteilte – große Vorfreude der sportiven Menschen in der Region, denn eine derartige Anlage gibt es im Raum Bremen bislang nicht. „Das Ding steht jetzt erstmal diesen Sommer da und wir werden sehen, wie es angenommen wird und welche Belastungen sich daraus ergeben. Das kann noch niemand wissen“, sagt Manfred Cordes. Außerdem sei das letzte Wort über die Gestaltung des Oyter Sees ja ohnehin noch nicht gesprochen.

Gemeinde plant Infoveranstaltung am Oyter See

Denn, und darauf legt das Gemeindeoberhaupt großen Wert, sollen die Bürger schließlich noch während einer Veranstaltung an der künftigen Entwicklung des Oyter Sees beteiligt werden. Und zwar nicht als Reaktion auf die kritischen Töne, die es seit Bekanntwerden der Anlageneröffnung auch gegeben hat, sondern weil der Ratsausschuss für Umwelt & Gemeindeentwicklung dies Anfang Mai beschlossen hatte (wir berichteten). So ergibt sich allerdings die aus Bürgersicht verständliche Irritation, dass die Oytener an der Entwicklung beteiligt werden sollen, nun aber mit der mobilen Wasserski-Anlage bereits vor eine vollendete Tatsache gestellt wurden. Die Gemeinde habe gute Erfahrungen mit dieser Form der Bürgerbeteiligung gemacht, sagt Cordes. "Wir planen derzeit eine Veranstaltung am Oyter See, wo wir dafür ein Zelt aufstellen werden", blickt er voraus, nennt aber noch keinen festen Termin.

Campmanagerin Ulrike Koch hat erste Reaktionen bekommen, nachdem sie die Katze aus dem Sack gelassen hatte: „Diese sind überwiegend positiv, aber es gibt natürlich auch Menschen, die dagegen sind, dass sich hier etwas verändert.“ Am 10. Juni soll die Anlage ihren Betrieb aufnehmen, noch fehlt die endgültige Freigabe vom Tüv, wie sie bestätigt.

Info

Zur Sache

Fliegende Bauten

Fliegende Bauten sind nach der Definition in der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) bauliche Anlagen, die geeignet sind, an verschiedenen Orten wiederholt und befristet aufgestellt und wieder abgebaut zu werden, wie Karusselle, Achterbahnen, mobile Kletterwände oder Festzelte. Fliegende Bauten bedürfen keiner Baugenehmigung, sie dürfen nur zum Gebrauch aufgestellt werden, wenn für diese eine Ausführungsgenehmigung erteilt worden ist – vor dem erstmaligen Aufstellen und Ingebrauchnehmen. Die Genehmigung wird demnach befristet für längstens fünf Jahre in einem Prüfbuch erteilt und kann auf schriftlichen Antrag um jeweils längstens fünf Jahre verlängert werden.

Verfahrensfreie Baumaßnahmen sind nach nach der NBauO im Übrigen auch „Wohnwagen, Zelte und bauliche Anlagen, die keine Gebäude sind, auf Campingplätzen“.

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