Platt-Geschichten aus Oyten Die Prise Naseweisheit

Die 39 Kurzgeschichten in dem Buch „Kuum to glöven“ spielen mit Wahrheit und Fiktion. Auf Plattdeutsch macht diese Gratwanderung Autor Hermann Wahlers besonders viel Spaß.
22.11.2019, 16:20
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Die Prise Naseweisheit
Von Björn Struß

Die plattdeutsche Sprache hat es schwer. Gesprochen wird sie noch, aber wer in einer Buchhandlung nach einem plattdeutschen Buch fragt, stellt den Verkäufer vor eine große Aufgabe. Diesen Zustand möchte Hermann Wahlers nicht einfach so hinnehmen. Der 64-Jährige aus Sagehorn hat in dem Buch „Kuum to glöven“ 39 Kurzgeschichten aufgeschrieben. „Die Sprache hat immer etwas Naseweisheit, Plattdeutsch macht einfach mehr Spaß“, sagt Wahlers.

Die Geschichten sind zum Teil wahr, nur die wenigsten sind komplett erfunden. Oft sind wahre Begebenheiten mit Fiktion angereichert, sodass unterhaltsame Kurzgeschichten entstehen. Auf dieses Spiel mit Wahrheit und Erfindung stimmt Wahlers seine Leser schon im Vorwort ein: „...un nu lich dat an denn Leser, ruttofinnen, wat he glöven will.“ Um den Lesern den Einstieg zu erleichtern, hat jede Geschichte eine kurze Einführung auf Hochdeutsch. „So fällt es leichter, sich einzelne unbekannte Wörter zu erschließen“, meint der Autor.

Auf den Spuren der Technoklänge

Eine wahre Begebenheit erzählt die Geschichte „Moyn Moyn – Festival op'n Backsberg“. Darin beschreibt Wahlers, wie ihm die elektronische Musik in einer Sommernacht den Schlaf raubte. Die Kurzgeschichte beginnt mit den Worten „Wumm, Wumm, Wumm“. Diese Technoklänge sind in Oyten alles andere als Alltag, auch wenn es das Moyn-Moyn-Festival am Backsberg schon dreimal gab. Nach der lauten Nacht begab sich Wahlers auf die Spur der Musik und erkundete das Festivalgelände. „Je länger ich da war, desto mehr habe ich im Takt der Musik gewippt“, berichtet er. Ob Poetry Slam oder Yoga – der Ausflug entwickelte sich zu einer spannenden Erkundungstour. „Am Ende war es ein sehr positives Erlebnis“, resümiert Wahlers.

Bei einer anderen Erzählung hat der Oytener viel Fantasie spielen lassen. In „Morgens pingel de Bimmelbox“ geht es darum, wie zwei Whats-App-Nachrichten das Leben eines Mannes gehörig durcheinanderbringen. Zunächst erfährt er, dass er Großvater wird. Einige Jahre später meldet sich dann die Enkelin, weil sie lieber bei ihrem Großvater leben möchte.

Die Idee zu dem Buch entstand in der Gruppe „Wir Sagehorner“, die sich regelmäßig zu gemeinsamen Aktivitäten und Doppelkopf-Runden trifft. Wahlers steht als alleiniger Autor auf dem Buchdeckel, einige Geschichten stammen aber auch von Annemarie Grashoff, Michael Becker, Berthold Ehlers, Wolfgang Prüßner und Harald Siedenburg.

Teilnahme an NDR-Wettbewerb

Bevor Wahlers damit begann, das Buch zu schreiben, nahm er im Jahr 2018 an dem NDR-Schreibwettbewerb „Vertell doch mal“ teil. Die 25 besten Geschichtenschreiber erhielten eine Einladung zur Preisverleihung nach Hamburg. Unter ihnen war auch Wahlers. „Ich hatte nicht geglaubt, dass ich das kann“, erinnert er sich. Umso größer war dann seine Freude, dass er sich da wohl geirrt hatte. Mit dieser Extraportion Selbstvertrauen begann er dann, mit seinen Freunden an „Kuum to glöven“ zu arbeiten.

Ein wirtschaftliches Risiko muss Wahlers mit dem Buch nicht eingehen. Die Kosten für den Druck hat der Verlag HDW.Verden übernommen. „Das hat mich gefreut, denn manche Autoren müssen ihre ersten Bücher selbst finanzieren“, sagt Wahlers. „Kuum to glöven“ hat eine Auflage von 150 Stück, ein Buch kostet 14,50 Euro. Das Geld geht zum größten Teil an den Verlag, der mögliche Verdienst für Wahlers ist gering. „Ich will kein Geld verdienen“, betont der Autor. Er hat auch eine CD produziert, auf der sich eine Auswahl der Geschichten in ein Hörbuch verwandeln. Die CD kostet zehn Euro.

Die Möglichkeit zum Kauf wird es auf dem Oytener Weihnachtsmarkt geben, der am 30. November, dem 1. Dezember und dem 8. Dezember im und am Oytener Heimathaus stattfindet. Daneben will Wahlers seine Geschichten auch in einige Buchhandlungen bringen.

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