Zirkus Minimax

Gestrandet in Bassen

Seit dem Corona-Lockdown im März hängt der Zirkus Minimax in Bassen fest. Auftritte im eigenen Zelt sind noch immer nicht möglich, dafür hofft die Artistenfamilie auf kleine Gastauftritte in der Region.
20.07.2020, 16:54
Lesedauer: 3 Min
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Gestrandet in Bassen
Von Marius Merle
Gestrandet in Bassen

Zeit zum Training war zuletzt deutlich mehr, als es allen lieb war: Ronny Trumpf hofft, mit seinen Kindern Vienna (von links), Steven und Jake bald wieder häufiger auftreten zu können.

Björn Hake

Oyten-Bassen. Es war nur ein kleiner Auftritt im Garten eines Oytener Seniorenheims, doch für Katja Trumpf-Schröder und ihren Mann Ronny Trumpf sowie ihre Kinder war es ein kleiner freudiger Ausbruch aus der derzeit zermürbenden Realität. Denn der kürzliche Auftritt war der erste für die Artistenfamilie überhaupt seit Monaten. Eigentlich schlägt ihr Zirkus Minimax jede Woche an einem anderen Ort im norddeutschen Raum auf. Manchmal sind es sogar zwei Standorte, an denen sie ihre Show binnen einer Woche präsentieren. So war es zumindest bis zum März. Dann kam das Coronavirus und an reguläre Auftritte war von da an nicht mehr zu denken.

„Für uns ist es eine sehr schwere Zeit“, erzählt Ronny Trumpf, der mit seiner Familie seitdem in Bassen gestrandet ist, wo der Zirkus Minimax vor dem bundesweiten Lockdown seine letzten Aufführungen hatte. Erst durfte die Familie ihr Lager mit ihren Anhängern und den Tieren auf dem Parkplatz der Grundschule in Bassen aufschlagen, als dort der Betrieb wieder aufgenommen wurde, folgte der Umzug auf eine Grünfläche neben dem Bassener Feuerwehrhaus. Die Gemeinde Oyten stellt die Flächen kostenfrei zur Verfügung. „Da sind wir sehr dankbar drüber, das hat sehr schnell und reibungslos funktioniert“, sagt Katja Trumpf-Schröder und fügt an, dass dies, wie sie erfahren habe, bei anderen Zirkussen nicht der Fall gewesen sei. Natürlich stehe man im Austausch mit Leidensgenossen und die Familie ihres Mannes habe sich ohnehin komplett diesem Berufsfeld verschrieben.

„Eigentlich gab es bei uns zuhause schon immer nur Zirkus“, sagt Ronny Trumpf, der aus dem bayrischen Straubing stammt. Häufig sei der Zirkus Minimax mit anderen Zirkussen mitgefahren oder für einzelne Nummern engagiert worden. „In diesem Jahr wollten wir uns eigentlich selbstständig machen“, erzählt Katja Trumpf-Schröder. Denn viele ihrer Kinder – 19, 16, zwölf, acht und sechs Jahre alt – seien nun auch groß genug, um gemeinsam mit den Eltern ein eigenes komplettes Programm etwa mit Feuerschlucken, Jonglage oder Clownnummern auf die Beine zu stellen. Grundsätzlich sei man ein „reiner Artistenbetrieb“, erklärt Ronny Trumpf, aber einige kleine Tiere wie Enten, Hunde oder Tauben seien auch mit dabei. Dass die Familie ausgerechnet für dieses Jahr große Pläne hatte, mache die Situation nur noch trauriger.

„Wir halten uns gerade so über Wasser“, merkt Ronny Trumpf angesichts ausbleibender Auftritte und weiterhin laufender Kosten an. Ein bisschen finanzielle Hilfe vom Staat habe es zwar gegeben, aber letztlich sei die Familie auf Spenden angewiesen, um nicht Konkurs zu gehen und die Tiere halten zu können. Hinzu komme die psychologische Belastung, denn die Tage können sehr lang werden. „Man kann ja auch nicht die ganze Zeit üben“, sagt Ronny Schröder. Und sonst bleibe nur das Warten. Zwar gab es inzwischen ja einige Lockerungen der Corona-Maßnahmen, aber an reguläre Auftritte ist für den Zirkus Minimax weiterhin nicht zu denken. Denn er verfügt nur über ein relativ kleines Zelt und durch das geltende Abstandsgebot könnten nur sehr wenige Besucher untergebracht werden.

Erst wenn der Mindestabstand von 1,5 Meter aufgehoben werden würde, könnte es wieder losgehen, berichtet Katja Trumpf-Schröder. „Abends, wenn man ins Bett geht, hofft man für den nächsten Tag auf eine gute Nachricht“, gibt Ronny Trumpf Einblick in seine Gefühlswelt. Aber realistisch betrachtet, gebe es momentan noch keine Aussicht auf Auftritte im Zelt. Umso mehr hoffen er und seine Familie, dass die Vorstellung beim Seniorenheim kein Einzelfall bleibt. Egal ob Sommerfeste, Kindergeburtstage oder andere Anlässe, gerne kommen sie für einen Auftritt vorbei. Um dem tristen Alltag wieder einmal für ein paar Stunden entkommen zu können.


Wer den Zirkus Minimax gerne einmal für eine Show oder einzelne Elemente daraus buchen möchte, kann sich telefonisch unter 01 76 / 36 09 20 00 melden. Die Familie freut sich zudem auch weiterhin über Spenden, etwa auch von Heu für die Tiere. Zudem wird noch ein Winterlager gesucht.

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