Bürgermeisterwahl in Oyten

Ein Quartett im Rampenlicht

Die Oytener sind sehr interessiert daran, wer die Nachfolge von Bürgermeister Manfred Cordes antritt und den Chefsessel im Rathaus einnimmt: Rund 200 von ihnen haben den Talkabend des ACHIMER KURIER besucht.
22.05.2019, 17:18
Lesedauer: 5 Min
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Ein Quartett im Rampenlicht
Von Kai Purschke
Ein Quartett im Rampenlicht

Im "Alten Krug" in Oytens Ortsmitte hatten sich die vier Kandidaten für die Bürgermeisterwahl auf Einladung des ACHIMER KURIER eingefunden (von links): Björn Meyer (Grüne), Jens Marten (freier Kandidat), Sandra Röse (CDU) und Heiko Oetjen (SPD).

Jonas Kako

Wenn in einer Einladung davon die Rede ist, dass der Einlass ab 17.30 Uhr erwünscht ist und der Saal des „Alten Krugs“ trotzdem bereits um zwanzig nach fünf zum Bersten voll ist, dann muss dort etwas sein, das die Menschen brennend interessiert. Am Dienstagabend waren dies die vier Bewerber um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Oyten, die der ACHIMER KURIER zum Talk eingeladen hatte. Um die 200 Oytener wollten sich diese Chance nicht entgehen lassen, sich so kurz vor der Wahl am kommenden Sonntag, 26. Mai, noch ein Bild der Bewerber zu machen und sie vergleichen zu können. Schließlich zählen bei einer reinen Personenwahl nicht nur die Ansichten der Kandidaten zu Oytener Sachthemen, sondern in erster Linie auch ihre Charaktereigenschaften, Ziele und Persönliches.

All das brachte Moderator Marius Merle, stellvertretender Redaktionsleiter und Oyten-Fachmann, an diesem Abend zum Vorschein: Unter anderem in einem Bewerbungsgespräch mit den Kandidaten Heiko Oetjen (SPD), Sandra Röse (CDU), Björn Meyer (Grüne) und Jens Marten (freier Kandidat) sowie mit einem unterhaltsamen Oyten-Quiz, bei dem Sandra Röse die meisten Oytinchen-Plüschfiguren gewinnen konnte. „Ich nehme die Wahl an“, sagte sie nach der Siegerehrung und sorgte damit für einen der zahlreichen Lacher des Talkabends.

Spontanität unter Beweis gestellt

Denn nicht nur die CDU-Kandidatin, die sich selbst als „All-inclusive-Paket“ anpries, stellte die geforderte Spontanität unter Beweis. SPD-Mann Heiko Oetjen begeisterte die Zuhörer etwa mit seinem größten persönlichen Erfolg abseits der Berufswelt: „Das sind unsere beiden Kinder, die beweisen, dass ich etwas zustande kriege, das Hand und Fuß hat.“ Grünen-Bewerber Björn Meyer erntete zustimmenden Beifall, als er erklärte, warum die Wahlkampfplakate mit seinem Gesicht erst so spät die Straßen säumen: „Die Plakate von Heiko und Sandra verblassen schon langsam, das wollte ich meinem Teint nicht antun. Außerdem sehe ich mich jeden Tag im Spiegel, ich weiß also, was Sie ertragen müssen.“ Jens Marten sitzt für die AfD im Gemeinderat und hatte wohl deswegen den schwersten Stand, was das imaginäre Applausbarometer angeht. Größeren Beifall bekam er aber für seine Aussage, dass er als Bürgermeister von Oyten seine Parteimitgliedschaft „komplett ausblenden“ werde.

Mehr ging nicht: Bereits vor der eigentlichen Einlasszeit war der Saal des Gasthauses mit gut 200 Besuchern zum Bersten gefüllt.

Mehr ging nicht: Bereits vor der eigentlichen Einlasszeit war der Saal des Gasthauses mit gut 200 Besuchern zum Bersten gefüllt.

Foto: Jonas Kako

Marten nimmt für sich in Anspruch, zu wissen, was die Bürger wollen und was nicht. „Das erfahre ich, wenn ich ihre Häuser betrete“, erwähnte er gleich mehrfach seine Qualifikation, als selbstständiger Schornsteinfegermeister die Nöte und Wünsche der Menschen direkt aufgesaugt zu haben. „Ich weiß, was Sie bewegt.“ Jens Marten selbst sieht sich als „Garant der Sicherheit“ der Menschen, deren Feuerstätten er kontrolliert. Sein Vorbild sei sein Vater, der als Behördenleiter ihm den Rat gegeben habe, Angestellte erst als Mensch zu sehen und dann als Arbeiter.

Überzeugt von sich ist Björn Meyer, der während des sehr fairen Talkabends als einziger Bewerber an zwei Stellen gegen seine Kontrahenten austeilte. „Es sind im Rathaus dringend Veränderungen notwendig, das können die anderen drei Kandidaten nicht leisten“, betonte er. Da ein „grüneres Europa“ und das damit verbundene bessere Erdklima vor der Haustür beginne, wolle er als Bürgermeister in Oyten damit anfangen und mit einem Blick für Nachhaltigkeit in dieser Rolle agieren. Er stehe „als Teamplayer“ für eine flache Hierarchie in der Gemeindeverwaltung und würde sich dort auch duzen lassen.

Frage nach der Kompetenz

Ihre Erfahrung im Organisieren und Führen von Menschen stellte Sandra Röse heraus. Sie habe jedenfalls die Kompetenz, „auf Menschen zuzugehen und zu erkennen, was sie können, was sie wollen und welche Ansprache sie brauchen, um sich wohlzufühlen und Leistung zu bringen“. Sie wolle nicht Bürgermeisterin werden, um eine Verwaltung mit rund 240 Angestellten zu führen, sondern, um dazu beizutragen, „Ziele für Oyten zu erreichen, die wichtig sind“. Mit den Worten Maggie Thatchers brachte Sandra Röse zum Ausdruck, dass man einen Mann fragen solle, wenn man etwas erklärt haben möchte – und eine Frau, wenn man etwas erledigt sehen will.

Oetjen setzte seine jahrzehntelange ehrenamtliche kommunalpolitische Arbeit sowie sein Engagement in diversen Vereinen dagegen und erklärte, mit dem Bürgermeisteramt „mein Hobby zum Beruf machen zu können“. Da komme es ihm zugute, dass er als ehrenamtlicher Stellvertreter des noch amtierenden Bürgermeisters Manfred Cordes auch die Abläufe in der Verwaltung bereits kenne. „Ich habe das nötige Rüstzeug“, ist Heiko Oetjen überzeugt, der eine Tätigkeit als Hauptverwaltungsbeamter als „logische Konsequenz“ seines bisherigen Schaffen sieht – sich selbst trotz seines Bekanntheitsgrades aber nicht als Favorit: „Warten wir es ab.“

Mit kecken Nachfragen war es Moderator Merle gelungen, dass sich die Kandidaten gegenüber den Bürgern öffnen mussten, um ihre Profile zu schärfen und sich von den Kontrahenten abzuheben. Natürlich war an diesem Abend aber genügend Platz für Sachthemen, die auch von den Bürgern gegen Ende der Veranstaltung angesprochen wurden. Allerdings gab es in Bezug auf das wichtige Thema „Verkehrsbelastung der Gemeinde Oyten“ hinter den vier Podesten nur eine Meinung: Dagegen müsse etwas getan werden, beispielsweise mithilfe einer Umgehungsstraße oder eines Lkw-Durchfahrverbots.

Unterschiedliche Prioritäten

Unterschiedliche Ansichten wurden zutage gefördert, als Merle danach fragte, wofür die Kandidaten als Verwaltungschef im kommenden Jahr eine Million Euro ausgeben würden, wenn diese über sei: Oetjen und Röse nannten jeweils den Straßenbau, wobei die Bewerberin ums Bürgermeisteramt einen Teil des Geldes auch in die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde investieren würde. „Wir müssen es schaffen, dass Sie besser informiert sind“, sagte sie.

Während Marten das Geld lieber „für schlechte Zeiten“ zurücklegen würde, brachte Meyer neben einem Fördertopf für Fotovoltaikanlagen auch das Thema Kultur zur Sprache: „Wir brauchen ein Kulturangebot vergleichbar dem Kasch in Achim, etwas, das regelmäßig Kultur schafft, wo man abends mal hingehen kann“. Keiner Kandidaten konnte oder wollte dem Moderator dagegen eine konkrete Ausgabe nennen, die er oder sie als erstes streichen würde, wenn eine Million Euro eingespart werden müsste.

„Warum glauben sie, dass Sie Bürgermeister können?“ – so lautete die Frage, die eine Oytenerin von dem Quartett beantwortet haben wollte. Björn Meyer sagte, er sei seit 1997 selbstständig, arbeite von zu Hause aus in internationalen Teams im Zahnradverfahren. „Jeder macht sein Ding, am Ende fließt alles zusammen.“ Sandra Röse mache als Kauffrau und Betriebswirtin „seit 2000 nichts anderes“ und beherrsche den partizipativen Führungsstil. Heiko Oetjen bändige „mit großen Spaß“ die SPD-Kreistagsfraktion, „in der 15 Alphatiere sitzen“. Jens Marten, der selbstständige Mittelständler sagte, es komme nicht auf die Zahl der Mitarbeiter an, „sondern auf die Art und Weise, wie man sie führt“.

Ob angesichts dieser sehr unterschiedlichen Bewerber und Beweggründe die Bürgermeisterwahl für die Oytener Bürger, wie Sandra Röse es ausdrückte, „eine leichte Wahl“ ist oder sie nicht umso schwieriger dadurch wird, dass man objektiv zumindest an diesem Abend keinem aus dem Quartett eine generelle Favoritenrolle zusprechen konnte, müssen die Oytener nun für sich entscheiden. Dass sie genau wissen wollen, wen sie wählen, haben sie mit einer Resonanz, die den „Alten Krug“ an seine Grenzen brachte, eindrucksvoll bewiesen. Darunter auch Amtsinhaber Manfred Cordes und seine Verwaltungsmitarbeiter, die natürlich wissen möchten, wer und was sie künftig im Bürgermeisterbüro erwartet – aber auch Rainer Ditzfeld als Bürgermeister von Achim, der von den Kandidaten hören wollte, wie sie sich denn eine Zusammenarbeit Oytens mit Ottersberg und Achim vorstellen.

Info

Zur Sache

Bürgermeisterwahl in Oyten

Vier Bewerber stehen am Sonntag, 26. Mai, zur Wahl: Jens Marten (freier Kandidat), Björn Meyer (Grüne), Sandra Röse (CDU) und Heiko Oetjen (SPD). Die 16 Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Gelingt es keinem der Kandidaten, mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinen, kommt es am 16. Juni zur Stichwahl zwischen den beiden besten Kandidaten. Weitere Infos rund um die Wahl gibt es im Rathaus unter Telefon 0 42 07 / 9 14 00.

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