Hundehof In Oyten-Bassen

Ein Zuhause für die Chancenlosen

Coras Sonnenhof, wo Hunde ihren Lebensabend verbringen, ist derzeit nicht nur auf der Suche nach Spendern, sondern auch nach einem neuen Domizil. Der Resthof in Bassen ist dem Verein zu groß und zu teuer.
03.11.2019, 13:41
Lesedauer: 3 Min
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Ein Zuhause für die Chancenlosen
Von Kai Purschke

„Vielseitig nutzbarer Resthof bei Bremen“. Unter diesem Titel bietet Christina Bringmeier derzeit ihr Haus und das Riesengrundstück im Internet zum Kauf an. „Es geht hier nicht mehr“, sagt die Vorsitzende des Vereins Coras Sonnenhof, die zugleich Betreiberin des Hofs für alte und kranke Hunde am Rande Bassens ist. Denn das Haus sei für die Betreuung mancher Tiere nicht geeignet. „Es gibt Hunde, die können aufgrund ihres Handicaps keine Treppen laufen. Und wir können sie nicht mehr ständig tragen“, erklärt sie. Der andere Grund ist die finanzielle Belastung durch den Resthof, der mitsamt Wald und Weide und seinen etwa 1,5 Hektar eigentlich auch zu groß sei. Während die 57-Jährige also die Augen nach einem neuen Domizil offen hält, hofft sie auf Käufer für den Hof. „Am besten gestern“, beantwortet sie die Frage, wie sehr der Verkauf drängt. Aber: „Verschenken werden wir ihn nicht.“

Und für sie steht fest: Die Hunde kommen mit, denn mit dem Verein und Coras Sonnenhof soll es auf jeden Fall an anderer Stelle – am besten in der Umgebung – weitergehen. Aber es sei eben auch so, dass die Kosten für die Hunde das Vereinsguthaben und die Spendenbereitschaft der Menschen übersteigen. „Momentan sind bei unserem Tierarzt 2500 Euro offen“, erzählt Christina Bringmeier, die derzeit vor allem zwölf Hunde betreut sowie ein paar Hühner. Die ständige tierärztliche Betreuung ist ohnehin nicht günstig, wenn dann noch Operationen oder bestimmtes Futter – 40-Kilo-Schäferhund Olli etwa hat eine Allergie – notwendig werden, ist der Bedarf an Geld unentwegt da. Andererseits: „Das hier ist mein Herzensprojekt!“ Daher werde sie unbedingt weitermachen, allein schon, um den Tieren zu helfen.

Beinprothese für 1000 Euro

Wie Lenny, dem das halbe Bein hinten rechts fehlt. Seit zweieinhalb Monaten hat Lenny eine Beinprothese, an die er sich langsam zu gewöhnen scheint. „Beim Anziehen macht er inzwischen schon richtig gut mit“, erzählt Christina Bringmeier stolz, während Lenny über den Hof geht. Die Prothese habe 1000 Euro gekostet, ein anderer Tierarzt zuvor aber hatte ihr zum Einschläfern des Hundes geraten. Sie entschied sich dagegen, bezahlte die Prothese. Nun braucht Lenny eben ein bisschen länger als manch einer der anderen Vierbeiner, die auf dem Hof trotz ihres hohen Alters oder ihrer Leiden noch erstaunliche Sprünge oder andere Faxen machen. „Nur weil sie zum Teil sehr alt sind, sind es noch lange keine Schlaftabletten“, weiß die Vereinsvorsitzende, die mit ihrer Pflege nicht nur Lenny den Lebensabend versüßt.

Hunde, die niemand mehr aus dem Tierheim zu sich nehmen würde, oder die eine ganz besondere Aufmerksamkeit verlangen, sind auf Coras Sonnenhof zu Hause. Die Chancenlosen sozusagen. Bis sie sterben, werden sie von Christina Bringmeier und ihrem Lebenspartner versorgt. Der Abschied fällt dann natürlich schwer. „Erst kürzlich ist eine Hündin gestorben, die schon zwölf Jahre bei mir war, lange vor Coras Sonnenhof“, erzählt die Tierfreundin. Denn Christina Bringmeier war mehrere Jahre lang als Kinder- und Jugendreferentin für das Tierheim Bremen tätig und der Vierbeiner war als Schulhund stets mit dabei.

Auf Spenden angewiesen

Ende 2015 hat sie Coras Sonnenhof bezogen und den gleichnamigen Verein dahinter gegründet, der Verein habe allerdings nur eine Handvoll Mitglieder und neben ihr noch einen stellvertretenden Vorsitzenden. „Ich hätte auch gar nicht die Zeit, nebenbei noch groß Mitgliederbetreuung zu leisten“, sagt Christina Bringmeier. Denn die Aufgabe mit dem Sonnenhof fordere sie komplett, an einen Beruf obendrein sei gar nicht denken. Daher ist es der Zwiespalt, der ihr beziehungsweise dem kleinen Verein, der als gemeinnütziger Tierschutzverein anerkannt sei und die Genehmigung als geprüfte Organisation nach dem Tierschutzgesetz habe, zu schaffen macht. Einerseits zu klein, um genügend Mitgliedsbeiträge zur Deckung der laufenden und außerplanmäßigen Kosten zu bekommen, andererseits vom aktiven Team her nicht groß genug, um mehr Mitgliedern echte Vereinsarbeit bieten zu können.

„Ab und an helfen Ehrenamtliche aus“, erzählt sie und macht deutlich, wie sehr der Verein auf Spenden angewiesen sei. Doch die gebürtige Hessin weiß: Es gibt viele Tierschutzorganisationen, die um Spenden werben. Da ist er wieder, der Zwiespalt: „Das ist ja auch gut so, dass es viele gibt.“ Aber so könne eben nicht jeder Verein gleich bedacht werden. Daher biete Coras Sonnenhof auch Patenschaften oder Teilpatenschaften an, falls jemand bei der Versorgung eines bestimmten Hundes helfen kann.

Die Vierbeiner auf dem Tierhof könnten unterschiedlicher kaum sein, kleine Mischlinge oder der graue Galgo Español Kira begrüßen neugierig jeden Besucher. Doch nicht alle Hunde vertragen sich untereinander, Christina Bringmeier kennt ihre Pappenheimer aber natürlich bestens. Und liebevoll sagt mit Blick auf die Vierbeiner: „Alle werden hier gut versorgt.“ Aber das ist eben eine kostspielige Angelegenheit.


Wer Coras Sonnenhof unterstützen
möchte, kann unter der Telefonnummer 01 76 / 78 66 20 85 Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen gibt es auf der Facebookseite „Coras Sonnenhof e.V. “.

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