Freiwilligenarbeit in Tansania

Ein großes Herz für Tiere

Für Antonia Gerken war schon immer klar, dass sie Tierärztin werden will. Ihrem Traum rückte die Bassenerin ein Stück näher, als sie zuletzt drei Monate auf einer Wildtierauffangstation in Tansania verbrachte.
03.05.2020, 13:53
Lesedauer: 4 Min
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Von Antonia Blome
Ein großes Herz für Tiere

Antonia Gerken durfte bei ihrem Freiwilligendienst auf der Wildtierauffangstation im afrikanischen Tansania auch selbst tatkräftig mithelfen, hier etwa bei der Behandlung eines Hundes.

Femke Heyn

Antonia Gerken weiß genau, was sie will. Ihr Traumberuf: Tierärztin. Um ihrem großen Ziel ein Stück näher zu kommen, absolvierte die 21-Jährige bereits eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten. Einen ganz anderen Einblick in das Leben als Veterinärin bekam die Bassenerin schließlich Anfang des Jahres. Die engagierte Tierliebhaberin verbrachte nämlich drei Monate auf einer Wildtierauffangstation in Tansania und versorgte dabei neben Hunden und Katzen auch Elefanten, Zebras und Co.

„Schon seit Kindergartenzeiten ist mir klar, dass ich Tierärztin werden möchte“, sagt die junge Frau, die selbst einen Hund hat. Ihre Ausbildung begann sie im Jahr 2017 in der Tierklinik in Posthausen und schloss diese im Juli des vergangenen Jahres erfolgreich ab. Der nächste Schritt in ihrer Laufbahn führte sie rund 7000 Kilometer weit weg nach Ostafrika. „Ich wollte schon immer ins Ausland, meine Familie und ich haben auch eine Zeit lang in Amerika gewohnt“, erklärt sie ihr Fernweh.

Afrika habe Gerken damals besonders interessiert. „Ich habe mich über verschiedene Organisationen und Hilfsprojekte in Afrika informiert“, erzählt sie. Allerdings seien viele Freiwilligendienste sehr teuer gewesen. Für acht Wochen Arbeit hätte man bis zu 4500 Euro zahlen müssen. „Das habe ich nicht eingesehen, schließlich habe ich Qualifikationen vorzuweisen“, sagt sie. Letztendlich hat Gerken vielen Menschen in ihrem Umfeld von ihrer Idee erzählt und ist schließlich über einige Ecken auf eine Farm in Tansania aufmerksam geworden, wie sie sagt.

Tierklinik und Reitsafaris

Auf der Makoa-Farm am Südhang des Kilimandscharo gründete das deutsche Tierärzte-Ehepaar Elisabeth Stegmaier und Laszlo Paizs die Nichtregierungsorganisation Kilimanjaro Animal Crew. Ziel der Organisation ist es, Natur und Mensch projektorientiert zu unterstützen. In der dort betriebenen Tierklinik werden allerlei Haus- und Wildtiere behandelt. „Sie suchen da vor allem Freiwillige mit Erfahrung im tiermedizinischen Bereich oder solche, die gut reiten können“, erzählt Gerken. Die Station finanziere sich nämlich neben Spenden über die Reitsafaris, die auf der Farm angeboten werden.

Von Dezember bis März verbrachte die Bassenerin drei Monate auf der Farm. „In der ersten Woche wurde ich von den anderen Volontären auf der Farm angelernt“, erzählt sie. Nachdem diese abgereist seien, habe sich die freiwillige Helferin einige Wochen alleine der Aufgaben angenommen. „Ich bin täglich um etwa 7 Uhr aufgestanden und habe mich um die vielen Tiere gekümmert“, erinnert sich die 21-Jährige. Zu ihren Aufgaben habe gehört, einen Adler zu füttern und zu trainieren, Kälber zu versorgen oder die Milch für die Zebra- und Elefantenbabys vorzubereiten.

Wilde Tiere zum Greifen nah: Antonia Gerken auf Jeep-Safari in Tansania.

Wilde Tiere zum Greifen nah: Antonia Gerken auf Jeep-Safari in Tansania.

Foto: Sibylle Gerken

Die Tätigkeiten hätten sich vorrangig auf die Tierpflege konzentriert. „Zum Beispiel habe ich die Tiere nach einer Kastration mit Medikamenten versorgt und ihre Wunden regelmäßig kontrolliert“, beschreibt die Bassenerin. Aber auch bei kleinen Operationen an Hunden und Katzen durfte sie assistieren. Besonders interessant sei es gewesen, als sich ein Vogel der Art Marabu, der durch einen Affen verletzt worden sei, in der Obhut der Tierschützer befunden und eine Schnabelprothese bekommen habe. „In meiner Freizeit bin ich oft mit den Pferden der Farm ausgeritten“, erinnert sich die junge Frau, die bereits in Kindertagen geritten ist.

In Tansania seien die Menschen alles etwas ruhiger und gemächlicher angegangen als in Deutschland. „Das Sprichwort der Menschen war ,pole pole' - das heißt so viel wie langsam, langsam“, erzählt Gerken lachend. „Die Leute waren total lieb und ich habe sowohl Weihnachten als auch meinen Geburtstag dort verbracht.“ Allerdings bezeichnet sich Gerken selbst als einen Familienmenschen, der diese Feste doch am liebsten zu Hause verbringt. Gegen Ende ihres Freiwilligendienstes seien sogar ihre Eltern aus Deutschland nach Tansania gereist, um ihrer Tochter einen Besuch abzustatten: „Wir durften dann mit auf eine fünftägige Jeep-Safari, das war echt beeindruckend.“

In vielen Bereichen weitergebracht

Die Reise habe Gerken in verschiedenen Bereichen weitergebracht, wie sie nun rückblickend analysiert. Einerseits habe sich ihr medizinisches Wissen weiterentwickelt, da ihr die Tierärzte sehr viel beigebracht hätten. Außerdem sei es interessant gewesen, einmal nicht nur mit Kleintieren, sondern auch mit Pferden oder Kühen zu arbeiten. „Natürlich habe ich mich auch sprachlich verbessert, musste Englisch sprechen oder mich mit Menschen, die nur Swahili sprechen, verständigen“, sagt sie. „Persönlich hat mich die Reise auch weitergebracht, schließlich habe ich mich alleine auf die Reise in ein fremdes Land begeben.“

Ihre Motivation für ihren Berufwunsch ist für die angehende Tierärztin ganz klar: „Mir macht die Arbeit mit den Tieren viel Spaß, weil sie einem so viel zurück geben.“ Des Weiteren sei es für Gerken interessant, was medizinisch alles möglich sei und wie Tiere, die als hoffnungsloser Fall gelten, doch noch gerettet werden können. „In der Tierklinik übe ich jeden Tag so viele verschiedene Berufe aus, bin mal Laborantin, Krankenschwester oder Zahnärztin – und habe außerdem mit den verschiedensten Menschen zu tun und kann für sie da sein.“

Nun ist die 21-Jährige vorerst weiterhin in Posthausen angestellt, bis ihr Studium der Tiermedizin beginnt. Allzu lange wolle sie aber auch der tansanischen Farm nicht fern bleiben: Denn die Bassenerin habe auf jeden Fall vor, in der Zukunft dorthin zurückzukehren.

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