Fußball

Uwe Norden: „Es wird zu sehr an die erste Herrenmannschaft gedacht“

Uwe Norden ist Frauenkoordinator beim TSV Bassen und Spielausschussvorsitzender des NFV-Kreises Verden. Im Interview spricht der Funktionär über seine Tätigkeiten und seinen Wunsch für die Zukunft.
17.03.2021, 10:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Reiner Tienken
Uwe Norden: „Es wird zu sehr an die erste Herrenmannschaft gedacht“

Uwe Norden engagiert sich seit vielen Jahren im Fußball. Der Funktionär hat gleich mehrere Ämter inne.

Björn Hake
Herr Norden, Sie sind seit etlichen Jahren im Frauenbereich des TSV Bassen als Koordinator ehrenamtlich engagiert. Was ist der Grund für diese Nachhaltigkeit?

Uwe Norden: Weil es meistens sehr großen Spaß macht. Ich komme viel mit jungen Menschen zusammen, was mich zumindest vom Kopf her auch jung hält. Es war in all den Jahren immer ein sehr gutes Miteinander. Mannschaft und Trainer haben immer einen ausgezeichneten Charakter an den Tag gelegt. Vielleicht auch, weil ich hier und da mal ein wenig helfen und unterstützen konnte.

Unter Ihrer Tätigkeit brachte der Verein von der Dohmstraße bei den Frauen das eine oder andere Talent hervor. Welche starken Fußballerinnen durften Sie in den Jahren begleiten?

Wir hatten schon diverse sehr gute Spielerinnen in unseren Reihen. Wenn ich hier jetzt einen oder gar mehrere Namen nennen würde und dabei vielleicht die eine oder andere vergessen würde, wäre das nicht gut. Ich sage immer – mit einem Augenzwinkern –, manche Frauen sind nicht nachtragend, sie vergessen nur schwer. Unsere Teams haben sich aber überwiegend durch die mannschaftliche Geschlossenheit ausgezeichnet. Das ist sicherlich bei einer Mannschaftssportart der entscheidende Aspekt. Schade nur, dass die eine oder andere Spielerin uns im Laufe der Jahre verlassen hat und dann sicherlich auch schon mal feststellen musste, dass sie sich dabei nicht verbessert hat. Bei einigen hatte es allerdings auch schulische oder berufliche Gründe. Da wir im Laufe der Jahre meistens zwei oder teilweise sogar drei Frauenteams hatten, läuft bei uns wohl auch das eine oder andere nicht so ganz falsch.

Der Sportkamerad Uwe Norden gibt als Spielausschussvorsitzender des NFV-Kreises Verden die Richtung vor. Ist das Amt unter Ihrer Regie mit der Zeit schwieriger geworden?

Das kann ich so nicht sagen. Es hat sich sicherlich verändert, aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Allein schon die inzwischen vorhandenen technischen Möglichkeiten haben auch einige Erleichterungen zur Folge, was zweifelsfrei als positiv zu bewerten ist. Ich kann mich an Zeiten erinnern, als wir die Spielpläne noch auf Matrize erstellt und per Post versandt haben. Heute geht das alles dank der technischen Hilfsmittel deutlich einfacher und schneller. Allerdings müssen wir dabei aufpassen, dass die aus meiner Sicht so enorm wichtigen persönlichen Kontakte nicht zu sehr verloren gehen.

Haben Sie speziell in den vergangenen Jahren einen positiven Trend oder eine negative Entwicklung bei den Vereinen ausgemacht?

Nach meiner Wahrnehmung wird in zu vielen Vereinen zu sehr nur an die erste Herrenmannschaft gedacht. Bis zu einem gewissen Punkt hat das sicherlich seine Berechtigung, denn die Mannschaft ist im Normalfall das Aushängeschild eines Vereins. Ich halte das aber auch für eine Gratwanderung, denn auch die Spielerinnen und Spieler in allen anderen Mannschaften zahlen ihren Beitrag und haben daher ein gleiches Anrecht auf Beachtung. Ich würde daher mehr, ich nenne es mal Solidarität, in dem einen oder anderen Verein erwarten. Aber vielleicht bin ich da ein wenig zu sehr Romantiker. Eine gewisse Abstufung zwischen den Teams ist sicherlich nachvollziehbar, aber hier und da erscheint mir das überzogen. Zudem würde ich es als positiv empfinden, wenn der eine oder andere Verein seine finanziellen Möglichkeiten mehr für die Jugend und den Frauenbereich einsetzen würde. Damit meine ich nicht, dass man den Aktiven finanzielle Zuwendungen zukommen lässt, sondern dass mehr in Jugendtrainer investiert wird. Natürlich ist auch mir die demografische Entwicklung bekannt, aber dennoch glaube ich, dass in diesen Bereichen in dem einen oder anderen Verein noch Reserven vorhanden sind, wenn man sie denn mehr und engagierter angehen würde. Schließlich waren die jetzt in der ersten Herrenmannschaft spielenden Aktiven vorher auch mal Jugendspieler. Fest zu halten ist auch, dass die Zahl der zweiten und dritten Herrenmannschaften rückläufig ist. Ein ehemaliger Funktionär hat mal auf meine Frage, ob er denn die Spiele der ersten Herrenmannschaft seines Heimatvereins besucht, geantwortet: Nein, da gehe ich nicht mehr hin. Da spielt kaum noch einer aus unserem Ort, da kenne ich ja kaum noch jemanden. Ich finde, diese Aussage sollte man sich einfach mal durch den Kopf gehen lassen.

Als Bezirksjugendmann blicken Sie auch weit über den Tellerrand des Kreisfußballverbandes Verden hinaus. Worauf legen Sie im Umgang mit den Vereinen besonderen Wert?

Auf Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Wenn der Eindruck entsteht, ihr da oben und wir da unten, dann läuft etwas falsch. Somit gilt es, diesen Eindruck zu verhindern. Mir ist schon auch klar, dass man eine hundertprozentige Zustimmung zu der einen oder anderen Entscheidung kaum erreichen wird. Deshalb ist es mir umso wichtiger, möglichst alle Betroffenen bei vermeintlich gravierenden Entscheidungen mit ins Boot zu nehmen. Dies allein schon dadurch, dass man sich mit ihnen austauscht. Mein Wahlspruch lautet seit jeher: Wir sind von den Vereinen gewählt, um für die Vereine da zu sein. Dies heißt allerdings ausdrücklich nicht, dass wir uns von jemandem am Nasenring durch die Manege führen lassen. Wichtig ist mir, dass die sportlichen Entscheidungen möglichst auf dem grünen Rasen und nicht am grünen Tisch zustandekommen.

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Die Frauen des TSV Bassen um Laura Edert sind aktuell Tabellenführer in der Bezirksliga. Als Koordinator hat Norden einen Anteil daran.

Foto: Björn Hake
Der NFV-Bezirk Lüneburg verfährt im Jugendbereich auf Bezirksebene seit 2010 mit Jahrgangsmannschaften. Gab es seit Einführung des Spielmodells kritische Stimmen aus den Kreisen?

Natürlich gab es immer wieder mal vereinzelte Kritik, die allerdings im Laufe der Jahre immer weniger geworden ist. Das ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass die Vereine die Vorteile, zum Beispiel die Mitnahme der Spielklassenzugehörigkeit in die nächste Saison, zu schätzen gelernt haben. Ich habe aber bei der Einführung dieser Neuerung immer gesagt, dass wir wieder zum alten System zurückkehren können, wenn dies von einer Mehrheit gewünscht wird. Wir werden nicht an etwas festhalten, was eine Mehrheit nicht will. Dieser Fall ist bisher nicht eingetreten.

Nach Horst Lemmermann stellt der NFV-Kreis Verden mit Ihnen seit dem jüngsten Bezirkstag wieder einen stellvertretenden Bezirksvorsitzenden. Was war für Sie der Anreiz, auch noch den Posten zu übernehmen?

Ich bin angesprochen worden, ob ich mir diese Position vorstellen kann. Nach einiger Zeit des Überlegens habe ich mich zur Kandidatur entschieden. Die inzwischen erfolgte Wahl bedeutet auch, dass ich für meine bisherigen Tätigkeiten auf Kreisebene als stellvertretender Kreisvorsitzender und Vorsitzender des Spielausschusses auf dem nächsten Kreistag nicht mehr kandidieren werde. Ich habe einfach immer noch Spaß an ehrenamtlicher Tätigkeit im Sport und der Zusammenarbeit mit Menschen, die ebenfalls so denken.

Mit Christian Röhling verfügt der Bezirk über einen neuen Vorsitzenden. Wie würden Sie den langjährigen Funktionär kurz charakterisieren?

Christian ist ein Mann mit viel Erfahrung in Sachen ehrenamtlicher Tätigkeit und wird auch in führender Position im Bezirk seinen Weg gehen.

Im Heidekreis arbeitet ein Uwe Norden aus Walsrode im Kreisjugendausschuss. Gab es in der Vergangenheit bereits Verwechslungen zwischen Ihnen und dem gleichnamigen Funktionär aus dem Nachbarkreis?

Ja, die gab es, weil wir beide im fußballinternen Internet eine nahezu identische Mailadresse haben, die sich nur durch eine Zahl unterscheidet. So landen schon mal E-Mails beim jeweils anderen. Dies führt dann schon mal zu einer verzögerten Bearbeitung, denn natürlich senden wir uns die Irrläufer schon gegenseitig zu, aber hier und da auch mal mit Verzögerung. Auf diese Problematik habe ich bereits mehrfach an entscheidender Stelle aufmerksam gemacht, aber die Behebung dieses Makels zieht sich seit Jahren und wurde bisher nicht behoben.

Was wünschen Sie sich als Fußballer für die Zukunft?

Neben dem Wunsch, dass wir so bald als möglich die Corona-Pandemie überwinden werden und dann endlich wieder Fußball auf dem grünen Rasen spielen dürfen, wünsche ich mir vor allem Gesundheit für alle. Bei aller Liebe für das runde Leder muss zwingend die Gesundheit aller Beteiligten im Vordergrund stehen. Wir werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder Fußball spielen können, nur kann keiner derzeit seriös sagen, wann das sein wird. Bis dahin braucht es allerdings Geduld. Außerdem wünsche ich mir endlich mal wieder einen anderen Deutschen Meister in der Bundesliga und für meine Borussia am Ende der Saison einen Platz im europäischen Wettbewerb.

Das Interview führte Reiner Tienken.

Info

Zur Person

Uwe Norden (59)

lebt für den Fußball. Der 59-jährige Verdener besticht als Koordinator im Frauenbereich beim TSV Bassen, als Spielausschussvorsitzender des NFV-Kreises Verden und als Bezirksjugendobmann durch Nachhaltigkeit. Der Fan von Borussia Mönchengladbach ist zudem noch stellvertretender Kreisvorsitzender und seit wenigen Wochen stellvertretender Bezirksvorsitzender.

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