Handball

Der leise Abschied von Franca Jakob

Zwölf Jahre lang trug Franca Jakob das Trikot des TV Oyten. Doch nun verlässt sie ihren Herzensverein mit vielen schönen Erlebnissen im Gedächtnis.
25.03.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Der leise Abschied von Franca Jakob
Von Florian Cordes

15 rote Button, jeweils mit Namen, einer weißen Fledermaus sowie dem Schriftzug „coming soon“ versehen. So schaut es aktuell auf der Internetseite der Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten aus. Vom Team ist nicht viel mehr zu sehen. Das dürfte sich jedoch in den kommenden Monaten ändern. Die 15 Button dienen lediglich als Platzhalter. Sie werden vor der neuen Saison den Bildern der Spielerinnen weichen. Ein Gesicht wird dann aber nicht mehr dort auftauchen – und zwar das von Franca Jakob. Schweren Herzens hat sie sich dazu entschlossen, die „Vampires“ zu verlassen (wir berichteten). Ihr Studium ist der Grund für ihren Abschied, den sie sich von ihrem Heimatverein komplett anders vorgestellt hatte.

In normalen Zeiten ist es in Oyten Tradition, dass Spielerinnen nach dem finalen Heimspiel einer Saison gebührend vom Klub verabschiedet werden – mit Blumen, Bildercollagen und auch Tränen. Das alles ist für Franca Jakob ausgefallen. „Das ist ein Aspekt, der mich schon traurig stimmt. Ich hätte gerne ein letztes Spiel gehabt. Daher ist der Zeitpunkt auch ein wenig blöd. Der Abschied wäre sicher sehr emotional geworden“, sagt die 24-jährige Linksaußen. So bleibt ihr letztes Heimspiel im Trikot der „Vampires“ die Partie gegen den SC Alstertal-Langenhorn. Es war ein besonderes Erlebnis für das Team der beiden Trainer Marc Winter und Lars Müller-Dormann – und das nicht, weil der TV Oyten Ende Oktober knapp mit 24:23 gewonnen hatte. Die Begegnung gegen den Kontrahenten aus Hamburg ist als Geisterspiel in die Oytener Vereinsgeschichte eingegangen.

Großer Aufwand fürs Training

Eine Woche später ging es für Franca Jakob und Co. noch zu Pfeffersport Berlin. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte: Es sollte das letzte Saisonspiel des TV Oyten sein und somit auch das „Abschiedsspiel“ für die in Hannover studierende Franca Jakob. „Leider konnte ich mich gar nicht richtig auf mein letztes Spiel vorbereiten. Es war mir damals ja noch gar nicht bewusst, dass es mein letztes Spiel wird“, bedauert die Rechtshänderin.

Für Franca Jakob geht mit dem Abschied aus Oyten nicht irgendeine Zeit bei irgendeinem Verein zu Ende. Sie hat quasi einen Schlussstrich unter einen Lebensabschnitt gezogen: Zwölf Jahre gehörte sie den „Vampires“ an. Angefangen in der C-Jugend 2009 ging es für sie im Jahr 2015 direkt ins Drittliga-Team des TV Oyten. Sie hat ihr halbes Leben in dem Verein verbracht. „Und nach so einer langen Zeit ist mir die Entscheidung natürlich sehr schwer gefallen. Der Aufwand, immer von Hannover aus zum Training zu kommen, war aber eben sehr groß“, erzählt sie. Die Pandemie habe zudem ihren Teil dazu beigetragen, nun diesen Schritt zu gehen. „Durch Corona habe ich dann doch gemerkt, dass ich nicht so viel Zeit im Zug verbringen möchte.“

Bereits in der Vergangenheit habe sich die Studentin mit dem Thema „Abschied aus Oyten“ auseinandergesetzt. Allerdings konnte sie sich lange Zeit nicht dazu durchringen, ihren Klub auch wirklich zu verlassen. „Ich hätte mir natürlich in Hannover eine neue Mannschaft suchen können. Mit diesem Gedanken hatte ich auch schon mal gespielt“, gesteht sie. „Aber ich habe mich dem TV Oyten und den Mädels immer sehr verbunden gefühlt. Ich konnte einfach nicht loslassen. Zudem war ich ja auch immer ganz froh, in der Heimat zu sein“, sagt Franca Jakob, die vor ihrem Studium in der niedersächsischen Landeshauptstadt in Verden ihr Abitur gemacht hat.

Teilnahme an der Bundesliga

Bevor sie im Jahr 2009 beim TV Oyten ihre Zelte aufschlug, spielte sie für den TSV Intschede – gemeinsam mit Anna-Lena Meyer. Zusammen wechselten sie dann auch die Weserseite und den Verein. „Wir zwei spielen eigentlich unser ganzes Leben zusammen Handball. Dass wir künftig nicht mehr in einem Team sind, ist durchaus ein komischer Gedanke“, muss sich Franca Jakob erst einmal an eine neue Situation gewöhnen.

Aus den zwölf TVO-Jahren sind bei Franca Jakob sehr viele schöne Erinnerungen im Gedächtnis geblieben. Blickt sie zurück, schießen ihr zwei sofort in den Kopf: der Schlussspurt im Titelrennen der 3. Liga aus der Saison 2016/2017 sowie die Teilnahme an der Jugendbundesliga drei Jahre zuvor. „Die Jugendbundesliga wurde damals in Turnierform ausgespielt. Das war schon alles ein Riesenerlebnis. Unter anderem haben wir ein ganzes Wochenende in Köln verbracht. Das ist schon etwas sehr Besonderes gewesen“, erinnert sich Franca Jakob gerne an diese Zeit zurück. Und die weibliche A-Jugend war unter ihrem Trainer Jürgen Prütt auch erfolgreich unterwegs: Die Vorrunde, in der die „Vampires“ unter anderem auf den damaligen deutschen Meister Bayer Leverkusen trafen, überstand das Team. Der TVO zog ins Achtelfinale ein und zählte zu den 16 besten weiblichen A-Jugendteams in Deutschland. In dieser Runde war für Franca Jakob und Co. gegen den Buxtehuder SV aber Endstation.

Als „unvergesslich“ beschreibt die 24-jährige Handballerin die Ereignisse, die sich am vorletzten Spieltag der Saison 2016/2017 in der 3. Liga abgespielt haben. Damals traf der Spitzenreiter Oyten auf seinen ärgsten Verfolger SV Henstedt-Ulzburg. Oyten lag kurz vor Schluss mit zwei Toren zurück und hätte mit einer Niederlage die Tabellenführung an Henstedt abgegeben. In einer dramatischen Schlussphase kam der TVO aber noch zu einem Unentschieden und tütete am finalen Spieltag in Minden die Meisterschaft endgültig ein. „Es war einfach toll, wie damals alle Zuschauer ins unserer Halle mitgefiebert haben“, sagt Franca Jakob.

Neuer Verein nicht ausgeschlossen

Auf solche Erlebnisse mit dem TV Oyten muss sie nun in Zukunft verzichten. Wie es mit ihr in Sachen Handball weitergeht, habe sie noch nicht entschieden. „Da bin ich zurzeit noch unentschlossen. Vielleicht werde ich intensiver darüber nachdenken, wenn wieder mehr Dinge möglich sind“, sagt Franca Jakob mit Blick auf die Corona-Beschränkungen. „Mein Herz hängt aber doch sehr am Handball.“ Komplett ausschließen wolle sie nicht, dass sie sich in Hannover einem anderem Klub anschließt. „Aber die aktuelle Situation gibt ja nicht viel her. Zum Beispiel besteht gar nicht die Möglichkeit, an einem Probetraining teilzunehmen.“

Apropos Training: Auf ein richtiges Abschiedsspiel in Oyten musste Franca Jakob verzichten, von ihrem Team will sie sich aber dennoch gebührend verabschieden. „Hoffentlich ist Training bald wieder möglich. Denn zum Abschluss will ich noch einmal dabei sein. Das lasse ich mir auf keinen Fall nehmen“, macht die Studentin, die ihr halbes Handball-Leben in Oyten verbracht hat, deutlich.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+