Handball

Zurück am alten Tatort

Lisa Bormann-Rajes hat nach der vergangenen Saison den Drittligisten TV Oyten verlassen. Nun startet sie im September mit der HSG Blomberg-Lippe in die neue Bundesliga-Saison.
12.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Zurück am alten Tatort
Von Florian Cordes
Zurück am alten Tatort

Lisa Bormann-Rajes will mit der HSG Blomberg-Lippe nicht nur in der Bundesliga angreifen, sondern auch auf internationalem Terrain.

Björn Hake

Ein Handball wird an einem Tatort gefunden. Für zwei Herren Grund genug, diesen einmal genauer zu untersuchen. Sie finden Fingerabdrücke, die ihnen bekannt vorkommen. „Der Täter kehrt ja immer an den Tatort zurück“, sagt einer der beiden Männer. Und genau das freut die beiden. Die Herren sind Fans der Handballerinnen der HSG Blomberg-Lippe. Die rührige Spurensuche ist in einem Video zu sehen, das die beiden Männer auf einer Fanseite des Frauen-Bundesligisten auf Facebook veröffentlicht haben. Der Clip ist einer Frau gewidmet, die zur HSG Blomberg-Lippe zurückgekehrt ist: Lisa Bormann-Rajes. Er ist quasi ein Willkommensgruß für die Linkshänderin, die sich Anfang des Jahres dazu entschieden hatte, ein zweites Mal in ihrer Laufbahn den Weg vom TV Oyten ins Lipperland einzuschlagen.

Das Video der beiden HSG-Fans zeigt, dass Lisa Bormann-Rajes während ihres ersten Abstechers nach Blomberg Spuren hinterlassen hat. Sie ist den Anhängern des Bundesligisten positiv in Erinnerung geblieben. Den ersten Wechsel von Oyten nach Blomberg vollführte die flinke Rechtsaußen nach der Saison 2012/2013. Drei Jahre blieb sie im Nordosten von Nordrhein-Westfalen, um dann zum TV Oyten und in die 3. Liga zurückzukehren. Während ihrer ersten Zeit im Lipperland entwickelte sie sich dort zu einem Publikumsliebling. Dass die HSG-Fans sie nicht vergessen haben, spürte sie in den vergangenen Wochen auf Anhieb – und das nicht nur anhand des besagten Videoclips: Viele Menschen hätten ihr mittlerweile gesagt, wie sehr sie sich über die Rückkehr freuen. „Da bin ich schon ziemlich gerührt, wenn ich das von den Leuten höre. Die positive Resonanz ist schon echt krass. Das hätte ich so nicht erwartet“, sagt der Ex-„Vampires“. „Ich bin gut angekommen und gut aufgenommen worden. Jetzt bin gerade dabei, mich wieder richtig einzuleben.“

Seit ihrem Abschied aus Blomberg im Jahr 2016 habe sich an den Strukturen des Klubs nicht viel verändert. „Es ist noch immer alles da, was Blomberg ausmacht. Die Mannschaft hat sich jedoch verändert. Es sind nur noch zwei Mädels von früher da und es gibt mit Steffen Birkner einen neuen Trainer. Insgesamt ist das Team sehr jung.“

Mit ihren 30 Jahren zählt Lisa Bormann-Rajes zu den Routiniers im HSG-Kader. Ihre Erfahrung soll ihr aber auch helfen. Denn die Linkshänderin will sich nicht nur an den glücklichen Fans in Blomberg erfreuen: Sie möchte noch einmal in der Bundesliga angreifen. Und die neue Saison beginnt schon bald. Am 5. September soll die HSG Blomberg-Lippe mit einem Auswärtsspiel gegen Frisch Auf Göppingen in die Spielzeit starten.

Die Vorbereitung ist daher in vollem Gange. Ein Teil von dieser bildete für die Handballerinnen aus Ostwestfalen das Turnier beim Buxtehuder SV. Dort erlebten Bormann-Rajes und Co. Spiele, die derzeit viele Sportler gerne wieder erleben würden – nämlich vor Zuschauern.

Drei Tests absolvierte die HSG in Buxtehude vor bis zu 200 Fans. Es ging gegen drei Ligakonkurrenten Buxtehuder SV, Buchholz-Rosengarten und Bayer Leverkusen. Gegen die Gastgeberinnen verlor die HSG, die beiden anderen Partien wurden gewonnen. „Es war echt schön, vor Zuschauern zu spielen. So war es halbwegs normal“, erzählt Bormann-Rajes und fügt hinzu: „Abseits des Feldes mussten wir natürlich bestimmte Regeln einhalten. Das war schon ein wenig unangenehm. Auf dem Feld war es so wie immer.“

Für Lisa Bormann-Rajes steht jedoch eine Sache in Aussicht, die sie auf dem Handballfeld noch nicht erlebt hat: Da die HSG Blomberg-Lippe die vergangene Saison auf dem vierten Rang abgeschlossen hatte, sicherte sie sich einen Startplatz in der European Handball League – dem früheren EHF-Cup. Der Klub aus der Nelkenstadt greift in der dritten Qualifikationsrunde in den Wettbewerb ein. Übersteht Blomberg diese Runde, zieht das Team in die Gruppenphase ein. Es wäre für den Verein eine Premiere – und eben auch für Lisa Bormann-Rajes: „Ich hoffe, dass wir einen machbaren Gegner bekommen. Erreichen wir die Gruppenphase, würden viele englische Wochen auf uns warten. Aber es wäre definitiv ein echtes Highlight.“

Der Fokus ist bei Lisa Bormann-Rajes auf Blomberg, die Bundesliga und im Idealfall auf den Europa-Cup ausgerichtet. Ein wenig traurig sei sie jedoch über den Abschied aus Oyten. Aufgrund des coronabedingten Saisonabbruchs in der 3. Liga hat es diesen nicht so richtig gegeben.

„Natürlich hätte ich mich gerne richtig von den Fans und Zuschauern verabschiedet. In Oyten sind sie ja irgendwie alle wie eine große Familie. Ich hoffe, dass das noch nachgeholt wird“, sagt die Linkshänderin. Gelegenheiten dazu dürfte es geben. Denn Lisa Bormann-Rajes will auch in Zukunft hin und wieder in die Pestalozzihalle zu den Drittligaspielen des TVO kommen – dann aber eben als Zuschauerin.

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