Das Interview: Manfred Cordes

IGS und Stadtumbau als große Gewinne

Nach 19 Jahren als Bürgermeister in Oyten ist Schluss: Manfred Cordes geht in den Ruhestand. Im Interview blickt er noch einmal zurück und gibt Auskunft darüber, wie er künftig seine Zeit verbringen möchte.
29.10.2019, 13:56
Lesedauer: 4 Min
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IGS und Stadtumbau als große Gewinne
Von Marius Merle
IGS und Stadtumbau als große Gewinne

Die Kisten sind gepackt, ein letzter vertrauter Blick aus dem Fenster des Büros: Für Manfred Cordes endet in dieser Woche der Lebensabschnitt als Bürgermeister.

Björn Hake

Herr Cordes, knapp 6000 Arbeitstage haben Sie als Bürgermeister im Rathaus Oyten verbracht. Welche werden Ihnen davon in besonderer Erinnerung bleiben?

Manfred Cordes: Richtig gut in Erinnerung bleiben wird mir grundsätzlich das gute Miteinander, sowohl innerhalb des Rathauses als auch zwischen Rathaus und Politik. Es hat sehr viele positive Tage gegeben, aber natürlich auch negative – etwa als wir Trauerfälle hier in der Verwaltung hatten. Ein ganz spezieller und erfreulicher Tag war für mich der, an dem die IGS-Genehmigung rein kam. Das war ein langer Prozess und die Genehmigung nicht so selbstverständlich gewesen. Die IGS ist einfach eine Herzensangelegenheit von mir.

Die IGS war eines der großen Projekte während ihrer fast 20-jährigen Amtszeit. Aber es gab ja noch zahlreiche weitere. Welches von ihnen war Ihrer Ansicht nach noch ein großer Gewinn für die Gemeinde?

Der Stadtumbau war und ist ein sehr großer Gewinn, weil wir zwei Drittel der rund sieben Millionen Euro, die wir am Ende bestimmt ausgegeben haben werden, als Zuschüsse bekommen. Nur dadurch, dass wir so mutig waren, den Antrag für die Aufnahme in Stadtumbau West zu stellen, hat sich die Möglichkeit ergeben, Oyten so nach vorne zu bringen. Wer vor 15 Jahren das letzte Mal in Oyten war und heute kommt, der wundert sich, was sich alles getan hat. Innerhalb Oytens wird natürlich sehr viel diskutiert, aber wenn die Menschen von außerhalb kommen, dann sagen sie: ,Oyten hat sich positiv verändert.‘

Die Planung für die Umgestaltung der neuen Ortsmitte ist aktuell noch im vollen Gange. Finden Sie es denn schade, dass Sie dieses Projekt nicht bis zum Ende begleiten können?

Das ist schon schade. Ein weiteres Beispiel dafür: Ich hätte ja auch, wenn ich planmäßig bis 2021 gemacht hätte, noch das erste Abitur an der IGS im Dienst erlebt. Aber die Welt dreht sich weiter, auch wenn Manfred Cordes nicht mehr als Bürgermeister dabei ist.

Wenn Sie einmal die Arbeit als Bürgermeister von heute mit der von Ihren ersten Jahren ab 2001 vergleichen. Was hat sich geändert?

Es ist erforderlich, dass man sich immer mehr um rechtliche Rahmenbedingungen kümmert. Es wird so schwieriger, Dinge schnell voranzubringen. Dieser Strick der rechtlichen Vorgaben wird immer enger gezogen, wenn ich etwa an die Datenschutzverordnung denke. Außerdem hat sich auch bei den Bedürfnissen in der Bevölkerung etwas geändert. Wir erleben inzwischen, dass immer mehr Beteiligung gefordert wird. Etwa wenn der Bauhof irgendwo normale Reparaturarbeiten verrichtet, werden gleich Stimmen über fehlende Beteiligung laut. Die Menschen werden bei solchen Dingen immer sensibler. Das macht die Arbeit schon schwieriger. Da wird der Bürgermeister schnell zum Spielball zwischen Bürgern und Gemeinderat – und den verschiedenen Erwartungshaltungen: Einer zieht am kleinen Finger, der nächste zieht am linken Bein und der andere am rechten Bein.

Das klingt so, dass Ihnen das nicht unbedingt fehlen wird. Was wird Ihnen im Ruhestand an dem Beruf denn in jedem Fall fehlen?

Mir wird sicherlich vieles fehlen, weil ich aus dem Hobby – der Arbeit im Gemeinderat – einen Beruf machen konnte. Das kann man nicht planen, ich war zum Glück zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Mir wird die ganze Gemeinderatsarbeit fehlen, die ich ja schon vor dem Bürgermeisteramt erledigt habe, die aber ja jetzt nicht wieder aufleben wird. Das möchte ich aber auch nicht, ich werde nicht wieder kandidieren für irgendeine Position im politischen Bereich.

Keine politische Arbeit also mehr. Wie werden Sie die neugewonnenen Zeit als Ruheständler dann nutzen?

Der Rest dieses Jahres wird erst einmal durchgeatmet. Dann ist es natürlich erforderlich, sich Ziele zu setzen. Bei mir sind die Betätigungsfelder vielfältig: Wir haben das große Bauernhaus, wo immer viel zu machen ist, ich werde mit meiner Frau einige Dinge angehen und wir haben großes Glück, so viele Enkelkinder zu haben, um die wir uns auch viel kümmern. Zurzeit sind es sieben, das achte kommt im Februar. Ansonsten wollen meine Frau und ich verreisen, auch mal spontan, was wir bisher nicht so konnten, weil ich immer sehr eingebunden war. Und ich werde Kurse besuchen bei der Volkshochschule. Politische, geschichtliche und psychologische Themen interessieren mich, da werde ich mir nun mehr Zeit für die Fortbildung nehmen.

Und ich vermute, die Bürger in Oyten werden Sie auch weiterhin noch bei der ein oder anderen Veranstaltungen zu Gesicht bekommen?

Auf jeden Fall, wenn zum Beispiel irgendwo flotte Musik ist, dann werde ich auf der Tanzfläche zu finden sein. Mein Credo war immer: authentisch bleiben. Der Mensch bleiben, der man ist. Ich habe ganz am Anfang meiner Amtszeit zu meiner Familie und zu meinen Freunden gesagt, wenn ich mal irgendwann abheben sollte, dann holt mich zurück. Aber vom Typ her bin ich kein Abheber und bin immer gerne bei Feiern dabei. Und so wird sich sicherlich, so die Gesundheit bleibt, noch einiges ereignen.

Das Interview führte Marius Merle.

Info

Zur Person

Manfred Cordes (68)

hat seit November 2001 in der Gemeinde Oyten das Amt des Bürgermeisters bekleidet. Auf eigenen Wunsch räumt er zum Monatsende zwei Jahre vor dem eigentlich Ende der Amtszeit den Platz auf dem Chefsessel im Rathaus. Bereits seit 1973 hatte er als Mitglied der SPD-Fraktion im Gemeinderat gesessen und so die Geschicke in Oyten mitgestaltet. Vor seiner Tätigkeit als Bürgermeister war er als Regionalleiter der Weser-Ems-Bus GmbH in Bremen tätig gewesen. Cordes ist Ur-Bassener und lebt dort mit seiner Frau. Die beiden haben sieben Kinder.

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