Künftiger Bahnhaltepunkt Sagehorn Verzicht auf E-Ladesäulen

Weil sich kaum Anbieter für E-Ladesäulen bei Parkplätzen an Bahnhöfen finden und die Erschließung sehr kostspielig wäre, verzichtet die Gemeinde vorerst auf solche Anlagen am neuen Bahnhaltepunkt in Sagehorn.
14.10.2020, 16:06
Lesedauer: 2 Min
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Verzicht auf E-Ladesäulen
Von Marius Merle

Knapp 50 Tankvorgänge haben die Stadtwerke Achim in diesem Jahr bisher bei ihrer einzigen in der Gemeinde Oyten betriebenen E-Ladesäule auf dem Parkplatz einer Bäckerei an der Rosa-Luxemburg-Straße verzeichnen können. Die Nachfrage hält sich also in Grenzen, was, wie berichtet, auch für fast alle dieser Ladesäulen im Landkreis Verden gilt. Und so hat sich die Politik in Oyten kürzlich mit der Frage auseinandergesetzt, ob es überhaupt sinnvoll ist, am künftigen Bahnhaltepunkt in Sagehorn einen solchen Service anzubieten, zumal sich inzwischen herausgestellt hat, dass dafür erhebliche Investitionen notwendig wären.

In der bisherigen Planung der Gemeinde war vorgesehen, auf der Nordseite der Gleise bei der sich derzeit im Bau befindlichen Park&Ride-Anlage insgesamt vier Ladesäulen für Pkw zu installieren. Doch um diesen Bereich mit einer Mittelspannungsleitung zu versorgen, würden "Kosten im sechsstelligen Bereich" anfallen, wie Jens Ruschenbaum von den Stadtwerken Achim in einer Sitzung des Ausschusses für Umwelt & Gemeindeentwicklung nun erläuterte. Denn ein Anschluss an das vorhandene Netz sei nicht zu realisieren, sodass eine neue Leitung über rund 550 Meter Länge gelegt werden müsste.

Finanzieren müsste diese Erweiterung die Netzgesellschaft Oyten (51 Prozent Anteile bei der Gemeinde Oyten, 49 Anteile bei den Stadtwerken Achim), wobei die Kosten letztlich bei den Bürgern hängenbleiben würden. "Denn schlussendlich zahlt das jeder Kunde über die Netzentgelte", sagte Ruschenbaum und führte zudem aus, dass sich bei einem Ausbau auch überhaupt erst ein Anbieter finden müsste. Die Stadtwerke Achim etwa "haben sich grundsätzlich dagegen entschieden, Ladesäulen an Bahnhöfen zu installieren". Denn die Frequenz sei nur sehr gering, wenn Pendler mit ihren Fahrzeugen die wenigen Plätze den ganzen Tag über belegen. Deshalb hätten andere Anbieter auch die Erfahrung gemacht, dass sich Ladesäulen an Park&Ride-Anlagen nicht wirtschaftlich betreiben lassen.

Die Oytener Verwaltung hatte die Idee ins Spiel gebracht, auf die geplante Installation auf der Anlage im Norden zu verzichten, dafür aber – sollte ein Betreiber gefunden werden – an der Südseite E-Ladesäulen schaffen. Auch wenn es den eigenen Planungen widerspreche, wie Axel Junge von der Gemeindeverwaltung einräumte. Denn die Anlage südlich der Gleise sollte ja eben keinen Autoverkehr anziehen und nur Taxistellplätze und den Bürgerbushaltepunkt bieten. Der Vorteil wäre an diesem Standort jedoch, dass die Kosten für den Anschluss ans Netz relativ gering ausfallen würden.

Doch dieser Vorschlag stieß bei den Ausschuss-Mitgliedern auf wenig Zustimmung. „Zur Zeit haben wir keinen Bedarf“, sagte Reinhard Lueßen (CDU) und beantragte, komplett auf die Installation von E-Ladesäulen auf den Verknüpfungsanlagen am Bahnhaltepunkt zu verzichten. Dem stimmte das Gremium dann auch bei einer Gegenstimme der Grünen mit deutlicher Mehrheit zu. Dennoch sollen bei den derzeitigen Arbeiten durch Leerrohre die Voraussetzungen geschaffen werden, bei einem späteren Bedarf möglichst unkompliziert nachrüsten zu können.

Ohnehin bedeutet der Beschluss nicht, dass die Gemeinde Oyten trotz bisher geringer Ladezahlen in der Region der Schaffung einer E-Lade-Infrastruktur grundsätzlich ablehnend gegenüber steht. „Wir haben deutlich zu wenig Ladepunkte“, befand Ralf Großklaus (SPD). Schließlich werde sich die breite Masse erst dann ein E-Auto zulegen, wenn es auch ausreichend Lademöglichkeiten gibt. „Wir sollten uns andere Standorte suchen“, regte Marcus Neumann (SPD) daher an und nannte als Beispiel den Parkplatz am Rathaus.

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