Liederkranz Oyten

„Der Kontakt fehlt einfach total“

Margret Marth, Vorsitzende des Liederkranzes Oyten, spricht im Interview über die Folgen der Corona-Pandemie für die Chorgemeinschaft und warum Online-Plattformen und Singen im Freien keine Alternativen sind.
11.01.2021, 16:02
Lesedauer: 3 Min
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„Der Kontakt fehlt einfach total“
Von Marius Merle

Frau Marth, wann haben sich die Chorgruppen des Liederkranzes Oyten letztmals zum Singen getroffen?

Margret Marth: Geübt haben wir in den Gruppen zuletzt Mitte März. Während der Pandemie hatte es der Chor Everysing mal versucht, gemeinsam im Blocks Huus zu singen. Aber da sind nur wenige gekommen, weil viele Angst hatten vor einer Ansteckung.

Gab es denn Versuche, über Online-Plattformen mit Web-Cams zusammen zu singen?

Im Gemischten Chor und im Männerchor gab es solche Gedanken überhaupt nicht, weil viele der älteren Mitglieder wohl einfach auch mit der Technik nicht zurechtkommen würden. Aber die Chorwürmchen, unsere Eltern-Kind-Gruppe, haben es versucht. Doch die Leiterin Juana Knöfel kam zu dem Schluss, dass es keinen Zweck hat. Sie bekam die Kinder einfach nicht an den Bildschirm gebannt. Auch Everysing hat hin und wieder mal über die Plattform Zoom miteinander gesungen, aber das muss sehr schwierig sein, weil die Töne häufig zeitverzögert angekommen sind.

Klingt also alles in allem nicht einer wirklichen Alternative. Wenn schon das gemeinsame Singen nicht wirklich möglich war, haben sich die Mitglieder der Gruppen denn mal zu Gesicht bekommen?

Wir vom Gemischten Chor haben uns im August und September mal im Biergarten vom Gasthaus Zum Alten Krug getroffen und ein bisschen zusammengesessen, sodass wir uns wenigstens mal gesehen haben. Denn der Kontakt fehlt einfach total.

Wie schwer ist es denn als Vorsitzende, in einer solchen Phase den Verein zusammenzuhalten?

Das ist sehr schwierig. Wir haben es mit verschiedenen Telefonketten versucht, aber was dann wirklich hinten ankommt, das weiß ich natürlich nicht. In der Vorweihnachtszeit haben wir einen Weihnachtsbrief verfasst, damit einfach nochmal alle Mitglieder angesprochen werden. Mit diesem wollten wir auch ein bisschen Hoffnung schüren auf dieses Jahr, weil ich hoffe, dass es sich in der zweiten Hälfte vielleicht doch etwas normalisieren könnte.

Aber mit den Vorstandskollegen und den Chorleitern standen Sie schon ständig in Kontakt?

Natürlich, das geht gar nicht anders. Bei mir kommen die Fäden ja alle an.

Und wie schwierig war es für den Vorstand, in der Pandemie-Zeit den Überblick über alle Einschränkungen und Möglichkeiten für den Liederkranz zu behalten?

Das ist sehr schwierig gewesen. Auch der Kreischorverband wusste nicht wirklich genau, was los ist. Man musste sich die Informationen aus den unterschiedlichsten Vereinen holen, zum Beispiel, welche Größenordnungen für Versammlungen erlaubt gewesen sind. Das sind so Sachen, da steht man doch ein Stückweit alleine da.

Hat Corona finanzielle Auswirkungen auf den Liederkranz?

In 2020 haben wir die Chorleitergehälter komplett weitergezahlt. Für 2021 müssen wir das aber zunächst reduzieren, natürlich in Ansprache mit den Chorleitern. Es hilft nicht, wir schaffen es finanziell sonst nicht. Denn welche Zuschüsse es in diesem Jahr geben wird, das ist unsicher. Wir wissen nicht, ob wir vielleicht Gelder von der Gemeinde Oyten oder von anderen Institutionen bekommen. Vom Landesmusikrat gab es etwa immer einen Zuschuss für die Chorleitergehälter.

Gibt es denn auch die Befürchtung, durch die Corona-Pause das eine oder andere Mitglied bis zum Wiederbeginn zu verlieren?

Ja, die Befürchtung ist natürlich da. Es ist einfach eine lange Zeit. Aber ich hoffe, dass ganz viele uns treu bleiben. Glücklicherweise sind noch keine größeren Austrittszahlen zu vermelden.

Ich vermute: Nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr wird es mit den Chorproben wahrscheinlich auch erst wieder losgehen, wenn das Virus sehr weit eingedämmt ist.

Das ist in der Tat so. Wir müssen solange warten, bis die Fallzahlen soweit zurückgegangen sind, dass man die Sicherheit hat, dass sie nicht wieder hochgehen.

Mit Maske singen ist vermutlich auch keine Option?

Nein, die Stimme klingt ja durch die Maske nicht. Und auch im Freien zu singen, ist schwierig. Es klingt einfach nicht so gut, das weiß ich von unserem Chorleiter Hans-Werner Kniese, der hatte das mit seinem Chor Audite Nova versucht und er meinte, es sei eine Katastrophe. Draußen ist es also wohl gar nicht möglich, weil man die anderen Stimmen nicht richtig hört.

Gibt es angesichts dieser Umstände überhaupt eine Planung für 2021?

Es ist momentan erstmal gar nichts terminiert. Wir müssen einfach schauen, wie die Entwicklung weitergeht und werden dann kurzfristig agieren, wenn irgendwas möglich ist zu machen.

Wenn man ein Jahr oder noch länger nicht miteinander gesungen hat, kommt man dann eigentlich sehr aus der Übung oder lässt sich – wenn es soweit ist – problemlos an die letzten Probenabende anschließen?

Man muss vieles wieder trainieren, auch wenn man zuhause das ein oder andere Mal für sich selbst singt. Das ist ja kein Training der Stimme. Man muss das erst wieder mit dem Chorleiter trainieren, weil selbst hat man ja gar nicht so das Gefühl, ob man richtig ist. Das kann ja nur der Chorleiter selbst merken.

Also können Singstimmen wirklich einrosten, wie es umgangssprachlich heißt?

Genau, da ist auf jeden Fall was dran.

Das Interview führte Marius Merle.

Info

Zur Person

Margret Marth

ist Vorsitzende der Chorgemeinschaft Liederkranz Oyten, die in diesem Jahr ihr 145-jähriges Bestehen feiert. Die Bremerin hat das Amt Anfang 2018 übernommen. Der Liederkranz, zu dem aktuell sechs Chöre für alle Altersgruppen gehören, hat zwischen 120 und 130 Mitgliedern.

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