Von Oyten nach Südafrika

Manchmal chaotisch, meistens herzlich

Mieke Strobach aus Oyten gestaltet seit einigen Monaten im Rahmen eines Freiwilligendienstes Sportunterricht in Südafrika mit. Für die 19-Jährige eine spannende Zeit mit vielen neuen Erfahrungen.
02.04.2019, 17:02
Lesedauer: 2 Min
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Manchmal chaotisch, meistens herzlich
Von Marius Merle

Vor einem Jahr steckte Mieke Strobach um diese Zeit mitten in den Vorbereitungen für die Abiturprüfungen an der Sportschule in Bremen. Doch trotz erfolgreichem Abschluss tritt die Oytenerin auch jetzt noch täglich den Weg in eine Schule an – wobei unterschiedlicher die Beweggründe und Rahmenbedingungen kaum sein könnten. Denn nicht nur, dass sie nun nicht mehr selbst die Schulbank drückt, das Ganze spielt sich auch noch rund 14 000 Kilometer von der Heimat entfernt ab. Seit mehr als einem halben Jahr nun schon hilft Strobach als Freiwilligendienstlerin, den Sportunterricht an der Jarvis Gquamlana Primary School in Port Elizabeth in Südafrika mitzugestalten.

Der Schulalltag dort beginnt um 9 Uhr und dann nehmen die 19-Jährige und ihr Projektpartner direkt die erste Klasse. Im Laufe des Tages folgen noch zwei bis drei weitere Klassen und Nachmittagsprojekte. „Meistens spielen wir Sportspiele wie ,Fischer Fischer' oder ,Open the gate' mit den Kindern“, erzählt Strobach. Bis alle draußen sind und mit dem Sport begonnen werden kann, könne jedoch einige Zeit dauern. Nicht das einzige Hindernis. „Da hier Dinge sehr oft nicht nach Plan verlaufen, ist das nicht immer ganz so einfach“, lässt Strobach wissen. Mal wisse eine Lehrerin gar nicht, dass ihre Klasse jetzt eine Stunde bei ihnen habe oder die Kinder sind gerade noch beschäftigt mit anderen Aufgaben oder andere Zwischenfälle passieren. Hinzu kommt: „Alle Kinder haben Xhosa als Muttersprache und reden energisch untereinander in der für uns unverständlichen Sprache.“ Ab Klasse fünf könne man sich mit den Schülern auf Englisch allerdings schon recht gut unterhalten.

Motivierte Vorschüler

Allerdings seien die Mädchen und Jungen bis Klasse fünf – die Primary School besuchen Vorschüler bis Siebtklässler – noch motivierter dabei. „Ab der 6./7. Klasse werden viele pubertär, hören weniger auf uns und es wird etwas schwieriger, unsere Spiele mit den Schülern durchzuführen“, berichtet die 19-Jährige. Gut aufgenommen fühle sie sich aber auf jeden Fall. „Die meisten Schüler freuen sich, wenn sie uns sehen, kommen auf uns zugelaufen und umarmen uns herzlich.“

Wie auch schon in Deutschland, wo Strobach von Oyten nach Bremen zur Schule gependelt ist, wohnt sie auch in Südafrika nicht in direkter Nähe zu ihrer Schule. Die Organisation Weltwärts, über die sie den Freiwilligendienst absolviert, hat sie in einem Stadtteil einquartiert, in der nach ihrer Aussage „die bessere Mittelschicht“ wohne – größtenteils mit heller Hautfarbe. Dort sei im Grunde alles verfügbar, wie in Deutschland auch, sodass sie sich diesbezüglich nur bedingt umstellen musste.

Schule im Township

Der 20 bis 25 Minuten entfernte Stadtteil New Brighton, wo die Schule liegt, bestehe hingegen eigentlich nur aus Township – so heißen die Wohnsiedlungen, wo fast ausschließlich Menschen mit dunkler Hautfarbe wohnen und die Lebensverhältnisse schlechter sind. „Da die Arbeitslosigkeit im Township mit 30 bis 40 Prozent zudem noch höher als ohnehin in Südafrika ist, lungern viele Menschen auf der Straße herum“, erzählt Strobach und betont: „Der Unterschied zwischen arm und reich ist hier enorm.“

Ein großer Unterschied im Vergleich zur Heimat sind die umgekehrten Wetterbedingungen in Südafrika. „An Heiligabend am Strand zu schwitzen, war schon etwas merkwürdig für mich“, erinnert sich die 19-Jährige einige Monate zurück. Aus dem Weihnachtsbaum wurde eine Weihnachtspalme und anstatt wie in Oyten üblich Raclette, wurde draußen gebraait – eine Form des Grillens. Viele neue und spannende Eindrücke also für Strobach, die nach dem Sommer zurück nach Deutschland kommen wird. Doch bis es so weit ist, hofft sie noch auf weitere schöne Monate in Südafrika. „Ich genieße die Zeit hier wirklich absolut“, betont die Freiwilligendienstlerin.

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