Bahnhof Sagehorn Plan für eine Evakuierung steht

Nachdem auf dem Bahngelände in Sagehorn undefiniertes Metall im Boden liegen soll, liegt der Verdacht nah, dass es sich um Kampfmittel handelt. So könnte es am Montag zu einer Evakuierung des Gebiets kommen.
15.05.2020, 11:50
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Plan für eine Evakuierung steht
Von Marius Merle

Oyten-Sagehorn. Bei der Gemeinde Oyten bereitet man sich in diesen Tagen auf den Ernstfall vor: die mögliche Evakuierung eines Gebietes im Ortsteil Sagehorn. Bei einer routinemäßigen Bodensondierung eines Baustellenbereichs südlich der Gleise, an denen die Deutsche Bahn derzeit einen neuen Haltepunkt anlegt, waren mehrere „metallische Störfunde“ geortet worden. Sollte es sich um Kriegsmunition handeln, müsste das Gebiet um den Fundort für die Zeit der Beseitigung evakuiert werden. Ob dies wirklich notwendig sein wird, entscheidet sich kommenden Montag, wenn die Störfunde von Experten in Augenschein genommen werden sollen. Der Plan für die Evakuierung steht in jedem Fall – auch wenn die Wahrscheinlichkeit für dessen Umsetzung sehr gering ist.

Wie Axel Junge von der Gemeindeverwaltung berichtet, hat die Deutsche Bahn erklärt, dass sich vergleichbare Situationen in etwa 98 Prozent der Fällen in Wohlgefallen auflösen. Das heißt: Statt Patronen oder Granaten findet sich nur Eisenschrott. Normalerweise würde bei einem solchen Verdachtsfall wie nun in Sagehorn eigentlich auch direkt nachgeschaut, was sich genau unter der Erde verbirgt. „Aber in Corona-Zeiten ist auch das etwas anders“, erklärt Junge, wieso der Kampfmittelbeseitigungsdienst erst am Montag anrücken wird. Denn die Gemeinde benötigt Zeit, die eventuelle Evakuierung vernünftig vorzubereiten. Denn diese muss nun einmal den aktuellen Vorgaben zum Infektionsschutz entsprechen. Daher fallen die Vorbereitungen umfassender aus, als es ohne das Coronavirus der Fall gewesen wäre. „Abgesprochen wurde alles mit der Polizei, der Feuerwehr und dem DRK“, fügt Junge an.

Besonders kompliziert wäre eine Evakuierung, weil es in der Umgebung der Fundstelle gleich zwei Alten- und Pflegeheime gibt, deren Bewohner ebenfalls außer Haus gebracht werden müssten. Erst im Fall der Fälle würde laut Junge auch entschieden werden, wie groß der Evakuierungsumkreis zu sein hätte. Der Radius könnte zwischen 300 und 1000 Metern liegen und damit zwischen 330 und 1247 Menschen betreffen. Die Zahlen habe die Gemeinde durch das Melderegister ermittelt. Doch wohin mit den Menschen während der Zeit, in der der Kampfmittelräumdienst im Einsatz wäre? Für die mögliche Zeit der Evakuierung stehen mehrere Sammelstellen zur Verfügung, bei denen auch Kalt- und Warmgetränke gereicht werden. Die einzelnen Straßen sind den Sammelstellen zugeordnet. Alle möglicherweise Betroffenen sollen in jedem Fall aber noch in dieser Woche über einen Flyer im Briefkasten informiert werden.

Für die Verwaltung ist der Fall in dieser Dimension nicht zuletzt durch das Coronavirus gewissermaßen auch Neuland. Zwar werde bei Bauvorhaben stets etwa mithilfe von Luftbildaufnahmen geschaut, ob sich Kampfmittel im Boden befinden und es habe laut Junge auch schon Verdachtsmomente in Oyten gegeben, aber bestätigt hätten sich diese nie. Die theoretische Möglichkeit für einen Fund von Kriegsmunition an den Gleisen in Sagehorn sei aber durchaus gegeben, wie Junge sagt. „Zu Kriegszeiten hat es dort Bodenkampfhandlungen gegeben.“

Doch alle Beteiligen hoffen natürlich darauf, dass sich die Störfunde als harmlos erweisen und eine Kamptmittelräumung mit entsprechender Evakuierung der Umgebung nicht stattfinden muss. Sollte es doch so kommen, ist man bei der Gemeinde aber in jedem Fall gerüstet für diese Premiere in der Region. „Denn so etwas hat es, soviel wir wissen, im ganzen Landkreis Verden bisher noch nicht gegeben“, sagt Junge.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+