„Neue Ortsmitte“ Oyten Keine Hindernisse mehr in Sicht

In diesem Jahr soll das Projekt „Neue Ortsmitte“ für Oyten endlich sichtbar Fahrt aufnehmen. Zunächst muss die Politik aber noch einigen Änderungen für den Bebauungsplan zustimmen, was sie wohl auch tun wird.
11.02.2021, 16:31
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Keine Hindernisse mehr in Sicht
Von Marius Merle

Damit das Projekt „Neue Ortsmitte“ in diesem Jahr endlich auch für alle sichtbar Fahrt aufnehmen kann, muss die Politik in Oyten einige Änderungen für den dortigen Bebauungsplan absegnen, die durch die fortschreitende Planung notwendig geworden sind. Das betrifft den Bau des Discounter-Marktes und des Geschäftshauses, die beide vom gleichen Investor gebaut werden. Die leichten Änderungen in der Planung hatten sich insbesondere durch einen Architektenwechsel ergeben.

Befasst hat sich mit ihnen der Ausschuss für Umwelt & Gemeindeentwicklung in seiner Sitzung am Mittwochabend, ohne am Ende darüber zu beschließen. Final grünes Licht soll erst Anfang März gegeben werden, wenn das Gremium das nächste Mal zusammenkommt. Und dann soll es auch richtig losgehen mit den Bauvorhaben (wir berichteten). "Wir müssen endlich die nächste Phase einläuten – wir sind soweit", betonte Bürgermeisterin Sandra Röse. Und immerhin scheint auch schon jetzt klar zu sein, dass die vorgesehenen Änderungen für den dann finalen Bebauungsplan beschlossen werden. Denn die Abfrage eines Meinungsbildes ergab am Mittwoch eine deutliche Mehrheit. Und auch die Gemeinde hat keine Bedenken. "Die Änderungen sind aus Sicht der Verwaltung vertretbar", sagte Bauamtsleiterin Sabine Müller.

Knapp 70 Zentimeter höher

Was für notwendige Änderungen sich ergeben haben, stellte Andree Sachmerda vom zuständigen Architekturbüro Klocke + Partner vor, der auch anhand einer Übersichtsgrafik des gesamten Ortskerns einmal visualisierte, wie sich die „Neue Ortsmitte“ einfügen wird. Zunächst ist eine Aktualisierung der Gebäudefassaden im Bebauungsplan nötig, um ein einheitliches und ansprechendes Bild zu erzeugen. Außerdem wird das Geschäftshaus nach neuer Planung 14,27 Meter hoch sein und damit knapp 70 Zentimeter höher als im derzeitigen Entwurf des Bebauungsplans. Wie die Oytener Verwaltung erläuterte, wäre das Haus dann aber immer noch nicht größer als andere Gebäude im Ortskern. Das Gebäude, in dem das Geschäft Papier Meyer untergebracht ist, sei etwa nochmals rund einen Meter höher.

Außerdem sieht die veränderte Planung eine Erhöhung der Ausnutzbarkeit des Grundstücks des Geschäftshauses vor. Das Maß der baulichen Nutzung des im Bebauungsplan als Mischgebiet festgesetzten Grundstücks muss für die Grundflächenzahl von 0,6 auf 0,8 sowie die Geschossflächenzahl von 1,2 auf 1,6 erhöht werden. Sachmerda zeigte sodann neben einigen Darstellungen der Außenansichten auch, wie es im Inneren aussehen könnte. Im Erdgeschoss ist eine Gastronomie geplant, in den Etagen darüber sollen Büros und sogenannte Co-Working-Spaces entstehen.

„Flexibilität“, „Transparenz“, „hohe Aufenthaltsqualität“ oder „architektonisch spannend“ waren Schlagworte, die Sachmerda teils immer wieder nannte, um die Visionen für das Geschäftshaus und den Discounter-Markt zu beschreiben. Was die künftige Lidl-Filiale angeht, wollte der Planer betonen, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit ist. So sind unter anderem eine autarke Beheizung und Elektro-Ladesäulen auf dem Parkplatz vorgesehen.

Regelung für Parkplatzproblem

Apropos Parkplätze: Dieses Thema nahm am Mittwochabend wohl den größten Raum in Anspruch. Denn der Platz in der neuen Ortsmitte ist rar. „Wir haben Kritik von allen Seiten vernommen, dass zu viele Stellplätze entstehen“, erklärte Isa Zipperling von der Gemeinde, wieso bei der Planung noch einmal nachgebessert wurde. Ursprünglich waren neben den 28 gemeindlichen Stellplätzen an der neuen Erschließungsstraße zur Ortsmitte alleine für den Lidl-Markt 100 Parkplätze auf einer großen Fläche vorgesehen. Das Unternehmen zeigte sich aber kompromissbereit, dass diese auch für das Geschäftshaus mitgenutzt werden können. Doch die für das Baugenehmigungsverfahren notwendige Stellplatzzahl für beide Gebäude beträgt mindestens 106. „Um eine weitere Versiegelung der Fläche mit Stellplätzen zu verhindern, wird dem Investor – ausnahmsweise und auf dieses Vorhaben begrenzt – die Möglichkeit der Ablöse der fehlenden sechs Stellplätze gegeben“, erklärt die Verwaltung das Vorgehen.

Das bedeutet, der Bauherr bezahlt einen Ablösebetrag an die Gemeinde, die muss von dem Geld jedoch wiederum in der Umgebung die weiteren Parkplätze schaffen. Angedacht ist von der Verwaltung dafür die Jahnstraße, dessen Umfeld im Rahmen der Planung ebenfalls ein neues Gesicht bekommen soll. Diese Idee gefällt einigen Politikern aber nicht, wie in der Sitzung deutlich wurde. Ralf Großklaus (SPD) befand, dass man die Flächen an der Jahnstraße nicht für Parkplätze „verplempern“ dürfe, und Reena Saschowa (Grüne) betonte, dass „eine andere Lösung her muss“. Der vorgebrachten Idee, das Parkplatz- und Versiegelungsproblem in der ganzen Ortsmitte einfach durch eine Tiefgarage unter dem Lidl-Markt zu lösen, erteilte Sachmerda indes eine klare Absage. „Das ist aufgrund der Kosten nicht realisierbar“, erklärte er.

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