Neue Ortsmitte Oyten Gemeinde findet keinen Investor fürs Geschäftshaus

Weiterer Dämpfer für die "Neue Ortsmitte" in Oyten: Für das geplante Geschäftshaus konnte die Gemeinde Oyten bisher keinen Investor finden – und muss nun umdenken.
09.05.2022, 15:50
Lesedauer: 3 Min
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Gemeinde findet keinen Investor fürs Geschäftshaus
Von Marius Merle

Neben dem Lidl-Discountermarkt, einigen Wohngebäuden, etwas Grünanlage und viel Parkflächen soll ein Geschäftshaus mit Gastronomie zum Bild der "Neuen Ortsmitte" in Oyten gehören. Letzteres spielt nach Ansicht der Gemeinde "eine entscheidende Rolle", wenn es darum geht, diese Ortsmitte lebenswert zu gestalten. Das Problem: Es findet sich bisher einfach kein Investor, der das Projekt nach den Vorstellungen aus dem Oytener Rathaus umsetzen möchte. Deshalb steht nun die Frage im Raum: Macht die Gemeinde das Angebot attraktiver oder soll sie doch gar selbst als Bauherrin und Verwalterin des Geschäftshauses fungieren? Eine Antwort darauf muss die Politik geben, wenn der zuständige Fachausschuss am Mittwoch, 18. Mai, ab 19.30 Uhr in öffentlicher Sitzung im Rathaussaal zusammenkommt.

Dabei hatte vor einem Jahr noch alles gut ausgesehen – bis plötzlich der eigentliche Investor aus nicht näher kommunizierten Gründen absprang. Mit Zustimmung der Politik startete die Gemeinde daraufhin einen Wettbewerb für die Vergabe des Geschäftshaus-Grundstückes. Ein neuer Investor fand sich dabei aber nicht. "Die derzeitige Marktlage ist durch die Auswirkungen der Covid19-Pandemie, die hohen Baukosten, die mangelnde Verfügbarkeit an Baumaterialien, die Erwartung von Zinssteigerungen und nun auch durch den Ukrainekrieg geprägt von Unsicherheit und Zurückhaltung", verweist die Gemeinde auf die aktuell schwierige Situation. Hoffnung auf einen passenden Investor besteht aber weiterhin. Und daher will sie nun gerne bei einer zweiten Ausschreibung in Sachen Attraktivität nachbessern.

Gastronomie "unabdingbar"

Denn viel Spielraum hatten Investoren für das Projekt aufgrund der klaren Vorgaben zur Nutzung und Architektur beim ersten Durchgang nicht. Weiterhin "unabdingbar" sei aber ein gastronomisches Angebot im Erdgeschoss. Idealerweise sollte es sich dabei um ein Restaurant handeln, "das auch in den Abendstunden Menschen in die Ortsmitte zieht". Jedoch könne nun auch ein nur tagsüber geöffnetes Café eventuell eine Alternative darstellen. Um in einem oder mehreren Obergeschossen ein Angebot mit Aufenthaltsqualität für die Allgemeinheit zu schaffen, kann sich die Gemeinde nun zudem vorstellen, als Ankermieterin Räumlichkeiten selbst anzumieten. Dadurch hätte der Investor gewisse regelmäßige Einnahmen bereits sicher. Weiterhin soll die Nutzung des Staffelgeschosses für Wohnraum nicht mehr länger ausgeschlossen werden.

Doch das ist nicht alles an Kompromissbereitschaft aus dem Rathaus: "Zur Attraktivierung des Investments wird das Grundstück zur Errichtung eines Discountermarktes sowie das Grundstück der Schützenhalle in der Jahnstraße zur Bebauung mit Wohnraum mitveräußert", schlägt die Verwaltung vor. Natürlich würde dies unter der Vorgabe erfolgen, dass Lidl seinen Markt weiter wie vorgesehen bauen kann. Bei der Gemeinde würde man gerne unter diesen Gesichtspunkten noch ein weiteres Ausschreibungsverfahren starten. "Der größte Vorteil dieser Variante besteht in der Nutzung des Know-hows eines erfahrenen Investors. Das finanzielle und wirtschaftliche Risiko kann zu einem Großteil auf den Investor übertragen werden."

Zeit und Geld fehlen

Die Alternative, über die die Politik nun beraten wird, ist, dass das Grundstück im Eigentum der Gemeinde Oyten bleibt. Ein Vorteil davon sei, dass die Nutzung dauerhaft bestmöglich im Sinne des Ziels einer attraktiven Ortsmitte gesteuert werden kann. "Sie ist nicht auf eine maximierte Gewinnerzielung angewiesen und kann der Allgemeinheit dienende Vorhaben ohne hohen Gewinn einen Ort bieten", erklärt die Verwaltung. Dem gegenüber stehen aber auch die Aspekte Zeit und Geld. Da die Mitarbeiter im Rathaus bereits mit zahlreichen anderen Großprojekten beschäftigt sind, könnte wohl erst 2025 überhaupt mit der Planung begonnen werden. Zum Vergleich: Bei der im vergangenen Jahr gestarteten Investorensuche war eine komplette Fertigstellung bis Mitte 2024 gefordert worden.

Nicht zu unterschätzen ist zudem die finanzielle Belastung. Zwar wäre nach Fertigstellung mit Mieteinnahmen zu rechnen, gleichzeitig würden aber auch geplante Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf wegfallen. Und dann wäre da ja noch der hohe investive Teil. Die Baukosten von schätzungsweise vier Millionen Euro müssten selbst getragen werden. Geld, dass die Gemeinde Oyten angesichts angespannter Haushaltslage in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich nicht zur Verfügung haben wird.

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