Deutsche Bahn verlegt Haltepunkt Sagehorn Startschuss fällt Mitte des Monats

Bald beginnt die Deutsche Bahn mit der Verlegung des Haltepunkts Sagehorn um 800 Meter. In Summe wird die Maßnahme teurer als der in Oyten mehrheitlich bevorzugte barrierefreie Ausbau des bisherigen Standorts.
03.04.2020, 14:00
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Startschuss fällt Mitte des Monats
Von Marius Merle

Oyten-Sagehorn. Nun soll es also wirklich bald losgehen: Die Deutsche Bahn lässt den Haltepunkt vom Bahnhof in Sagehorn um rund 800 Meter in westliche Richtung verlegen. Zwei neue Außenbahnsteige sollen dort entstehen und barrierefrei ausgebaut werden. Zur Maßnahme gehören außerdem der Bau einer neuen Personenüberführung mit zwei Aufzügen, der Neubau von Wetterschutzhäusern, Beleuchtung und Bahnsteigausstattung sowie Neubau des Wegeleit- und Informationssystems inklusive Einbau eines taktilen Leitsystems. Weiterhin ist die Deutsche Bahn auch dafür zuständig, den alten Bahnhof zurückzubauen. „Geplant ist, dass die Arbeiten Mitte April am neuen Standort beginnen. Zudem soll der neue Haltepunkt zum Fahrplanwechsel dieses Jahres in Betrieb genommen werden“, lässt Bahnsprecherin Franziska Hentschke wissen. Bis Dezember muss der neue Standort für dieses Vorhaben also fertig hergerichtet sein. Mit Verzögerungen durch das Coronavirus rechnet die Deutsche Bahn somit aktuell nicht. Auch für 2021 steht der Plan. „Anschließend bauen wir ab Anfang des Jahres den alten Bahnhof zurück. Diese Arbeiten werden wir voraussichtlich Mitte nächsten Jahres abschließen können“, heißt es von Hentschke weiter.

Über diesen Ablauf sind nun auch die Anwohner durch ein Schreiben informiert worden, in dem das Unternehmen außerdem schon im Vorfeld um Verständnis für entstehende Unannehmlichkeiten wirbt. „Die Deutsche Bahn setzt alles daran, die von den Bauarbeiten ausgehenden Störungen so gering wie möglich zu halten. Trotzdem lassen sich Beeinträchtigungen oder auch Veränderungen im Bauablauf nicht gänzlich ausschließen“, heißt es in der Anwohnerinformation. So sei es leider unvermeidlich, dass in dem Zeitraum von April 2020 bis Sommer 2021 zeitweilig auch nachts lärmintensive Arbeiten stattfinden werden.

„Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich auf rund sechs Millionen Euro inklusive der Planungskosten“, gibt Hentschke auf Nachfrage einen Einblick in die Zahlen. Das ist deutlich mehr als die 4,5 Millionen Euro, die das Unternehmen einst für die Verlegung kalkuliert hatte. Allerdings war die Deutsche Bahn zu diesem Ergebnis im Jahr 2013 gekommen. Auch weil sich in der Gemeinde Oyten der Widerstand gegen das Projekt regte, kam es zu größeren Verzögerungen, sodass erst in diesem Jahr die Umsetzung erfolgen wird.

Dass die kritischen Stimmen gegen die Verlegung des Haltepunktes durchaus berechtigt gewesen sind, zeigt ein Rechenbeispiel. Damals hatte die Deutsche Bahn argumentiert, ein barrierefreier Ausbau am aktuellen Standort – die in Oyten von der Mehrheit präferierte Variante – wäre schlichtweg nicht wirtschaftlich. Die Kosten dafür waren damals auf sieben Millionen Euro geschätzt worden. Zwar bleibt die Deutsche Bahn mit dem nun genannten Volumen von etwa sechs Millionen Euro was den Eigenanteil angeht immer noch darunter, aber das gilt nicht für die Gesamtrechnung. Denn bei einem Ausbau am aktuellen Standort wären keine Kosten für die Gemeinde Oyten entstanden. So aber muss sie dafür sorgen, die sogenannten Verknüpfungsanlagen (Pkw-Parkflächen, Fahrradabstellplätze, Haltestellen für Busse, etc.) einzurichten. Für das gesamte Vorhaben werden mehr als fünf Millionen Euro fällig.

Durch Förderprogramme wird die Gemeinde zwar nach letzten Schätzungen mehr als die Hälfte der Ausgaben nicht selber tragen müssen, aber unterm Strich wird das Projekt Haltepunktverlegung in Sagehorn damit mehr als elf Millionen Euro kosten. Und somit werden insgesamt deutlich mehr Steuermittel ausgegeben, als es bei einem barrierefreien Ausbau am derzeitigen Standort der Fall gewesen wäre.

Und für die Gemeinde Oyten könnte es unter Umständen noch dicker kommen. Denn durch die aktuellen eingeschränkten Arbeitsbedingungen im Rathaus aufgrund des Coronavirus können Projekte nicht wie geplant vorangetrieben werden. Doch bei der Errichtung der Verknüpfungsanlagen steht die Gemeinde unter Zeitdruck: Einerseits, weil zumindest eine Anlage bis zur Inbetriebnahme des neuen Haltepunktes zur Verfügung stehen sollte, und andererseits, weil es klare Fristen gibt, um die Fördergelder wie geplant erhalten zu können. Welche Probleme das für die Gemeinde bedeutet, ist derzeit noch gar nicht absehbar. „Das werden wir erst in ein paar Wochen ermessen können, aber ich befürchte Schlimmes“, gibt Bürgermeisterin Sandra Röse im Hinblick auf die Einhaltung von Zeitplänen zu bedenken.

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