Stöbereckchen in Bassen

Shoppen mit kleinem Geldbeutel

Seit etwas mehr als sieben Jahren kann im „Stöbereckchen“ der Awo in Bassen auf Schnäppchenjagd gegangen werden. Seit der Eröffnung leitet Erika Guse das Kaufhaus, Ende Februar ist damit Schluss.
15.01.2019, 16:37
Lesedauer: 3 Min
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Shoppen mit kleinem Geldbeutel
Von Marius Merle
Shoppen mit kleinem Geldbeutel

Dinge des täglichen Gebrauchs, aber insbesondere Kleidung, gibt es im Stöbereckchen der Awo seit Ende 2011 für wenige Euro zu kaufen.

fotos: Michael Braunschädel

Besonders der Kontakt mit den Stammkunden und den ehrenamtlichen Kolleginnen wird Erika Guse fehlen. Seit der Eröffnung des „Stöbereckchen“ in Bassen im Dezember 2011 leitet sie das Second-Hand-Kaufhaus des Awo-Kreisverbandes Verden. Doch Ende Februar wird Schluss sein. „Dann habe ich meine 45 Jahre im Berufsleben voll“, erklärt Guse, sich in den Ruhestand verabschieden zu wollen. Ihre Nachfolgerin ist schon gefunden: Monika Koldehofe, lange Zeit Hauswirtschafterin bei der Awo Verden, übernimmt die Kaufhausleitung. Derzeit läuft die Einarbeitungszeit, während der beide Frauen vor Ort sind. „Es gefällt mir ganz gut“, zieht Koldehofe nach den ersten zwei Wochen ein erstes kleines Fazit.

Schwieriger Start

Ins Leben gerufen wurde das Stöbereckchen nach Überlegungen des Awo-Kreisverbandes, ähnlich wie es andernorts im Gebiet des Bezirksverbands schon der Fall war, ein Sozialkaufhaus einzurichten. Die Standortsuche gestaltete sich aber als nicht so einfach. „Denn ortsübliche Mieten können wir nicht bezahlen“, sagt Dagmar Guse, Schwägerin von Erika Guse und Geschäftsführerin der Awo Verden. Oytens Bürgermeister Manfred Cordes habe dann dabei geholfen, die Räumlichkeit auf dem Gelände des Penny-Supermarktes am Sonnenblumenweg in Bassen zu finden, und die Gemeinde Oyten gewährte sogar noch jährliche Zuschüsse. „Das war richtig klasse“, erinnert sich Dagmar Guse.

Unterstützung konnte das Stöbereckchen zu Beginn auch gebrauchen. „Es hat ein bis zwei Jahre gedauert, bis es sich 'rumgesprochen hat“, erzählt Erika Guse. Solange dauerte es laut ihrer Schwägerin aber auch später in Verden, wo die Awo 2014 ein zweites Kaufhaus auf Kreisgebiet eröffnete. „Der Bedarf ist einfach da“, betont Dagmar Guse. Inzwischen können sich beide Einrichtungen über mangelnden Zuspruch nicht mehr beklagen. „Überwiegend sind es hier in Bassen Stammkunden“, berichtet Erika Guse. Diese kommen aus der gesamten Region und selbst aus Bremen, um dort auf Schnäppchenjagd zu gehen, aber auch manchmal nur, um gemütlich eine Tasse Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten. „Manche kommen sogar drei- bis viermal die Woche.“

Kleidung ist gefragt

Besonders gefragt sind Damen- und Kinderbekleidung. Schon für wenige Euro können sich Kunden im Kaufhaus neu einkleiden. Die Preise etwa für T-Shirts sind pauschal festgelegt, je nach Marke oder aufwendigem Design kann es laut der scheidenden Leiterin aber geringe Abweichungen geben. Inhaber einer Awo-Kundenkarte, die einkommensschwache Menschen beantragen können, erhalten sogar noch einmal 50 Prozent Rabatt auf den Einkauf. Natürlich ist das Kaufhaus aber für jedermann geöffnet. Neben Kleidung gibt es auch viele andere Artikel des täglichen Bedarfs, etwa Geschirr, Bücher, CDs oder gar Kunstwerke.

Neue Ware kommt dabei täglich. Denn jeder Bürger kann Artikel, die er nicht mehr braucht, vorbeibringen – und davon wird auch viel Gebrauch gemacht. Zum Ärger der Awo sogar ein bisschen zu oft. „Die Hälfte der Ware können wir entsorgen“, erzählt Erika Guse. Und Dagmar Guse ergänzt: „Es ist teilweise eine Frechheit, was die Leute hier anschleppen.“ Häufig sei gerade Kleidung kaputt, dreckig, verschlissen oder wurde allem Anschein nach über viele Jahre in Kisten gelagert. Brauchbare Kleidung, für die sich im Kaufhaus kein Abnehmer findet, wird an die Deutsch-Polnische Gesellschaft in Verden weitergegeben. Aber natürlich gibt es laut Dagmar Guse auch oft sehr gut erhaltene Artikel, teilweise sogar noch mit Preisschild, die sehr schnell über die Ladentheke gehen.

Doppelte Kontrollen der Waren

„Alles wird genau betrachtet“, spricht die Awo-Geschäftsführerin von doppelten Kontrollen. Unterstützung beim Sortieren der neuen Ware, aber auch bei den anderen anfallenden Tätigkeiten erhält die Kaufhausleiterin, die neben einer FSJlerin einzige hauptamtliche Angestellte ist, von Ehrenamtlichen. 17 Frauen sind es aktuell, die ein- oder zweimal die Woche aushelfen. Viele von ihnen sind schon im hohen Rentenalter. „Wir brauchen dringend Nachwuchs“, sagt Dagmar Guse.

Positiv für alle Beteiligten, dass es zumindest bei der Leitungsposition einen nahtlosen Übergang gibt. Ganz aus dem Stöbereckchen verschwinden wird Erika Guse dabei aber ab März nicht. Denn zum Einkaufen wolle sie dort auch im Ruhestand gerne weiter vorbeischauen. „Schließlich kann man hier sehr viele schöne Sachen finden,“ betont sie.


Das Stöbereckchen in Bassen ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie jeden ersten Sonnabend im Monat von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Kontaktmöglichkeiten telefonisch unter 0 42 07 / 6 69 79 14 oder per Mail an kaufhaus@awo-kv-verden.de.

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