Planung für Bahnhofsumfeld

Streitobjekt Villa Rotstein

Bei der Detailplanung des neuen Bahnhofumfeldes in Sagehorn müssen bis zum Ende des Monats noch einige offene Fragen geklärt werden – unter anderem geht es um die Zukunft der sogenannten Villa Rotstein.
15.08.2019, 15:45
Lesedauer: 4 Min
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Streitobjekt Villa Rotstein
Von Marius Merle
Streitobjekt Villa Rotstein

In welcher Form wird sich dieses Bild verändern? Ob die sogenannte Villa Rotstein in Sagehorn Platz für den neuen Bahnhaltestellenvorplatz Platz machen wird oder der Platz um das Gebäude herum entsteht, muss die Politik noch beschließen.

Björn Hake

Bis Ende des Monats muss die Gemeinde Oyten der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) die Detailplanung für die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes am neuen Haltepunkt in Sagehorn mitteilen. Vor allem drei Fragen gilt es dafür noch zu klären: Sollen an den Bahnsteigen Toilettenanlagen installiert werden? Wird für die geplante Park&Ride-Anlage neben dem Schützendomizil die alte Tennishalle abgerissen oder muss auf eine inzwischen erarbeitete Alternative zurückgegriffen werden? Und: Wie soll der Vorplatz im Bereich südlich der Bahn gestaltet werden? Besonders bei der letzten Frage gehen die Meinungen der Politiker stark auseinander, wie sich in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt & Gemeindeentwicklung am Mittwochabend zeigte. Denn mit der Planung fällt auch die Antwort auf die Frage, ob das als Villa Rotstein bekannte Gebäude an der Sagehorner Dorfstraße abgerissen wird oder nicht.

Abstimmung vertagt

Drei Varianten für den Vorplatz – auf dem in jedem Fall unter anderem ein Bürgerbushaltepunkt, Sitzgelegenheiten und Fahrradabstellplätze geschaffen werden – wurden in der Sitzung vorgestellt. Bei den ersten beiden bleibt die Villa Rotstein erhalten. Sie unterscheiden sich dadurch, dass einmal nur die Fläche westlich und nördlich des Gebäudes bis zu den Gleisen als Vorplatz gestaltet wird (Variante 1) und einmal auch noch der Bereich östlich des Hauses versiegelt werden würde (Variante 2). Variante 3 hingegen sieht den Abriss der Villa Rotstein vor, was automatisch dazu führt, dass der Vorplatz bei dieser Alternative auch am größten ausfällt – und am teuersten. Denn allein die Baukosten (netto) für diese Alternative werden vom beauftragten Planungsbüro auf rund 930 000 Euro geschätzt, bei Variante 2 (rund 735 000 Euro) und Variante 1 (rund 580 000 Euro) fallen diese geringer aus.

Uwe Wappler (AfD) und Thomas Ceglarek-Brockshus (FDP) sprachen sich klar für Variante 3 und damit den Abriss des Gebäudes aus. Norbert Neisen (CDU) begann die Diskussion auch mit der Aussage: „Wir sollten ehrlich zu uns selbst sein, es kann nur Variante 3 werden.“ Denn kein Investor werde in die Villa Rotstein investieren. Zum Hintergrund: Die Politik in Oyten hatte vor geraumer Zeit mehrheitlich beschlossen, dass sich die Gemeinde um einen Investor bemühen soll, der dort Wohnungen einrichtet – obwohl sich der Gutachter seinerzeit für einen Abriss des Gebäudes aussprach. Bisher hat die Verwaltung aufgrund der unklaren Planungen für die Gestaltung des Sagehorner Bahnhofsumfeldes mit der Investorensuche aber noch gar nicht begonnen.

Mehrere Varianten

Dennoch befand Hermann Wahlers (SPD): „Wir dürfen unseren eigenen Ratsbeschluss nicht aushebeln.“ Die Sozialdemokraten sprachen sich für Variante 2 aus. Reena Saschowa (Grüne) sieht ebenfalls noch Potenzial in der Villa Rotstein, bevorzugte aber die Variante 1. Und die CDU? Trotz Neisens klarer Worte erklärte die Fraktion am Ende der Diskussion, Variante 2 zu bevorzugen – ohne allerdings daran zu glauben, dass die Villa Rotstein wirklich zu retten ist, wie im Anschluss an die Sitzung herauszuhören war. Eine Abstimmung gab es indes an diesem Abend nicht, Ralf Großklaus (SPD) hatte darum gebeten, vorerst nur ein Meinungsbild einzuholen und die Abstimmung in den Verwaltungsausschuss am 27. August zu vertagen. Somit wird über die Vorplatzgestaltung und damit auch die Zukunft der Villa Rotstein hinter verschlossenen Türen entschieden.

Unterschiedliche Ansichten bestehen auch hinsichtlich der Notwendigkeit von Toilettenanlagen nördlich und südlich der Gleise, die in den Kostenrechnungen zu den Vorplatzvarianten im Übrigen schon enthalten sind. „Wir sprechen uns gegen die Toiletten aus“, sagte Ceglarek-Brockshus und störte sich weniger an den einmaligen Installationskosten von 50 000 bis 80 000 Euro, sondern viel mehr an den „immensen Folgekosten“ für Reinigung und durch eventuellen Vandalismus. Die gleichen Befürchtungen nannte auch Saschowa und bilanzierte: „Das ist ein Service, den wir nicht vorhalten müssen.“ Toiletten gebe es schließlich in den Zügen. Auch zu dieser Thematik wird der Verwaltungsausschuss letztlich die Entscheidung treffen.

Lösungssuche mit Schützenverein

Noch einmal komplizierter gestaltet sich die Situation bezüglich der Planung für die Park&Ride-Anlage am Schwarzen Weg beim Schützenverein. Wie berichtet, wird seit langer Zeit erfolglos nach einer Kompromisslösung zwischen Schützenverein und Verwaltung gesucht. Die Gemeinde würde die alte Tennishalle gerne abreißen und dort die Parkanlage errichten, der Verein hat ein vertraglich gesichertes Nutzungsrecht für einige Tage im Jahr und ihm gehört auch ein geringer Grundstücksteil der Halle. Vorsorglich hat die Verwaltung nun die Parkplätze einmal so geplant, dass die Halle stehen bleiben könnte. Doch auch für diese schmalere, sich den Schwarzen Weg entlang ziehende Anlage müsste der Schützenverein Grunderwerb tätigen.

„Die Gemeinde ist relativ weit mit dem Schützenverein“, gab sich Axel Junge von der Verwaltung vorsichtig optimistisch, bald eine Einigung verkünden zu können. Es wird auch Zeit, schließlich sollten bis Ende des Monats alle Fragen der Detailplanung geklärt sein. Diskussionsbedarf gibt es bis dahin aber auf jeden Fall noch genug.

Info

Zur Sache

Verlegung des Haltepunktes

Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten losgehen: Die Deutsche Bahn wird den Haltepunkt in Sagehorn vom aktuellen Bahnhof rund 800 Meter weiter westlich der Gleise verlegen und barrierefrei gestalten. Dazu zählt etwa auch die Installation einer Aufzugsanlage. Aufgabe der Gemeinde ist es, die notwendigen neuen sogenannten Verknüpfungsanlagen (Stellplätze für Autos und Fahrräder und Erschließung für den ÖPNV) herzustellen. Geplant sind zwei Park&Ride-Anlagen und die Bushaltestellen nördlich sowie eine Bike&Ride-Anlage mit Vorplatz südlich der Gleise. Nach den in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt & Gemeindeentwicklung genannten Zahlen wird für die Schaffung der Verknüpfungsanlagen inklusive Grunderwerb derzeit von einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 5,3 Millionen Euro (brutto) ausgegangen. Ein erheblicher Teil davon wird jedoch durch Fördergelder gedeckt werden können.

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