Unterricht an der IGS Oyten

Mit Abstand zum Abschluss

Seit Montag läuft der Schulbetrieb für knapp 200 Schüler der IGS Oyten wieder. Doch Klassengrößen und Unterrichtskonzept sind nur zwei Dinge, die in Zeiten von Corona gänzlich anders aussehen als normalerweise.
28.04.2020, 16:22
Lesedauer: 3 Min
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Mit Abstand zum Abschluss
Von Marius Merle
Mit Abstand zum Abschluss
Björn Hake

Eigentlich soll um 7.45 Uhr der Unterricht beginnen. Doch nicht alle Schüler schaffen es an diesem Morgen pünktlich in ihren Klassenraum in der IGS Oyten. Nicht etwa, weil sie verschlafen haben oder der Schulbus Verspätung hatte, Schuld ist das Händewaschen. Denn nach dem Betreten des Gebäudes steht in Zeiten der Corona-Pandemie morgens als erstes diese von der Landesschulbehörde vorgeschriebene Hygienemaßnahme auf dem Programm. Und das kann eine ganze Zeit dauern, bis dem unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes alle Schüler nachgekommen sind – auch wenn es weniger als hundert sind, die seit Montag wieder täglich in der IGS unterrichtet werden.

Normalerweise tummeln sich in der Schule täglich knapp 800 Mädchen und Jungen. Nachdem die IGS wie alle Schulen bundesweit in den vergangenen Wochen zur Eindämmung des Coronavirus quasi komplett verwaist gewesen ist, werden seit Montag alle rund 140 Zehntklässler und die 42 Neuntklässler, für die ebenfalls eine Abschlussprüfung Ende Mai ansteht, wieder unterrichtet. Dafür ist das Jahrgangshaus im hinteren Bereich geöffnet. Hinzu kommen sechs Kinder in der Notbetreuung. Insgesamt 24 Lehrer sind laut Schulleiterin Maria Schmidt zudem wieder vor Ort im Einsatz, zumindest in Teilzeit. Denn bei den Schülern und auch den Lehrkräften gilt: Immer nur die Hälfte von ihnen kommt einem Tag in die Schule, die andere ist dann am nächsten dran.

Denn derzeit werden, um die Abstandsregelungen einzuhalten, nur halbe Klassengrößen in einem Raum unterrichtet. Weit auseinander stehende Einzeltische statt der sonst in der IGS präferierten Gruppentische. Das Lehrerpult ist mit Flatterband abgesperrt, damit sich die Schüler den Lehrern unbewusst nicht zu weit nähern. Ohnehin ist jede Form von Nähe in der Schule aktuell verboten, was beim Unterrichten natürlich einschränkt. „Es ist schon mehr Frontalunterricht als sonst bei uns üblich“, erklärt Schmidt. Aber anders gehe es momentan schlichtweg nicht, der Lehrer dürfe ja noch nicht einmal rumgehen und Schülern am Platz etwas erklären.

Auch sonst ist an der IGS Oyten so einiges anders als sonst. Statt 75-minütiger Unterrichtseinheiten stehen nun täglich dreimal jeweils 90 Minuten Unterricht auf dem Programm. Zudem ist das Fächerangebot deutlich ausgedünnt. „Bis zu den Prüfungen werden nur Deutsch, Mathe und Englisch unterrichtet“, sagt Schmidt. Zumindest in der Schule. Im Heimunterricht stehen für die IGS-Schüler aller Jahrgänge alle Fächer auf dem Programm. Seit vergangener Woche haben die Mädchen und Jungen auch einen festen Stundenplan, nachdem sie via Kamera von ihren Lehrern unterrichtet werden. Schon das sei laut Schmidt viel Koordinierungsarbeit gewesen. Nun auch noch den wieder stattfindenden Unterricht in der IGS für Schüler und Lehrer in die einzelnen Pläne einzuarbeiten, noch einmal eine große Herausforderung mehr.

Mit dem Lernen im Heimunterricht kommen die Schüler sehr unterschiedlich gut zurecht, wie die IGS-Schulleiterin berichtet. Natürlich sei sehr viel Selbstdisziplin gefragt. Jedoch könne auf diesem Wege immerhin im Bereich Wissen der Unterrichtsausfall in der Schule kompensiert werden. „Aber natürlich werden Lücken entstehen“, ist sich Schmidt bewusst, dass andere Fähigkeiten nicht wie sonst geschult werden können. Projektarbeiten, Präsentationen oder Diskussionsrunden seien nur einige der an der IGS beliebten Puzzleteile im pädagogischen Konzept, die sich aktuell nicht umsetzen lassen.

Immerhin ist für die Neunt- und Zehntklässler die soziale Interaktion an jedem zweiten Tag nun wieder möglich, wenn auch auf Distanz und außerhalb des Klassenraums mit Mundschutz. Etwas zeitversetzt beginnen in den Klassenräumen die Pausen, damit es im Flur des Jahrgangshauses zu möglichst wenig Personenverkehr kommt. Auf dem Pausenhof wird eifrig miteinander geredet, der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Meter muss dabei stets weiter eingehalten werden. Zur Kontrolle sind an diesem Vormittag gleich sechs Lehrer als Aufsicht mit dabei. Derweil desinfiziert eine Mitarbeiterin die Türklinken. Ist die Pause vorbei, geht es möglichst geordnet wieder zurück in die Klassenräume. Dieses Mal ohne verpflichtendes Händewaschen. Denn wenn sich auch nach den Pausen wieder Schlangen an den drei nutzbaren Waschbecken bilden würden, dann wären am Ende doch wieder maximal 75-minütige Unterrichtseinheiten möglich.

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