Veranstaltungen auf dem Backsberg

Eine Absage und eine leise Hoffnung

Coronabedingt wurde das Lanz-Bulldog-Treffen auf dem Backsberg in Oyten abgesagt. Die Organisatoren des Moyn-Moyn-Festivals hoffen noch, obwohl weiter das Bauplanungsrecht für dortige Veranstaltungen fehlt.
10.04.2021, 15:00
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Eine Absage und eine leise Hoffnung
Von Marius Merle
Eine Absage und eine leise Hoffnung

Alle zwei Jahre zog das Lanz-Bulldog-Treffen an Pfingsten Tausende Besucher auf den Backsberg.

Björn Hake

Oyten. Wie es mit dem Veranstaltungsgelände auf dem Backsberg allgemein weitergeht, ist bisher noch nicht geklärt. Sicher ist aufgrund der Corona-Pandemie inzwischen aber: Das traditionell alle zwei Jahre an Pfingsten stattfindende Bulldog- und Oldtimer-Treffen wird es 2021 nicht geben. Für den ausrichtenden Lanz-Bulldog-Club sei schnell klar gewesen, dass ein Festhalten an der Planung für dieses Jahr keinen Sinn gemacht hätte, berichtet Vorsitzender Kai-Uwe Böschen. „Die Verantwortung ist viel zu groß, und wir könnten die Regeln als Verein auch gar nicht erfüllen“, erzählt er, weshalb die Absage vor einigen Wochen erfolgt ist. Schließlich kommen in der Regel zu den dreitägigen Pfingsttreffen, die seit 1975 stattfinden, mehrere Tausend Besucher aus nah und fern. Unmöglich, für ein solches Event auch im unwahrscheinlichen Falle einer Genehmigung in abgespeckter Form ein coronakonformes Hygienekonzept zu entwickeln. Vorläufig plant der Verein, das Treffen nächstes Jahr über Pfingsten zu veranstalten, „in der Hoffnung, es dann im vollen Umfang durchführen zu können“.

Das zweite mehrtägige Spektakel auf dem Backsberg, welches zuletzt ebenfalls Tausende Besucher angezogen hat, ist das Moyn-Moyn-Festival, das in diesem Jahr für den 19. bis 22. August angesetzt ist. Während bundesweit alle namhaften Festivals für diesen Sommer bereits abgesagt worden sind, will die veranstaltende Abro Team GmbH die Hoffnung trotz Corona noch nicht gänzlich aufgeben. Das geht aus einem Facebook-Beitrag vom späten Dienstagabend hervor. Darin heißt es, dass die Abro Team GmbH für dieses Jahr hofft, „ein kleines Moyn für 1000 Menschen zu organisieren“. Presseanfragen dazu blieben in den vergangenen Wochen unbeantwortet.

Generelle Problematik

Völlig unabhängig davon, ob es die Corona-Bestimmungen im August zulassen werden, eine solche Veranstaltung mit 1000 Feiernden durchführen zu können, bleibt jedoch die generelle Problematik mit dem Gelände. Wie berichtet, hatte der Landkreis Verden als Genehmigungsbehörde Anfang vergangenen Jahres – noch bevor die Ausbreitung des Coronavirus Großveranstaltungen unmöglich machte – der Abro Team GmbH die Ausrichtung des Festivals untersagt. Denn bisher hatte es vom Landkreis stets nur Sondergenehmigungen gegeben, da Veranstaltungen dieser Art auf der großen Fläche zwischen Sagehorn und Fischerhude aus baurechtlichen Gründen eigentlich gar nicht gestattet sind.

Die Abro Team GmbH klagte dagegen, und wie Rolf Thies, Fachdienstleiter Bauordnung beim Landkreis Verden, auf Nachfrage erklärt, laufe der Streit vor Gericht derzeit noch immer. Auf die Pläne eines „kleinen Moyn“ angesprochen, lässt Thies verlauten, dass eine solche Veranstaltung aufgrund der weiterhin nicht gegebenen baurechtlichen Grundlage „nach derzeitigem Stand nicht genehmigt werden würde“. Denn bevor auf dem Backsberg wieder gefeiert werden kann (das betrifft auch das Bulldog- und Oldtimer-Treffen), müsste die Gemeinde Oyten den dort gültigen Flächennutzungs- und Bebauungsplan ändern. Vor etwa einem halben Jahr hatte sich die Politik dafür auch offen gezeigt, passiert ist seitdem jedoch wenig, wie aus dem Rathaus zu hören ist.

Hoher Verwaltungsaufwand

Laut Bürgermeisterin Sandra Röse wurde das Thema „erst einmal herunterpriorisiert“. Denn auch wenn ein wesentlicher Bestandteil der Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans wäre, dass der Grundstückseigentümer und die Nutzer wie die Abro Team GmbH für die Kosten aufkommen müssten, so entsteht für die Gemeinde doch viel Verwaltungsaufwand. „Das Ganze muss ausführlich betrachtet werden“, betont Röse. So würde es durch die Änderungen etwa auch eine erhebliche Flächenaufwertung geben.

Daher sei man nicht unglücklich darüber, durch die bereits erfolgte coronabedingte Absage des Lanz-Bulldog-Clubs und die noch zu erwartende Absage des Moyn-Moyn-Festivals etwas mehr Zeit gewonnen zu haben. Zumal es laut Röse auch sinnvoll wäre, für weitere Schritte erst einmal abzuwarten, wie die Antragssteller überhaupt finanziell durch die Pandemie kommen. Denn auch wenn die Abro Team GmbH nach eigenen Angaben für das Vorhaben der Flächennutzungsplanänderung von der Initiative Musik eine zweckgebundene Förderung in Höhe von 75.000 Euro erhalten hat, ist offen, wie es um das kleine Unternehmen nach der langen Zeit ohne Veranstaltungen am Ende stehen wird. Schon im vergangenen November hatte es nicht ohne Grund auf digitalem Weg den „Rettungsring“ geworfen und um finanzielle Unterstützung gebeten.

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