Mögliche Verschiebung der Inbetriebnahme Immer wieder neue Probleme beim Neubau des Bahnhaltepunktes Sagehorn

Die Deutsche Bahn kann den geplanten Fertigstellungstermin des neuen Sagehorner Bahnhaltepunktes für Sommer 2021 nicht mehr garantieren. Das bereitet wiederum auch der Gemeinde Oyten Sorgen.
18.12.2020, 16:19
Lesedauer: 3 Min
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Immer wieder neue Probleme beim Neubau des Bahnhaltepunktes Sagehorn
Von Marius Merle

Muss die geplante Inbetriebnahme des neuen Bahnhaltepunktes in Sagehorn einmal mehr nach hinten verschoben werden? Das scheint derzeit gut möglich. Denn das eigentlich mit "Sommer 2021" ohnehin schon recht vage formulierte Ziel "kann nicht mehr mit absoluter Sicherheit gewährleistet werden", wie eine Bahnsprecherin auf Nachfrage mitteilt. Ergänzend lässt sie mitteilen: "Wir setzten jedoch alles daran, Überschreitungen so kurz wie möglich zu halten." Wie berichtet, wird der Haltepunkt in Sagehorn vom derzeitigen Bahnhof um rund 800 Meter in Richtung Zentrum verlegt.

Es wäre wahrlich nicht das erste Mal, dass es bei dem Projekt, welches die Gemeinde Oyten seit vielen Jahren beschäftigt, zu einer Verzögerung kommt. Als die Deutsche Bahn im April dieses Jahres mit den Arbeiten begann, sah aber vieles danach aus, dass das leidige Kapitel dann doch recht zügig zu einem Ende gebracht werden kann. Denn vorgesehen war, dass bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember der neue Haltepunkt in Betrieb genommen wird. Doch „nach der Kampfmittelsondierung unter Pandemiebedingungen, unerwarteten Kabelfunden und Schwierigkeiten mit der Verlegung von Gasleitungen“, wie die Bahn schildert, musste die Fertigstellung schon im August wieder verschoben werden. Neues Zieldatum war nun der kommende Sommer, welches jetzt aufgrund „neuer Herausforderungen“ wieder erheblich wackelt.

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„Während die Tiefbauarbeiten auf der Südseite beinahe abgeschlossen sind, wurde auf der Nordseite unerwartet eine mangelhafte Qualität des Erdreichs festgestellt“, heißt es von der Bahnsprecherin erklärend. Daher sei dort ein umfangreicher Bodenaustausch notwendig, weshalb einige der anstehenden Bauarbeiten nicht solide terminiert werden können. Zudem hätten mehrere Hersteller Lieferzeiten angemeldet, die deutlich über den ursprünglich angenommenen Fristen liegen. „Wir versuchen derzeit alles, um die geplanten Arbeiten dennoch wie vorgesehen ausführen zu können“, lässt die Bahnsprecherin wissen.

Der unsichere Fertigstellungstermin der Bahn bereitet derweil der Gemeinde Oyten Sorgen. Bürgermeisterin Sandra Röse beschreibt die Lage als „sehr unglücklich“ und moniert, dass die Deutsche Bahn kaum Auskünfte gibt. „Die Gespräche werden immer unverbindlicher.“ Dabei ist die Gemeinde auf die Planung des Unternehmens angewiesen, um selbst ihre Hausaufgaben erledigen zu können. Denn während sich die Bahn um die Errichtung zwei neuer, barrierefreier Außenbahnsteige sowie der Aufzüge oder der Wetterschutzhäuschen kümmert, ist es die Aufgabe der Gemeinde, die Verknüpfungsanlagen mit Parkplätzen und Bushaltestellen herzustellen. Und mit dem Bau jener Anlage an der Südseite kann sie erst beginnen, wenn die Bahn wiederum ihre Arbeiten beendet hat.

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Und solange sich dieses Ende nicht abzeichnet oder genauer terminiert werden kann, "können wir nicht viel in die Wege leiten", erklärt Röse. Denn Ausschreibungen und Co. für den Bau der Verknüpfungsanlage im Süden machen ohne Zeitplan schlichtweg keinen Sinn. Zumal nach der Freigabe der Flächen durch die Bahn auch erst einmal wieder die Kampfmittelräumung ansteht. Und wie schnell diese bei entsprechenden Funden zu Verzögerungen im Ablaufplan führen können, hatte sich in diesem Jahr bereits gezeigt. Zufrieden ist Röse indes mit den derzeit laufenden Arbeiten für die Park&Ride-Anlage nördlich der Gleise. "Wir sind im Plan und sollten bis Ende Januar fertig sein", sagt die Bürgermeisterin.

Was die Südseite angeht, so heißt es bei der Gemeinde warten. Ein Warten, das unter Umständen teuer werden kann. Die letzte öffentliche Finanzierungsrechnung von Oktober nennt Gesamtkosten für beide Anlagen von rund 5,25 Millionen Euro, von denen die Gemeinde Oyten aufgrund von Fördergeldern etwa 2,2 Millionen Euro selbst tragen müsste. Doch je weiter sich die Arbeiten unplanmäßig nach hinten verschieben, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass angesichts zuletzt immer weiter steigender Kosten für Baumaßnahmen aller Art in der Abschlussrechnung eine höhere Summe auftauchen wird. „Die Verteuerungsrate ist wirklich abenteuerlich – und es ist kein Ende in Sicht“, ist sich Röse des Problems natürlich auch bewusst.

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