Arbeiten in Sagehorn Neuer Bahnhaltepunkt kommt erst 2021

Durch Verzögerungen bei den Arbeiten der Deutschen Bahn wird der neue Haltepunkt in Sagehorn wohl erst im Spätsommer 2021 einsatzbereit sein. Das hat auch Konsequenzen für die Pläne der Gemeinde.
26.08.2020, 08:06
Lesedauer: 3 Min
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Neuer Bahnhaltepunkt kommt erst 2021
Von Marius Merle

Oyten-Sagehorn. Es war von Anfang an ein sehr ambitioniertes Vorhaben der Deutschen Bahn gewesen. Als im April dieses Jahres die Bauarbeiten zur Verlegung des Haltepunktes in Sagehorn begannen, war es das erklärte Ziel, den neuen Bahnsteig bereits nach dem nächsten Fahrplanwechsel nutzen zu können. Dafür hätten die Arbeiten bis Dezember abgeschlossen sein müssen. Inzwischen ist klar: Dieses Ziel wird die Deutsche Bahn deutlich nicht halten können. „Aufgrund verschiedener Umstände, dazu zählen auch die Unwägbarkeiten bei der Kampfmittelsondierung und saisonbedingte personelle Engpässe bei den Baufirmen, können notwendige Leitungsverlegearbeiten der Gemeinde in unserem Baufeld nicht mehr rechtzeitig durchgeführt werden“, lässt eine Bahnsprecherin auf Nachfrage mitteilen.

Zur Erinnerung: Anfang April hatte die Kampfmittelsondierung im Bereich des neuen Bahnsteigs südlich der Gleise einige sogenannte Anomalien – also Sondierungsergebnisse, die einen Kampfmittelverdacht nahelegen – ergeben. „Für die weitere Untersuchung dieser Verdachtspunkte war es nötig, diese freizulegen. Die hierfür nötige Genehmigung des örtlichen Sprengmeisters konnte zunächst nicht erteilt werden“, schildert die Deutsche Bahn. Denn für den Fall eines Fundes hätten direkt Evakuierungsmaßnahmen erfolgen müssen, da im Umfeld aber zwei Alten- und Pflegeheime liegen und zudem Abstands- und Hygieneregeln wegen der Corona-Pandemie eingehalten werden mussten, galt es, zunächst einen Plan für den Fall der Fälle zu erarbeiten. Letztlich konnte die Kampfmittelsondierung ohne gefährliche Funde abgeschlossen werden, aber die Deutsche Bahn hatte Zeit verloren.

Start im Spätsommer

Aktuell passt das Unternehmen den Bauablaufplan an. „Derzeit ist geplant, dass der neue Haltepunkt Sagehorn inklusive der Personenüberführung und der beiden Aufzüge zum Spätsommer 2021 in Betrieb genommen werden kann“, gibt die Deutsche Bahn als neues Ziel aus. Der Haltepunkt in Sagehorn wird vom Bahnhof um rund 800 Meter in Richtung Zentrum verlegt. Zwei neue Außenbahnsteige sollen dort entstehen und barrierefrei ausgebaut werden. Weiterhin ist die Bahn für den Bau zweier Aufzüge, der Neubau von Wetterschutzhäusern, Beleuchtung und Bahnsteigausstattung sowie Neubau des Wegeleit- und Informationssystems inklusive Einbau eines taktilen Leitsystems verantwortlich.

Die Gemeinde Oyten muss hingegen dafür sorgen, die sogenannten Verknüpfungsanlagen wie Parkflächen, Fahrradabstellplätze oder Haltestellen für Busse einzurichten. Wie berichtet, soll nördlich der Gleise eine Anlage mit fast 150 Parkplätzen, den Haltestellen für den Linien- und den Bürgerbus sowie 30 Fahrradabstellplätzen entstehen, während die Anlage südlich der Gleise weniger mit Autoparkplätzen, sondern mehr mit Aufenthaltsqualität ausgestattet werden soll. Doch was haben die Verzögerungen in den Plänen der Deutschen Bahn für Auswirkungen auf jene der Gemeinde?

"Mit der Park & Ride-Fläche auf der Nordseite des Bahnhofs können und werden wir aller Voraussicht nach den ursprünglichen Plan – Fertigstellung bis Ende des Jahres – noch immer halten", erklärt Bürgermeisterin Sandra Röse. Natürlich könne immer etwas Überraschendes diesen Zeitplan torpedieren. So müsse etwa noch die eine oder andere Sondierung des Erdreichs vorgenommen werden und im April hat sich auf der anderen Seite der Gleise ja gezeigt, wie schnell es dabei zu Verzögerungen kommen kann.

Was die Arbeiten für die Verknüpfungsanlage auf der Südseite angeht, so gestalten sich Planungen für die Gemeinde Oyten aktuell aber deutlich schwieriger. „Da können wir erst dann so richtig mit den Arbeiten für den neuen Vorplatz starten, wenn die Deutsche Bahn ihre Container, Maschinen und Gerätschaften abzieht. Wann das sein wird, ist mir noch nicht bekannt“, sagt Röse. Das bedeutet: Trotz der zeitlichen Verzögerungen bei den Verlegungen der Bahnsteige, ist es sehr unwahrscheinlich, dass zur Inbetriebnahme beide Verknüpfungsanlagen schon fertig eingerichtet sind.

Kosten von über fünf Millionen Euro

Für die Erstellung der beiden Anlagen ging die Gemeinde Oyten Anfang dieses Jahres von Kosten in Höhe von mehr als fünf Millionen Euro aus. Der Eigenanteil wird mindestens zwei Millionen Euro betragen, der Rest kann durch Fördermittel aufgebracht werden. „Auch wenn wir die Verlegung des Haltepunktes nicht angestrebt haben und die hohen Kosten dafür mir durchaus schwer im Magen liegen, freuen wir uns darüber, dann irgendwann einen barrierefreien Haltepunkt zu haben“, versucht Sandra Röse in dem Projekt auch eine Chance für ihre Gemeinde zu sehen und ergänzt: „Wir versuchen, aus den Zitronen Limonade zu machen.“

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