Landgericht Verden

Angeklagter will aussagen

Der Brandprozess-Riede ist vor dem Land Gericht Verden nun neu aufgerollt worden. Neue Entwicklungen gibt es bisher allerdings nicht. Das könnte sich ändern. Der Angeklagte will sich äußern.
24.10.2018, 17:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Angelika Siepmann
Angeklagter will aussagen

Landgericht Verden.

Björn Hake

Alles zurück auf Anfang hieß es am Mittwoch vor dem Landgericht Verden, als es erneut um die fast drei Jahre zurückliegende Brandstiftung in Riede ging, in Folge deren zwei Menschen ums Leben gekommen sind (wir berichteten). Der Hauptangeklagte, der seinen bereits rechtskräftig verurteilten Halbbruder mit der Tat beauftragt haben soll, muss sich vor dem Landgericht erneut wegen Mordes verantworten.

Da die 8. Große Strafkammer mehr als zehn Verhandlungstermine angesetzt hat, stand der Verteidigung am Mittwoch ein sogenanntes Eingangsstatement zu. Der neue Pflichtverteidiger und die kurzfristig engagierte Wahlverteidigerin verzichteten allerdings darauf. Gleichzeitig kündigten die aus Nürnberg angereisten Juristen jedoch eine „ausführliche Einlassung“ des Angeklagten „für einen späteren Zeitpunkt“ an. Diese werde „auch neue Elemente“ beinhalten. Die Anwälte avisierten zudem „einige Beweisanträge“ und gaben am Mittwoch kund, ihr Mandant werde sich „heute nicht“ zur Person äußern.

Erstes Urteil komplett aufgehoben

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das im Oktober 2016 ergangene Urteil gegen den heute 46-jährigen Angeklagten komplett aufgehoben, nun ist es die Aufgabe einer anderen Schwurgerichtskammer, den Prozess wieder aufzurollen. Sämtliche Feststellungen, die nach der ersten Hauptverhandlung getroffen wurden, sind somit hinfällig. So brauchte der Vorsitzende Richter zum Auftakt des zweiten Durchgangs nur den Tenor des damaligen Urteils zu verlesen.

Der eigentliche Verursacher des vernichtenden Feuers, ein 23-Jähriger, hatte eine sechsjährige Haftstrafe wegen besonders schwerer Brandstiftung und fahrlässiger Tötung erhalten. Bei dem Älteren hatte das Gericht auf Anstiftung zur Brandstiftung mit Todesfolge, ebenfalls fahrlässige Tötung und Betrug erkannt und zwölfeinhalb Jahre verhängt. Zur Überzeugung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die mit ihrer Revision beim BGH Erfolg hatten, ist der heute 46-Jährige aber wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen.

Der gebürtige Ostfriese befindet sich seit Mitte Dezember 2015 ununterbrochen in Untersuchungshaft. Bis zu seiner Festnahme war es ihm schon gelungen, die Versicherung wegen des Brandschadens, „Ursache noch unbekannt“, zu Vorschusszahlungen von über 12 000 Euro zu verleiten. Auf mehr als 400 000 Euro soll er spekuliert haben. Im ersten Prozess hatte er sämtliche Vorwürfe bestritten.

Keine Zweifel an Todesursache

Wieder sitzen fünf Nebenkläger mit ihren Anwälten im großen Saal des Landgerichts. Die Angehörigen der beiden Brandopfer vernahmen im Verlaufe des Vormittags einmal mehr, was Ärzte des Hamburger Institut für Rechtsmedizin bei der Obduktion diagnostiziert haben. Danach sind sowohl die 56-jährige Mieterin der Obergeschosswohnung als auch ihr 61-jähriger Lebensgefährte eindeutig an einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung gestorben. Die geladene Sachverständige erklärte, es seien „auffällig hohe“ Werte des geruchslosen, giftigen Atemgiftes im Blut der Toten festgestellt worden. „An der Todesursache gibt es keinen Zweifel." Informationen, die für die Nebenkläger allerdings nicht neu sind.

Laut Anklageschrift hat der Halbbruder des Angeklagten am frühen Morgen des ersten Adventssonntags 2015 die Brandstiftung auftragsgemäß verübt, ohne vorher zu überprüfen, ob sich in dem Haus an der Thedinghauser Straße Personen aufhalten. Dem Älteren soll aber bewusst gewesen sein, dass sich zumindest die Mieterin in der Obergeschosswohnung befinden und getötet werden könnte. Dies habe er billigend in Kauf genommen, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Den 23-Jährigen hatte er wenige Tage später bei einem Treffen in Bremen wie vereinbart entlohnt: mit 1000 Euro und einem Auto.

Der Prozess wird am 2. November fortgesetzt.

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