Starker Auftritt

Balke in Bestform

Der Kabarettist und Musiker Pago Balke hat in der Rieder Kirche einen gelungenen Auftritt hingelegt. Mit im Gepäck hatte der Künstler sein Wilhem-Busch-Programm.
23.05.2019, 16:21
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Balke in Bestform
Von Jürgen Juschkat
Balke in Bestform

Pago Balke hat mit seinem Wilhelm-Busch-Programm einen starken Auftritt in Riede hingelegt. Ihm selbst scheint es auch gefallen zu haben.

Björn Hake

Der Titel „Gnadenlose Heiterkeit“ hielt, was er versprach. Der in Felde lebende Schauspieler, Musiker und Kabarettist Pago Balke begeisterte am Mittwochabend mit seinem Wilhelm-Busch-Programm in der St.-Andreas-Kirche in Riede das Publikum – unterstützt vom Pianisten Nicolai Thein. Es war eine Benefizveranstaltung, für die der Förderverein Schulwegsicherheit Riede den Künstler gewinnen konnte.

Pago Balke machte an diesem Abend ein etwas eigenwilliges, aber gekonntes Vorprogramm, um sein Programmheft an die Frau beziehungsweise den Mann zu bringen. Mit dem Satz von Wilhelm Busch „Mit dem Bezahlen wird man das meiste Geld los“ erzeugte er die ersten Lacher. Er bezog schon hier das Publikum mit ein und beschrieb den Weg durch den Mittelgang des mehr als 800 Jahre alten Gotteshauses mit dem Satz: „Ich nehme grad ein Bad in der Menge.“

Strich für Strich ließ der Kabarettist eingangs ein Dichter-Porträt entstehen. Mit der „Grande Sonate Pathetique“ von Ludwig van Beethoven und einem Auszug aus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ untermalte Pianist Thein den ersten Programmteil, während Balke wortgewandt wie eh und je mit einem Vorwort zu Balduin Bählamm an die vorletzte Bildergeschichte des humoristischen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch erinnerte. Den Bühnen-Hintergrund bildete ein schwarzer Vorhang, der den Altar verdeckte und beim seitlichen Aufziehen eine Leinwand zum Vorschein brachte. Auf dem weißen Untergrund präsentierte Balke, der wie sein Pianist einen dunklen Anzug und ein rötliches Hemd trug, rund 200 von Busch gemalte Bilder zur Ergänzung der Gedichte und Geschichten aus der Feder des allseits bekannten Schriftstellers.

Viele Lacher aus dem Publikum

Balke gab Auszüge aus der Knopp-Triologie zum Besten – so „Beginn“, „Ländliches Fest“, „Freund Mücke“ und „Eheliche Ergötzlichkeiten“. Er erzeugte damit nicht nur Schmunzeln bei den Besuchern, sondern löste auch viele Lacher und großen Applaus aus. Der Kabarettist aus Felde drehte sich Richtung Hintergrund und umarmte sich beim Thema „Laura“. Er schlang die Arme so gekonnt um sich selbst, dass der Betrachter durchaus von zwei Menschen ausgehen konnte.

Wortgewandt trug der Schauspieler die Busch-Texte vor – mal langsam zum Nachdenken, dann wieder schnell wie eine Rakete. „Die Liebe war nicht geringe“, „Selig sind die Auserwählten“, „Wenn alles sitzenbliebe“ – Balke zog viele Register, auch bei der Auswahl an Gedichten. Dass der Felder auch etwas von Musik versteht, zeigten seine Musikeinlagen. So die Improvisationen auf dem Tee-Bass. Zwei Bürsten nutzte er später als musikalische Schlaginstrumente.

Flinke Finger am Piano

Balke gab zu, dass er einst ermutigt („wir sagen genötigt“) wurde, über 100 Jahren nach dem Tod von Wilhelm Busch solch ein Programm zu präsentieren. Nach mehr als 100 Aufführungen kann durchaus behauptet werden, dass eine gute Entscheidung getroffen wurde. Mit schelmischem Blick und klug gestikulierend trug er Auszüge aus „Die Haarbeutel“ und eine weitere Auswahl an Gedichten vor. „Schinken aus Westfalen“, „Du warst noch so ein kleines Mädchen“ und „Es sitzt ein Vogel auf dem Leim“ waren nur drei von etlichen Versen in Reimform. Am Piano wechselte Nikolai Thein mit flinken Fingern von Mozart sowie Chopin und Schubert hinüber zu Rachmaninoff.

Natürlich fehlten – obwohl nicht im Programm ausgedruckt – auch „Max und Moritz“ sowie die „Fromme Helene“ nicht. Da ihm die gesamten Geschichten zu lang erschienen, beschränkte er sich auf den „Action“-Teil unter anderem mit „Ritzeratze, ritzeratze“ aus dem dritten Max-und-Moritz-Teil. Auf Zugaben nach langem Applaus waren Balke und Thein eingestellt und gaben diese bereitwillig. „Da gehört ein gewaltiges Gedächtnis dazu“, urteilte ein Besucher, weil Balke alle Gedichte und Geschichten aus dem Gedächtnis vortrug.

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