Brandprozess-Riede Lebenslänglich für Angeklagten

Fast vier Jahre nach der Brandstiftung in Riede, bei der zwei Menschen ums Leben kamen, ist ein 47-Jähriger, der den Auftrag dazu erteilt haben soll, wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
20.09.2019, 15:55
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Von Angelika Siepmann

Lebenslänglich wegen Mordes: Mit diesem Urteil ist Freitagnachmittag nach elf Monaten der zweite Landgerichtsprozess um die fast vier Jahre zurückliegende Brandstiftung in Riede zu Ende gegangen. Wenige Stunden zuvor hatte der Verteidiger des 47-jährigen Angeklagten aus Aurich noch vehement einen Freispruch verlangt.

Die 8. große Strafkammer – als Schwurgericht – folgte mit dem Schuldspruch, der sich auch auf Betrug erstreckt, in vollem Umfang den Forderungen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Diese hatten schon in der ersten Hauptverhandlung 2016 auf eine Verurteilung wegen Mordes gedrungen. Darauf hatte die 1. große Strafkammer allerdings nicht erkannt, eine Tötungsabsicht habe bei dem Angeklagten nicht bestanden. Wegen Anstiftung zur schweren Brandstiftung mit Todesfolge, Anstiftung zur besonders schweren Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und Versicherungsbetruges war der Mann zu zwölfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenkläger – Angehörige der beiden Opfer – hatten sich damit nicht abfinden wollen. Mit ihrer Revision beim Bundesgerichtshof hatten sie Erfolg: Das Urteil gegen den Hauptangeklagten wurde komplett aufgehoben, und so musste sich eine andere Kammer des Landgerichts mit dem Fall befassen. Am Urteil gegen den heute 25-jährigen Halbbruder war nicht gerüttelt worden. Der gebürtige Gelsenkirchener hatte eine sechsjährige Freiheitsstrafe wegen schwerer Brandstiftung und fahrlässiger Tötung erhalten.

Halbbruder als Belastungszeuge

Er hatte auch diesmal den Part des wichtigsten Belastungszeugen inne und schilderte die gesamten Umstände der Auftragstat genauso, wie er es schon früh im Ermittlungsverfahren und später auch vor Gericht getan hatte. In den Plädoyers der Nebenklagevertreter war noch einmal auf seine „Aussagekonstanz“ verwiesen worden und darauf, dass er glaubhaft versichert habe, nicht von der Anwesenheit zweier Menschen in dem Wohnhaus an der Thedinghauser Straße gewusst zu haben.

Aus Sicht des neuen Nürnberger Pflichtverteidigers des 47-Jährigen ist der Bruder allerdings der wahre Täter, erfahren im Legen von Bränden und zumindest damals unter dem Einfluss von Personen aus dem privaten und beruflichen Umfeld stehend. Der Anwalt wurde nicht müde, in dieser Richtung einen Beweisantrag nach dem anderen zu stellen und die Plädoyers damit immer wieder zu verhindern. In seinem dreistündigen Schlussvortrag betonte er, sein Mandant habe keinerlei Motiv und er sei zutiefst betrübt, dass durch das alleinige Verschulden des Bruders zwei Menschen ums Leben gekommen seien. Es komme nur ein Freispruch in Frage. Das Gericht hat anders entschieden.

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