Schießsport Schützen schießen nur kurzzeitig gegen den Trend

Trotz der Corona-Krise wurden die Bezirksmeisterschaften des Schützenverbandes Grafschaft Hoya zunächst fortgesetzt. Doch die generelle Absage für alle restlichen noch vorgesehenen Wettbewerbe folgte prompt.
16.03.2020, 13:16
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Schützen schießen nur kurzzeitig gegen den Trend
Von Jürgen Juschkat

Allerorten fallen Sportveranstaltungen aus, weil die Gefahr durch das Coronavirus einfach zu groß ist. Die Schützen des Bezirksverbandes Grafschaft Hoya, dem auch Vereine aus dem Landkreis Verden angehören, setzten jedoch ihre Bezirksmeisterschaften fort. So auch in Riede, wo der Kleinkaliber-Dreistellungskampf am Sonnabend ausgetragen wurde.
Abgesagt wurde hingegen bereits am Wochenende vom SV Bramstedt der Luftgewehr-Dreistellungskampf des Nachwuchses, der am 4. April stattfinden sollte. Und nicht nur das: Wie der Bezirksverband mittlerweile bekannt gegeben hat, werden aufgrund der aktuellen Situation sämtliche der noch ausstehenden Wettbewerbe der Bezirksmeisterschaften nun doch abgesagt. Darüber hinaus wird die Sportausschusssitzung in Süstedt, die eigentlich für den 6. April anberaumt war, und auf der die Medaillen überreicht werden sollten, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Eine neuerliche Einladung werde folgen, teilte der Bezirksverband mit.
Aktuell ausgefallen ist auf dieser Ebene bereits die Disziplin Kleinkaliber 30 Schuss. Die für Sonntag in Okel vorgesehenen Titelkämpfe mussten gecancelt werden, weil der Gastgeber aus Coronavirus-Gründen von der Ausrichtung zurücktrat. „Jeder kann dazu seine eigene Meinung haben“, erklärte Horst Riedemann (Berxen) vom Team Sportleitung des Bezirks. Riedemann hatte sich nach Absprache mit seinem Präsidenten Wilhelm Bäker zunächst gegen eine Absage der Titelkämpfe ausgesprochen. So fanden am Wochenende auch die Luftdruck-Wettbewerbe der Schüler in Süstedt unter Leitung von Bettina Precht statt. Der Teamleiter, der am Donnerstag die Vereine von der weiteren Ausrichtung informiert hatte, rückversicherte sich tags darauf nach einigen Bedenken von außen noch einmal beim Landesverband Nordwestdeutscher Schützenbund (NWDSB).
„In einem Telefonat mit dem Landessportleiter Volker Kächele hat dieser gesagt, dass sowohl der NWDSB als auch der Niedersächsische Sportschützenverband (NSSV) an den Landesmeisterschaften festhält. Weiterhin, dass er sich über jeden Verband freut, der seine sportlichen Aktivitäten durchführt.
Dem steht jedoch gegenüber, dass der Deutsche Schützenbund (DSB) bereits am Freitag alle nationalen Wettbewerbe einschließlich der Deutschen Meisterschaft (DM) abgesagt hatte. Im Newsletter an die Vereine heißt es: Das DSB-Präsidium begründete dies vor allem auch mit der Problematik der DM-Zulassungen, da aufgrund der aktuellen Situation keine vorgeschalteten Meisterschaften der Untergliederungen stattfinden werden. „Zum einen kommen wir damit den Empfehlungen der Bundesregierung und des Robert-Koch-Instituts nach und schützen unsere Mitglieder, zum anderen nehmen wir damit unseren Landesverbänden den Druck, die Qualifikationen durchzuführen, was in der aktuellen Lage nicht möglich ist“, sagte der Vize-Präsident Sport, Gerhard Furnier. Abgesagt wurde vom NWDSB jedoch der Aufstiegswettkampf zur den Verbandsligen, der am kommenden Wochenende ausgetragen werden sollte.
Im Bezirk Hoya wurde und wird auch weiterhin Teilnehmern freigestellt, ob sie antreten wollen oder ihr Ergebnis der Kreismeisterschaft als „außer Konkurrenz“ eingetragen wird. Dies kann nur auf Antrag und unter Angabe des Ergebnisses aus der Kreismeisterschaft geschehen. Wer ohne schriftliche Absage dem Wettbewerb fern bleibt, wird als „nicht angetreten“ gewertet.
Die Pistolenschützen aus Haendorf und von Bassum 1848 machten davon Gebrauch. Sie hätten am Wochenende bei den 48ern die Disziplinen Sportpistole, Standard und Zentralfeuerpistole absolvieren müssen und traten nicht an. Nun greifen bei ihnen auf Antrag die Kreismeisterschafts-Resultate.
Für den Wettbewerb Kleinkaliber-Dreistellung in Riede sagte Nils Henke von der Schützengilde (SGi) Thedinghausen ab. „Ich will nicht schuld daran sein, dass ich etwas anschleppe“, erklärte er mit Rücksicht auf einen älteren erkrankten Verwandten. „Bei unseren Jungschützen ist das ähnlich. Schulen und Kitas sind geschlossen, und sie fahren noch zu Meisterschaften? Lass da mal nur einen in den nächsten Wochen krank werden – das können wir uns ewig anhören“, fügte er an.
Die ohnehin übersichtliche Besetzung bei der Gewehrdisziplin Kleinkaliber-Dreistellung wurde dabei noch kleiner. Die kleine Runde und dann zwei freie Stände zwischen den Schützen ermunterten Tim Juschkat (SV Dibbersen-Donnerstedt-Horstedt) wie geplant zur Teilnahme. „Man sollte aber Rücksicht auf das Umfeld nehmen. Wäre es ein größerer Rahmen, dann hätte ich vielleicht anders überlegt“, sagte er. Auf dem Rieder Schießstand wurde deutlich, dass die Schützen und Betreuer unterschiedlicher Meinung in Bezug auf Absagen in ihrem Sport sind. Doch eine Tendenz in Richtung Absagen war auch hier zu erkennen. Gleichzeitig nahmen die Rieder Schüler mit ihrem Jugendleiter in Süstedt an den Bezirksmeisterschaften mit dem Luftgewehr teil. Dort verzichteten aber andere Vereine aus dem Kreisverband Weser-Eyter auf ihre Starts und ließen die Ergebnisse der Kreisebene für die Landesmeisterschaftsqualifikation einfließen. Eltern und Betreuer hatten sich dazu entschieden.
Eines scheint aber offenbar weit verbreitet zu sein: Das Training fällt – wie in anderen Sportarten auch – vorerst in vielen Schützenvereinen aus.

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