Schießen

Enno Ehlers ist aus dem Schützenverein Riede nicht mehr wegzudenken

Enno Ehlers hat das Schießen erst spät für sich entdeckt. Mittlerweile ist er aus dem Schützenverein Riede nicht mehr wegzudenken.
17.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Enno Ehlers ist aus dem Schützenverein Riede nicht mehr wegzudenken
Von Jürgen Juschkat

Erst mit 18 Jahren – also sehr spät – ist der Rieder Enno Ehlers zum Schießsport gekommen. Als mittlerweile 40-Jähriger ist er sehr intensiv mit diesem verbunden. Als aktiver Pistolenschütze wie auch als B-Trainer und Sportleiter des örtlichen Schützenvereins ist er voll eingespannt und hat längst auch seine Frau Christine – jedoch als Gewehrschützin – für diesen Sport gewonnen. Vor 15 Jahren absolvierte der Rieder seine Ausbildung zum C-Trainer und erhielt als Angehöriger des Trainerteams im Landeskader Pistole die Möglichkeit, seine B-Lizenz zu machen. Im Landesverband wirkte er in verschiedenen Kaderstufen (Landesbesten-Kader, SBN-Kader in Hannover, Junioren-Kader) unter verschiedenen hauptamtlichen Trainern mit.

Mit der Kader-Arbeit hörte Ehlers jedoch auf, als Sohn Jesper geboren wurde. „Ich wollte die Wochenenden wieder mehr zu Hause sein und nicht auf Wettkämpfen quer durch die Republik. Denn so viel Spaß mir die Kaderarbeit auch immer gemacht hat, nimmt sie viel private Zeit in Anspruch“, erklärt der Rieder. Klar, dass der Sohn und die vor drei Jahren geborene Greetje mit dem Hobby der Eltern aufwachsen und es kaum erwarten können, bis sie mitmachen dürfen. Ehlers schießt lediglich mit der Luftpistole, weil für die anderen Pistolendisziplinen schlichtweg die Zeit für das Training fehlt. „Lust hätte ich zur Freien Pistole, allerdings ist dieses eine sehr trainingsintensive Disziplin. Im Kader habe ich diese immer gerne trainiert, da hier gerade die richtige Technik entscheidend ist und deswegen nicht der kleinste Fehler oder eine Unachtsamkeit auf der Scheibe verziehen wird“, fügt Ehlers an.

Die Landesliga-Saison 2019/20 war für Ehlers und seine Luftpistolenmannschaft des Schützenvereins Riede sehr schwierig. Nach dem Aufstieg lautete das Ziel, die Liga mit ihren Wettkämpfen zu genießen. „Da wir die absoluten Underdogs waren, hatten wir von vornherein damit gerechnet, dass wir nur für den Klassenerhalt kämpfen. Jedoch verlief die Saison dann für uns bitter“, denkt der Trainer etwas wehmütig zurück.

Unglückliche Saison

Gleich beim ersten Wettkampf litt die Nummer 1, Christoph Kramer, an Rückenschmerzen, was sich dann später als Bandscheibenvorfall herausstellte. Somit musste er die nächsten Wettkämpfe aussetzen. Außerdem hatte Maik Fitz mit Beschwerden im Ellenbogen des Schießarms zu kämpfen und blieb dadurch weit unter seiner eigentlichen Leistungsstärke. Ehlers plagten längere Zeit Rückenprobleme. Das ganze Dilemma gipfelte in der Absage des dritten Durchgangs. „Aufgrund unseres kleinen Kaders war es uns nicht möglich, eine Mannschaft zu stellen. Wir mussten für den Tag unsere Teilnahme absagen. Nichtsdestotrotz hatten wir noch bis zum letzten Wettkampf zumindest eine rechnerische Chance auf die Relegation. Diesen Wettkampf haben wir dann knapp mit 2:3 verloren“, erinnert sich der 40-Jährige.

Am Ende der unglücklich verlaufenen Saison war sich die Mannschaft einig, dass sie im Bezirk den Wiederaufstieg angehen will. Die Wettkampf-Absage war für Ehlers ein totaler Tiefpunkt. „Eine absolut unangenehme Entscheidung, mit der ich mich sehr schwergetan habe, da dies absolut nicht meinem sportlichen Ehrgeiz entspricht“, urteilt der Sportleiter. Ein kleiner Höhepunkt in der Saison 2019/20 war der letzte Wettkampf. „Zum einen waren wir mit Bassum zusammen Co-Ausrichter, und zum anderen war Christoph Kramer wieder dabei und mein Rücken auf dem Wege der Besserung“, berichtet Ehlers. Die Rieder setzten das um, was sie sich zu Saisonbeginn vorgenommen hatten – nämlich mit einer großartigen Mannschaft spannende Wettkämpfe mit tollen, gegnerischen Mannschaften zu bestreiten.

Die neue Saison im Bezirk Grafschaft Hoya begann für die Rieder mit gemischten Gefühlen. „Unser Training und die Vorbereitung haben coronabedingt sehr schleppend bis gar nicht stattgefunden“, sagt Ehlers. Nach der ersten Anmeldung folgte die Abmeldung der Liga seitens des Bezirks. Dann folgte die Nachricht, die Liga doch stattfinden zu lassen. „Leider war hier der Informationsfluss – warum auch immer – nicht so gut. Einige Mails sind gar nicht oder erst verspätet nach Nachfrage bei mir eingetroffen. Dies hat zwangsläufig für weitere Verwirrung gesorgt. Letztlich haben wir dann aufgrund herausgegebener Verhaltensregeln den ersten Wettkampf abgesagt, da auch innerhalb der Mannschaft der Gedanke zur Vorsicht und Sicherheit unserer Mitmenschen im Vordergrund stand“, erklärt Ehlers die Absage.

Zum Thema Sport in Corona-Zeiten hat er eine klare Meinung: „Ich selbst kann für mich sagen, dass ich lieber ein wenig Rücksicht nehme und mal eine Saison auf meinen Sport verzichte, als dass es durch zu hohe Infektionszahlen wieder zu Schließungen von Schulen oder Kindergärten kommt. Auch der Schutz von Personen aus Risikogruppen stand für uns alle im Vordergrund. Es war wegen Corona die absolut richtige Entscheidung. Was aber die Wettkampfatmosphäre und Spannung völlig ausgelöscht hat, ist die Entscheidung, dass alle Durchgänge nur als Fernwettkampf ausgetragen werden sollten. Hier konnte ich sofort in der Mannschaft merken, dass der Reiz einfach nicht da ist und dieses die Entscheidung zur Abmeldung für alle einfacher machte.“

Gedanken über das Vereinsleben

Ehlers macht sich auch Gedanken über die Zukunft im Verein. „Ich denke, die Sportschützen werden schnell wieder in die Halle zurückkommen, wenn die aktuellen Einschränkungen aufgehoben werden. Auch die Durchführung der Bezirksmeisterschaft (im Bezirk Hoya; Anm. d. Red.) ist wichtig, um wieder einen Rhythmus zu bekommen. Und mir ist aufgefallen, es fehlt im Training auch ein wenig das Ziel, warum man eigentlich gerade trainiert, wenn so überhaupt keine Wettkämpfe in Aussicht stehen. Jedoch sollten Wettkämpfe nicht um jeden Preis stattfinden. Zu starke Einschränkungen wegen der Pandemie bei den Wettkämpfen schrecken am Ende nur die Sportler ab und helfen somit dem Sport auch nicht unbedingt. Schwieriger finde ich, das gesellschaftliche Leben wieder in die Vereine zu bekommen. Das traditionelle Schießen ist dieses Jahr fast komplett ausgefallen, das wieder wie gehabt zum Laufen zu bekommen, bedarf wahrscheinlich viel mehr Anstrengung und ist für unseren Verein genauso wichtig wie das sportliche Schießen“, sagt der Sportleiter.

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